„Arise Grand Show“ (Foto: Ralph Larmann)
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Megaspektakel: „Arise Grand Show“ in Berlin

Uraufgeführt im Herbst 2021, meldet sich die „Arise Grand Show“ im Berliner Friedrichstadt-Palast jetzt aus der Sommerpause zurück. Die elf Millionen Euro teure Produktion ist ein phänomenales Glitzerspektakel par excellence.

Im Mittelpunkt der Show (Autor und Regisseur: Oliver Hoppmann) steht der Fotograf Cameron (Dennis Weissert), der mit seiner Muse (Kediesha McPherson) um die ganze Welt reist. Als er sie verliert, reißt es sein Glück in Stücke. Versunken in Dunkelheit, starrt Cameron auf seine Fotos an der Wand, als diese plötzlich zum Leben erwachen. Licht (Jaqueline Bergrós Reinhold) zieht ihn magisch hinein in die emotionalsten und schönsten Erinnerungen der gemeinsamen Zeit (Olivier St. Louis).

Das gigantische Bühnenbild von Frida Arvidsson zeigt ein überdimensionales Auge, in dessen riesige Pupille man geradezu hineingezogen wird. Auch auf der Kostümseite wurde nicht gekleckert, sondern geklotzt. Der Pariser Modeschöpfer Stefano Canulli hat dazu eine Vielzahl von farbenfrohen, glitzernden und blinkenden Outfits entworfen, die allesamt hinreißend sind.

Ballettdirektorin Alexandra Georgieva hat insgesamt sieben Choreografinnen und Choreografen engagiert, die mit ihren unterschiedlichen Stilen und Handschriften eine große Abwechslung in den tänzerischen Teil bringen. Darunter befindet sich unter anderem Ashley Wallen, der bereits für den Musicalfilm „The Greatest Showman“ choreografierte. Ob atemberaubende Flugnummern am Trapez, famose Salti und Pirouetten – der Kreativität sind in der „Arise Grand Show“ praktisch keine Grenzen gesetzt.

Einen roten Faden gibt es in der Produktion nicht wirklich – man vermisst ihn aber auch nicht, weil so viel fürs Auge geboten wird, dass man sich einfach gut darauf einlassen und das Dargebotene genießen kann. Die visuelle, musikalische und choreografische Abwechslung macht die Show zu einem kurzweiligen Erlebnis.

Als Highlights erweisen sich dabei die von rund 60 Tänzerinnen getanzte Kickline, sich grazil zwischen Fontänen und Wasserfällen bewegende Unterwasserwesen sowie der Rollercoaster Swing der Troupe Pronin und die Flying Trapeze der Troupe Flying Caceres, die vom Publikum lautstark bejubelt werden.

Aus der Gesangsriege begeistert vor allem Olivier St. Louis als Zeit mit seiner dunkel legierten Stimme und dem charismatischen Auftreten. Doch auch Dennis Weissert als Fotograf Cameron, Kediesha McPherson als dessen Muse und Jaqueline Bergrós Reinhold als Licht faszinieren mit starken Vokalleistungen. Nicht weniger eindrucksvoll sind zudem die drei Sirenen, dargestellt von Sidonie Smith, Laura Panzeri und Mark van Beelen, die mit starker Bühnenpräsenz und strahlenden Stimmen glänzen.

Als weiteres Aushängeschild des Friedrichstadt-Palastes erweist sich die Showband unter der Leitung von Sebastian Brand, der seine Musikerinnen und Musiker mit flottem Dirigat durch die vielfältige Partitur leitet. Neben beeindruckenden Streicher- und Percussionklängen sind es die eingängigen Popsongs von Tom Neuwirth aka Conchita Wurst und Jasmin Shakeri, die begeistern können.

Wenn sich nach zweieinhalb Stunden der Vorhang senkt, hat das Publikum eine emotionale Achterbahnfahrt mit vielen Ahs und Ohs erlebt, bei der choreografisch viele schöne Akzente gesetzt wurden. Kurzum: Ein Megaspektakel und eine Show von Weltformat.

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp ist freier Journalist und schreibt nicht nur für kulturfeder.de, sondern auch für die Neue Osnabrücker Zeitung und andere Medien. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" und Streaming-Konzerte wie "In Love with Musical", "Musical meets Christmas" und "Musical Songbook".