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Starke Leistung, schwaches Buch: „The Addams Family“ in Osnabrück

Wer kennt sie nicht, die morbide Familie Addams, bekannt aus Comics, einer TV-Serie und zwei Kinofilmen. Andrew Lippas Musicalversion von „The Addams Family“ ist nun am Theater Osnabrück zu sehen und verspricht einen amüsanten, wenn auch recht zähen Abend. Denn die tollen Darsteller und die klasse aufspielende Band können über ein großes Manko nicht hinwegtäuschen: das ziemlich schwache Buch von Marshall Brickman und Rick Elice.

Erzählt wird eine Story, die nicht gerade spannend klingt und es auch nicht ist: Wednesday Addams ist in Lucas verliebt. Das Paar möchte heiraten und so sollen sich im Vorfeld ihre Familien, die ungleicher nicht sein könnten, im Rahmen eines Abendessens kennen lernen. Das Abendessen gerät jedoch aus dem Ruder und das Chaos ist vorprogrammiert.

Regisseur Felix Seiler hat wohl alles in seiner Macht Stehende getan, um diese Story unterhaltsam auf die Bühne zu bringen, erfindet dabei aber das Rad nicht neu. Immerhin: Die flachen Witze und der unterirdische Humor kommen beim Publikum gut an. Dass die Story auf einen Bierdeckel passt und die einzelnen Charaktere zwar ihren Filmvorbildern verdächtig nahekommen, aber ansonsten recht eindimensional bleiben, scheint nicht zu interessieren.

Sei’s drum: Optisch wird immerhin eine Menge geboten. Das Bühnenbild von Nikolaus Webern ist eine gelungene Kombination aus dreidimensionalen Bühnenelementen und Videoprojektionen, was viele schnelle Szenenwechsel zwischen Friedhof, Addams-Villa, Speisesaal oder Keller ermöglicht. Auch die Kostüme von Linda Schnabel enttäuschen nicht – erst recht nicht bei den Solisten, die optisch fast ein wenig wie Kopien der Filmfiguren wirken.

All das morbide Treiben auf der Bühne hat Kati Farkas in hübsch anzusehende Choreografien gehüllt, die quasi das Sahnehäubchen der Inszenierung bilden. Aber während all die optischen Eindrücke sehr positiv im Gedächtnis bleiben, kann neben der Handlung vor allem die Musik nicht überzeugen. Zwar leitet An-Hoon Song seine zwölf Musiker – allesamt Musikstudenten aus Osnabrück und Detmold – perfekt an und sorgt für knackige Töne aus dem Off, doch hat Komponist Andrew Lippa für „The Addams Family“ einfach keine ohrwurmträchtige Musik geschaffen.

Eigentlich verwunderlich, wenn man überlegt, welch grandiose Musik er für Musicals wie „Big Fish“ oder „The Wild Party“ geschrieben hat. Bei der „Addams Family“ plätschert die Musik aber nur so vor sich hin und es bleibt – mal abgesehen von dem bekannten Akkord aus den Filmen (Da-da-da-dam-schnipp-schnipp) – absolut nichts hängen. Ganz besonders bitter ist zudem, dass kein Song die Handlung wirklich vorantreibt.

Ein glückliches Händchen hat man in Osnabrück aber wieder einmal bei der Besetzung bewiesen. Allen voran ist es der musicalerprobte Opernsänger Jan Friedrich Eggers aus dem Hausensemble, der erneut zu begeistern vermag. Er spielt Gomez Addams herrlich selbstironisch mit einem wunderbaren Timing und sicher geführter Gesangsstimme. Ihm zur Seite steht die perfekt singende Katarina Morfa als Morticia, die blendend aussieht und unmissverständlich klarmacht, dass eigentlich sie es ist, die im Hause Addams die Hosen anhat. Ein grandioses spießiges Ehepaar sind außerdem Susann Vent-Wunderlich und Genadijus Bergorulko als Alice und Mal Beineke.

Zum Publikumsliebling avanciert Mark Hamman als Onkel Fester durch seine sympathische Spielart, während Lasarah Sattler als Wednesday und Felix Freund als Lucas ein perfektes Teenagerpaar abgeben – beide stimmlich wie schauspielerisch total auf der Höhe. In der Hosenrolle des Pugsley ist eine spielfreudige Sandra Bitterli zu erleben, während Tobias Rusnak eine großartig schrullige Grandma und Maciej Bittner einen perfekt mit trockenem Humor agierenden und sehr schwerfälligen Lurch gibt

Zum Schluss feiert das Osnabrücker Publikum „The Addams Family“ und die starke Leistung der Künstler. Wer keine tiefgründige Story braucht und auf flache Gags abfährt, wird hier definitiv voll auf seine Kosten kommen.

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp

Dominik Lapp ist der Gründer von kulturfeder.de. Als Kultur- und Lokaljournalist schreibt er außerdem für die Neue Osnabrücker Zeitung und andere Medien. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" und das Streaming-Konzert "In Love with Musical".

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