Yngve Gasoy-Romdal (Foto: Dominik Lapp)
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Interview mit Yngve Gasoy-Romdal: „Ohne meinen Beruf wäre ich psychisch krank geworden“

Für „Sunset Boulevard“ kam der Norweger Yngve Gasoy-Romdal 1997 nach Deutschland und hat seitdem viele Rollen im In- und Ausland gespielt. Er kreierte die Titelrolle in der Uraufführung von „Mozart!“ (Wien) und spielte die Hauptrollen in Musicals wie „Jekyll & Hyde“ (Köln), „Camelot“ (Bad Hersfeld) und „Die Schöne und das Biest“ (Oberhausen, Berlin). Aktuell ist er am Theater Magdeburg wieder in der Titelrolle in „Jekyll & Hyde“ zu sehen. Im Interview spricht Yngve Gasoy-Romdal über seinen Beruf und das Glück, mit Lebenspartnerin Leah Delos Santos gemeinsam auf der Bühne stehen zu können.

Was ist für Sie das Besondere an Ihrem Beruf?
Ach herrje, das sind so viele Sachen. Das, was ich mache, ist ein 24-Stunden-Beruf. Ist es eigentlich ein Beruf oder ein Lebensstil? Wenn man etwas als Arbeit betrachtet, muss man auch arbeiten. Aber ich betrachte es nicht so sehr als Arbeit. Als Sänger und Schauspieler spiele ich nicht nur Rollen, sondern bin immer Sänger und Schauspieler – die ganze Zeit. Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen. Ohne meinen Beruf wäre ich psychisch krank geworden! Auf der Bühne lebe ich alles aus, was ich kann. Ich liebe es einfach und kann mir nichts Anderes vorstellen. Deshalb ist mein ganzer Beruf für mich etwas Besonderes. Ich musste mich auch gar nicht für diesen Beruf entscheiden, da ich da sozusagen hineingeboren wurde. Ich habe schon immer gesungen, war immer auf der Bühne und habe es immer geliebt. Es gibt nichts Schöneres, als verschiedene Rollen zu spielen und in diese Figuren hineinzuschlüpfen.

Sie dürfen immer mal wieder auch mit Ihrer Lebenspartnerin auf der Bühne stehen. Das ist nicht selbstverständlich.
Ja, ist das nicht ein Geschenk?

Das möchte ich gern von Ihnen erfahren.
Es ist wirklich ein Geschenk für mich. (lacht) Meine Partnerin Leah Delos Santos und ich haben ja schon gemeinsam in „Die Schöne und das Biest“ gespielt, und wir wollten auch „Robin Hood“ machen. Leider wurde daraus nichts, da ich zu der Zeit am Knie operiert werden musste. Umso schöner ist es, dass wir nun bei „Jekyll & Hyde“ wieder zusammen auf der Bühne stehen – und wir genießen es, 24 Stunden am Tag zusammen zu sein. Manche Leute können sich so was gar nicht vorstellen, aber ich danke Gott dafür. Ich liebe Leah. Würde ich es nicht genießen, mit ihr auf der Bühne zu stehen, dann wäre etwas verkehrt. Ich liebe es, ich liebe sie. Deshalb ist es ein Geschenk für mich, dass wir die Möglichkeit haben, zusammen auf der Bühne zu stehen.

Sie sind seit vielen Jahren auf deutschsprachigen Bühnen zu Hause. Würde es Sie als Norweger nicht reizen, auch mal in der Heimat auf der Bühne zu stehen?
Natürlich hätte ich Lust dazu. Aber das Problem ist, dass in Norwegen immer alles so kurzfristig passiert. Ich kann nicht in zwei Wochen in Norwegen in einem Stück mitspielen, wenn ich gerade in Deutschland unter Vertrag bin. In Deutschland wird man ja oft schon ein Jahr vorher gebucht, aber in Norwegen ist das leider nicht so. Ich will allerdings auch gar nicht weg aus Deutschland, da ich hier immer so tolle Rollen spielen darf. Nach Norwegen möchte ich eigentlich nur, um mal wieder mit den Schafen und Kühen zu sprechen. (lacht) Aber in Deutschland habe ich so tolle Rollen gespielt, dass ich vollkommen zufrieden bin.

Ist unter all den Rollen, die Sie bisher gespielt haben, eine dabei, die Ihnen ganz besonders am Herzen liegt?
Jede Rolle ist für mich etwas ganz Neues. So ist es auch in Magdeburg bei „Jekyll & Hyde“. Ich habe die Rolle zwar schon in Köln gespielt, aber ich habe trotzdem wieder bei null angefangen und die Rolle neu für mich entdeckt. So mache ich das immer, und das macht es mir auch besonders schwer. Wenn ich mit den Proben beginne, fühle ich mich wieder wie ein Anfänger. Ich muss eine Rolle selbst aufbauen, und alle Rollen, die ich gespielt habe, waren ganz unterschiedlich, ob das nun Mozart, Jekyll oder Jesus war. Da ist es schwer zu sagen, welche Rolle mir besonders am Herzen liegt. Mir ist immer die Rolle wichtig, die ich aktuell spiele. Denn da stecke ich meine Seele rein, also ist sie mir wichtig.

Sie haben schon in der Kölner Großproduktion von „Jekyll & Hyde“ die Titelrolle gespielt und spielen sie nun in Magdeburg in einem kleineren Theater. Was sind die größten Unterschiede zwischen beiden Produktionen?
Ganz klar: In Köln war alles größer. Dort gab es auch mehr Technik und mehr Effekte. Aber deswegen ist es in Magdeburg nicht schlechter. Im Gegenteil, denn hier kann ich viel mehr zeigen und viel mehr Yngve sein in der Rolle. Das wollte ich auch schon in Köln, aber das war nicht möglich, da ich dort in ein vorhandenes Rollenprofil hineingequetscht wurde. Alles war vorgegeben, und ich konnte mich nicht so frei entfalten, wie ich das in Magdeburg kann. Natürlich hat mir die Rolle in Köln trotzdem Spaß gemacht, aber ich finde, im Magdeburg kann ich viel mehr machen – gerade als Hyde. Jetzt kann ich ihn als unberechenbare, verrückte Seele zeigen, so wie ich ihn mir vorstelle.

Können Sie schon verraten, was für Sie als nächstes ansteht?
Ich bin gerade dabei, mich umzusehen. Ein paar Dinge stehen an, die ich bereits zugesagt habe. Aber darüber darf ich leider noch nicht sprechen. Das ist alles top secret, weil die Produzenten so was ja immer selbst bekannt geben möchten. (lacht)

Interview: Dominik Lapp

Dominik Lapp ist freier Journalist und schreibt nicht nur für kulturfeder.de, sondern auch für die Neue Osnabrücker Zeitung und andere Medien. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" und Streaming-Konzerte wie "In Love with Musical", "Musical meets Christmas" und "Musical Songbook".

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