Lisa Antoni (Foto: Dominik Lapp)
  by

Interview mit Lisa Antoni: „Ich bin gern in einer Rolle“

Lisa Antoni spielte bereits Hauptrollen in Musicals wie „Das Phantom der Oper“, „Rudolf“, „Rebecca“ oder „3 Musketiere“ und steht vornehmlich in ihrer österreichischen Heimat, aber auch in Deutschland und der Schweiz auf der Bühne. Seit einem Jahr gehört sie zum neuen Musicalensemble am Landestheater Linz und ist dort in Musicals wie „Die Hexen von Eastwick“, „The Wiz“ und „Next to Normal“ zu sehen. Im Interview spricht sie über die Herausforderung in Linz, über Rollen, für die sie sich normalerweise nicht beworben hätte, über starke Persönlichkeiten auf der Bühne und über Bösewichte mit Herz.

Was muss man in Linz, abgesehen von einem Musical im neu eröffneten Musiktheater, unbedingt gesehen haben?
Auf jeden Fall das Ars Electronica Center und die schöne Innenstadt. Bei schönem Wetter lohnt es sich auch, auf den Pöstlingberg zu fahren. Da gibt es eine total süße Zwergenbahn. Und ich bin auch sehr gern zum Joggen an der Donau.

Wie kam es zu der Entscheidung, sich für einen bestimmten Zeitraum fest an ein Repertoiretheater zu binden?
Mich hat gereizt, dass ich in einem kurzen Zeitraum viele Stücke spielen kann. Denn in den beiden Jahren vor meinem Engagement in Linz habe ich „Rebecca“ und „Into the Woods“ am Stadttheater gemacht, wo ich jeweils nur wenige Tage im Monat gespielt habe. Da ist mir schnell langweilig geworden. Ich bin eher Workaholic als faul und wollte mal richtig Stress haben. Und dann kam die Auditionausschreibung für Linz. Außerdem fand ich die Stücke sehr spannend. Auch unseren Musicalleiter, Matthias Davids, kannte ich bereits von „Into the Woods“ und mochte die Zusammenarbeit mit ihm. Das hat mich alles gereizt. Und es sind ja nur eineinhalb Jahre, also kaum länger als ein Engagement in einer Ensuite-Produktion.

Aber abwechslungsreicher.
Genau. Und ich lerne unglaublich viel. Ich bin künstlerisch viel stärker gefordert, weil ich in Linz Rollen spiele, auf die ich mich sonst vielleicht nicht mal beworben hätte.

Mehr als 700 Darsteller sollen sich für eine Position im Linzer Musicalensemble beworben haben. Das muss ja wie ein Sechser im Lotto gewesen sein, als Sie die Zusage bekommen haben.
Ja, ich habe mich sehr gefreut. Wenn man von einem Regisseur ein zweites Mal engagiert wird, ist das ein gutes Zeichen, glaube ich. Als ich damals von der Audition erfahren habe, dachte ich gleich, das klingt spannend. Es ist einfach etwas anderes als 08/15-Stücke, die zum 30. Mal irgendwo aufgeführt werden.

Inwiefern sind Sie in Linz mehr gefordert als in einer Ensuite-Produktion?
Weil ich in Linz in einer Woche auch mal drei verschiedene Stücke spiele. Ich muss alle Rollen permanent drauf haben. Bei den „Hexen von Eastwick“ spiele ich zum Beispiel eine völlig andere Rolle als bei „Honk“ oder in „Next to Normal“. Vor allem schauspielerisch bin ich sehr gefordert, an meine Grenzen zu gehen. Für ein Musical wie „Die Hexen von Eastwick“ hätte ich mich wohl nie beworben, weil ich nicht gedacht hätte, dass ich der Typ für dieses Stück bin. Das war total spannend, zu lernen, so eine Rolle zu meinem Eigen zu machen.

Um bei den „Hexen von Eastwick“ zu bleiben: Was ist Sukie Rougemont für eine Rolle, weshalb Sie sich normalerweise nicht in ihr gesehen haben?
Ich würde mal sagen, dass die Sukie eine erwachsenere Rolle ist als die Rollen, die ich sonst spiele. Ich spiele ja sonst eher Mädchen. Die Sukie steht voll im Leben, hat im Buch auch Kinder, was im Musical aber nicht thematisiert wird. Und sie hat ein Handicap: Immer wenn sie nervös wird, beginnt sie zu stottern. Sonst war ich immer das Mädchen von nebenan. Aber Sukie ist dagegen schon eine außergewöhnliche Rolle, ein Nerd oder Bücherwurm.

Haben Sie sich eigentlich mit dem Buch oder Film auf „Die Hexen von Eastwick“ vorbereitet?
Ja. Ich kannte den Film schon lange. Aber das Buch hat mir noch mal besonders weitergeholfen mit der Rolle, weil sie im Musical anders ist als im Film. Im Buch habe ich viel mehr über den Charakter erfahren.

Was muss ein Musical oder eine Rolle haben, um Ihr Interesse zu wecken?
Ich mag starke Persönlichkeiten, die sich entwickeln, die für etwas kämpfen und die ein großes Herz haben. Obwohl ich auch gerne mal einen Bösewicht spielen möchte. Denn ich glaube, auch Bösewichte haben ein gutes Herz, wurden im Leben aber vielleicht enttäuscht.

Lisa Antoni (Foto: Dominik Lapp)

Wie zum Beispiel die Milady de Winter in „3 Musketiere“.
Ja, die kam mir witzigerweise jetzt auch gerade in den Sinn. Die Bösen sind einfach total spannende Charaktere, weil sie wahrscheinlich eine ganz starke Verletzung im Leben erfahren haben, durch die sie so geworden sind. Das ist total spannend zu spielen. Auch die Mrs. Danvers in „Rebecca“ ist ja nicht einfach böse, sondern hat mehrere Schichten.

Sind Sie eigentlich froh darüber, dass Musicals noch recht klassisch inszeniert werden, oder würden Sie gern mal in einer modernen Inszenierung oder einem richtigen Trash-Stück mitspielen?
Ich würde gern mal in einer modernen Inszenierung mitspielen. Ich bin sehr für eine freie künstlerische Gestaltung und verrückte Einfälle zu haben. Ausziehen würde ich mich nicht wollen. Aber für alles andere, verrückte Kostüme, verrücktes Bühnenbild, bin ich offen. Verrückte Inszenierungen finde ich sehr spannend. Ich mag das.

Sie haben auch einige Jahre in Wien gespielt, wo die Bühneneingänge der Musicalhäuser von Fans belagert werden. Wie ist das in Linz?
Der Fankult hat sich auf Linz nicht übertragen. Also bei den Premieren waren dann schon mal ein paar Leute am Bühneneingang, auch Freunde und Bekannte. Aber ansonsten ist das hier nicht so wie in Wien. Schade eigentlich, denn ich finde das ganz lustig.

Müssen die Fans also noch nach Linz gelockt werden?
Vielleicht. Also ein paar waren natürlich schon da. Aber nicht in dem Ausmaß, wie man es aus Wien gewöhnt ist. Ich finde den Kontakt zu den Zuschauern generell sehr schön, und es freut mich, wenn ich gutes Feedback bekomme und ich höre, dass es ihnen gefallen oder sie berührt hat.

Wann stand für Sie fest, dass es beruflich auf die Bühne gehen soll?
Als kleines Kind wollte ich Balletttänzerin werden. (schmunzelt) Und dann wollte ich Schauspielerin werden, weil ich ein Abonnement für das Theater der Jugend in Wien hatte. Später habe ich mit dem Singen begonnen. Damals, in den 1990er Jahren, lief „Elisabeth“ in Wien und ich habe zu der Zeit einen Theaterkurs gemacht. Alle in dem Kurs haben die CD rauf und runter gehört. Also habe ich sie mir auch besorgt und habe mal mitgesungen. So ist der Wunsch in mir entstanden, dass ich das auch auf der Bühne machen möchte.

In Linz spielen Sie ja nicht nur in großen, sondern auch in kleinen Produktionen wie „Honk“ oder „Seven in Heaven“. Was bedeuten Ihnen solch kleinere Stücke oder Konzertabende?
Bei „Seven in Heaven“ sind wir einfach ganz nah am Publikum. Das ist wirklich ein kleiner Raum, die Blackbox Lounge. Es gibt eine kleine Bühne, eine Bar und nur wenig Sitzplätze an kleinen Tischen. Und ich habe das Gefühl, man sitzt den Leuten fast auf dem Schoß. Es ist also sehr nah und sehr persönlich, und bei dem Programm sind wir nicht in irgendwelchen Rollen, sondern mehr wir selbst und mehr zum Anfassen. Das ist sicher spannend für jemanden, der die Musicalleute mal hautnah kennen lernen möchte. Bei „Honk“ sind wir in einem eher mittelkleinen Raum, spielen diverse Tiere. Es ist die Geschichte vom „Hässlichen Entlein“, ist sehr gut geschrieben und hat auch gute Musik. Und bei dieser kleinen Produktion kann man uns in vielen Rollen sehen. Wir sind Frösche, wir sind Enten, wir sind Schwäne. Und es macht erstaunlich viel Spaß, so was mal zu machen und es sozusagen herauszulassen.

Was denken Sie, wohin Ihr Weg Sie künftig führen wird? Denkt man darüber überhaupt nach oder lässt man alles auf sich zukommen?
Natürlich denke ich darüber nach, was ich noch gerne machen würde. Aber es liegt nicht in meiner Hand, ob das auch alles klappt. Selbstverständlich habe ich ein paar Traumrollen, die ich sehr gern mal machen möchte. Auch in Deutschland würde ich gern mal wieder spielen. Vor allem in Hamburg oder Berlin möchte ich gern mal in einem Musical spielen.

Das heißt also, dass Sie sich auf jeden Fall weiterhin im Musical sehen?
Ich schließe nichts aus. Aber es ist kein direkter Traum von mir, etwas anderes zu machen. Ich liebe Theater mit schönen Geschichten dahinter, könnte mir auch mal etwas in Richtung des klassischen Gesangs vorstellen. Also wenn das irgendwann klappen sollte, hätte ich nichts dagegen. Ich liebe auch die klassische Musik sehr. Wichtig sind mir vor allem die Geschichten. Natürlich mag ich auch Popmusik, auch Schlager ist manchmal ganz lustig. Aber ich komme einfach mehr vom Theater.

Also ist es Ihnen auch wichtig, einen Charakter darzustellen, eine Rolle zu spielen und nicht nur wie ein Popsänger einfach Songs zu singen?
Ja. Ich mag es, den Leuten eine Geschichte zu erzählen, sie auf eine Reise in eine andere Welt mitzunehmen. Das ist das Spannende. Ich mag die Theateratmosphäre sehr gerne. Und ich glaube, weil ich eigentlich mehr ein schüchterner Mensch bin, bin ich gern in einer Rolle. Ich bin nicht so gerne ich auf der Bühne. (lacht)

Interview: Dominik Lapp

Dominik Lapp ist freier Journalist und schreibt nicht nur für kulturfeder.de, sondern auch für die Neue Osnabrücker Zeitung und andere Medien. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" und Streaming-Konzerte wie "In Love with Musical", "Musical meets Christmas" und "Musical Songbook".

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Es gelten unsere Bedingungen zum Datenschutz sowie zur Nutzung / AGB. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen