Leo Floyd (Foto: Bianca Filiz)
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Interview mit Leo Floyd: „Ich bin ein fleißiger und ehrgeiziger Komponist“

Er hat nie gelernt, ein Musikinstrument zu spielen: Leo Floyd hat sich einfach ans Klavier gesetzt und gemacht. Er begann zu spielen und zu komponieren, arbeitete fortan an verschiedenen musikalischen Projekten. Die Uraufführung des Fantasy-Musicals „Ancient Mysteries“ von Markus Meisterhofer, für das Floyd die Musik schrieb, musste coronabedingt verschoben werden, soll aber nachgeholt werden. Mit „Daimyo“ wartet ein weiteres Stück mit der Musik von Leo Floyd darauf, aufgeführt zu werden. Im Interview spricht der junge Wiener Komponist über diese beiden Projekte, aber auch über die nächsten fünf Stücke, an denen er gemeinsam mit Texter Michael Car zurzeit arbeitet.

Ihr Musical „Daimyo“ begleitet Sie mittlerweile seit zehn Jahren. Wie sind Sie auf dieses japanische Märchen gestoßen und was war die Intention, ein Musical daraus zu machen?
Daimyo“ an sich ist ein Kunstmärchen, das Texter Michael Car und ich entwickelt haben. Es wurde allerdings von einer Vielzahl an traditionellen Märchen und klassischen japanischen Filmen inspiriert. Da wir die Handlung selbst erdacht haben, können wir sie so gestalten, wie sie für ein Musical am besten passt.

Vor einem Jahr gab es einen ersten Workshop zu „Daimyo“. So ein Workshop dient ja dazu, ein Stück vor Publikum auszuprobieren, um es weiterzuentwickeln oder überarbeiten zu können. Wie ging es es mit „Daimyo“ weiter?
Durch den Workshop hat sich das Stück stark verändert. Figuren wurden gestrichen, die Handlung optimiert und neue Songs wurden geschrieben. Das Feedback des Publikums hat uns gezeigt, dass wir mit dieser Show am richtigen Weg sind. 

Soll das Stück – Corona mal außen vorgelassen – nach zehn Jahren nicht endlich einmal auf eine große Bühne kommen?
Ja, das ist der Plan!

In dem Irland-Musical „Ancient Mysteries“ von Markus Meisterhofer wird auch Musik von Ihnen zu hören sein. Was darf man bei diesem Musical erwarten?
„Ancient Mysteries“ ist eine Fantasy-Show, die in Irland um 1890 spielt. Grundsätzlich ist es ein Jukebox Musical, das größtenteils aus traditionellen irischen Songs besteht. Da es aber nicht zu allen wichtigen Stellen in der Handlung passende traditionelle Lieder gibt, habe ich mit Texter Julian Groller ein paar zusätzliche Songs geschrieben.

Das klingt sehr interessant. Gibt es Pläne, „Ancient Mysteries“ in naher Zukunft auf eine Bühne zu bringen? Und wenn ja, wie sieht die Planung aus?
Das Stück hätte normalerweise schon Premiere gehabt. Die Proben haben im Sommer begonnen, und die Vorstellungen waren für den späten Herbst 2020 geplant. Aus offensichtlichen Gründen mussten wir die Termine verschieben. Wenn es wieder Planungssicherheit gibt, werden wir die Termine fixieren können. Um die Wartezeit zu versüßen, wird im Frühling ein Musikvideo zum Titellied „Ancient Mysteries“ erscheinen.

Musikvideo ist ein gutes Stichwort. Sie sind bekannt dafür, dass Sie schon während der Entstehung Ihrer Musicals zu einzelnen Nummern hochwertige Musikvideos mit namhaften Künstlerinnen und Künstlern produzieren. Ist das nicht unheimlich aufwändig? Warum sind Ihnen solche Videos so wichtig?
Ja, es ist tatsächlich sehr aufwändig gewesen, in Wien Musikvideos zu drehen, die im alten Japan, in Irland oder im Weltraum spielen. Für mich ist das aber kein Hindernis, sondern eher eine Herausforderung. Ich denke, dass ich mit den Videos einen besseren Eindruck für das Feeling einer ganzen Show verschaffen kann, als wenn ich nur ein Lied auf Soundcloud hochladen würde. Wenn man neu in der Branche ist, dann muss man irgendwie auffallen. Und mit meinen Musikvideos konnte ich einiges an Aufmerksamkeit erhalten. Ich will, dass Leute die die Videos sehen, daraus erkennen, dass ich fleißig und ehrgeizig bin.

Das erkennt man definitiv. Man könnte zudem meinen, dass Sie ein gesteigertes Interesse an historischen oder dramatischen Themen haben. Warum ist das so?
Ich habe gesteigertes Interesse daran, das Publikum in eine andere Welt zu bringen, die es noch nicht kennt. Ich möchte das Publikum aus dem Alltag herausreißen, und ich möchte auf der Bühne längst vergangene oder fantastische Welten erschaffen.

Wie arbeiten Sie dabei eigentlich als Komponist? Schreiben Sie die Musik zu den Texten Ihres Librettisten? Oder schreibt dieser die Texte zu Ihrer Musik?
Meistens läuft es so: Mein Texter und ich definieren genau, was in einem Lied erzählt wird und welche emotionale Entwicklung es geben soll. Dann überlege ich mir dazu etwas Musikalisches. Wenn wir uns darauf einigen, schreibt er einen Text. Gemeinsam stimmen wir dann Text und Musik aufeinander ab, damit der Song textlich und musikalisch eine schöne Dramaturgie bekommt.

Fangen Sie einfach an, Songs zu komponieren, die dann später vielleicht in ein Stück passen könnten? Oder setzen Sie sich bewusst hin und widmen sich explizit einem Musical?
Nachdem unsere Musicals musikalisch immer auf den Inhalt abgestimmt sind, schreibe ich Songs immer explizit für ein bestimmtes Stück.

Wenn man sich Ihre Werke anhört, erkennt man schnell einen Hang zu dramatischen Klängen und großer Orchestrierung. Ist das Ihr Stil oder sind Sie eigentlich gar nicht so sehr auf einen Stil festgelegt?
Das ist nicht grundsätzlich mein Stil. Es ergibt sich eher zufällig, dass sowohl „Daimyo“ als auch „Ancient Mysteries“ viele Fantasy-Elemente haben. Und für mich ist Fantasy und Magie einfach eher mit großen dramatischen Klängen verbunden. Der musikalische Stil ergibt sich aus dem zu vertonenden Stoff. 

Mit Ihrem Librettisten Michael Car arbeiten Sie aktuell parallel an fünf weiteren Musicals. Können Sie dazu schon irgendetwas verraten, worum es sich grob handelt?
Ja. Es sind fünf Stücke die unterschiedlicher nicht sein könnten, um zu zeigen, dass wir künstlerisch breit gefächert sind und nicht nur Japan-Fantasy machen. Wir arbeiten an einem Musical, basierend auf einem Roman von Arthur Schnitzler, kombiniert mit aktuellen Thematiken wie Social Media. Außerdem arbeiten wir an einem Musical, das auf einem der größten Klassiker der deutschen Literatur basiert. Ein weiteres Musical basiert auf griechischer Mythologie, aber in einem neuen Kontext. Das nächste Musical beleuchtet ein historisches Ereignis in Wien Ende des 19. Jahrhunderts. Last but not least schreiben wir an einem Musical über eine einflussreiche New Yorker Persönlichkeit.

Wäre es nicht sinnvoll, erst einmal ein Musical zur Aufführung zu bringen, statt direkt an mehreren zu arbeiten? Als Komponist möchte man doch sicher nicht für die Schublade schreiben, sondern will gespielt werden, oder?
Genau aus diesem Grund haben wir beschlossen, uns mit den neuen Shows breiter aufzustellen. „Daimyo“ ist bereit, um produziert zu werden. Sollte das Interesse zu gering sein, wäre es auch für die Schublade gewesen. Michael Car und ich wollen nicht nur als „die beiden vom Japan-Musical“ gesehen werden, also ist es wichtig, dass wir umfassender zeigen, was wir können.

Das leuchtet ein. Wie schwer ist es eigentlich, einen Produzenten oder Verlag für ein neues Musical zu finden beziehungsweise ein neues und noch unbekanntes Musical auf die Bühne zu bringen?
Je mehr Leute von einem Stück wirklich überzeugt sind, desto einfacher ist es. 

Wenn die Corona-Pandemie überstanden ist: Auf was von Leo Floyd darf sich das Publikum dann konkret als Erstes freuen?
Das Erste, was es nach der Pandemie geben wird, ist „Ancient Mysteries – An Irish Tale“ in Wien. Wie erwähnt, wurden die Aufführungen wegen Corona verschoben und sollen nachgeholt werden, sobald wir Planungssicherheit haben.

Apropos Corona: Diese Pandemie könnte doch sicher auch ein spannendes Thema für ein Musical sein. Oder?
Diese Pandemie eignet sich vermutlich nicht gut, da eigentlich alle froh sind, wenn es vorbei ist, und vermutlich niemand dafür zahlen würde, sich an die Pandemie zurückzuerinnern. Allerdings hat es als Künstler einen hohen Wert, einmal eine wirkliche Krise miterlebt zu haben. Die Figuren in unseren Stücken erleiden große Not und unangenehme Verschlechterungen ihrer Lebensbedingungen. Im echten Leben zu erleben, wie sich Menschen in Krisenzeiten wirklich verhalten, ist sehr wertvoll, um ein authentisches Stück zu schreiben.

Interview: Dominik Lapp

Dominik Lapp ist freier Journalist und schreibt nicht nur für kulturfeder.de, sondern auch für die Neue Osnabrücker Zeitung und andere Medien. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" sowie die Streaming-Konzerte "In Love with Musical" und "Musical meets Christmas".

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