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Interview mit Josh Strickland und Tessa Sunniva van Tol: „Wir sind ein Teil von Tarzan“

Der Amerikaner Josh Strickland stand bei der Uraufführung des Disney-Musicals „Tarzan“ in der Titelrolle am Broadway auf der Bühne. In Oberhausen hat jetzt der bisherige Hauptdarsteller Alexander Klaws das Zepter an Strickland übergeben, der nach elf Jahren noch einmal in die von ihm kreierte Rolle zurückkehrt. Erstmals spielt und singt er dabei als Tarzan auf Deutsch. An der Seite von Bühnenpartnerin Tessa Sunniva van Tol, die als Jane auf der Bühne steht, will er die Herzen des deutschen Publikums erobern. Im Rahmen einer Probe standen uns beide Künstler für ein kurzes Interview Rede und Antwort.

Josh, wie ist es, nach elf Jahren wieder als Tarzan auf der Bühne zu stehen?
Josh: Es ist unglaublich. Ich habe mich selbst damit überrascht, dass ich das elf Jahre später wieder machen kann. Das ist eine so wahnsinnig lange Zeit. Und jetzt bin ich hier und habe eine völlig neue Produktion vorgefunden, die ganz anders ist als „Tarzan“ am Broadway. Aber es ist großartig, wie schön es geworden ist und die Szenen mit Tessa zu spielen. So viele Erinnerungen in mir sind wieder hochgekocht, wie wir die Show damals am Broadway kreiert haben oder die ganze Zusammenarbeit mit Phil Collins. Es ist unbeschreiblich, diese wunderschöne Geschichte noch einmal erzählen zu können und ein Teil des Ganzen zu sein.

Warum wollten Sie noch einmal den Tarzan spielen? Was ist so besonders an dieser Rolle?
Josh: Es ist so besonders für mich, weil es mir unglaublich viel gibt und ich in der Rolle sehr viel spüre. Wenn ich diese Rolle spiele, diese Szenen spiele, dann spüre ich eine ganz spezielle Verbindung. Ich spüre ganz viel von dem, was Tarzan fühlt. Mir wird in dieser Rolle klar, woher ich komme und wer ich bin, so wie Tarzan es auch singt. Mein Verhältnis zu meinen Eltern, mein Talent, das ich von ihnen mitbekommen habe, das sind Dinge, die mir dabei durch den Kopf gehen. Es gibt so viele verbindende Punkte zwischen Tarzan und mir, dass diese Rolle etwas Besonderes für mich ist. Es ist erschreckend und aufregend zugleich.

Sie spielen zum ersten Mal in einer deutschsprachigen Musicalproduktion. Wie haben Sie die Sprache gelernt?
Josh: Ich habe vor sechs Monaten in Las Vegas mit Sprachunterricht begonnen. Mit einem wunderbaren Lehrer habe ich versucht, wirklich das Beste herauszuholen für die Show und das Publikum – gerade im Hinblick auf die korrekte Aussprache und Betonung. Durch die deutsche Sprache habe ich das ganze Stück komplett neu kennen gelernt. Das hat mich echt umgehauen. Ich kannte die Songs, ich kannte die Geschichte, aber ich kannte nicht den deutschen Text. Ich musste also herausfinden, wie ich diesen mir neuen Text zu benutzen habe, wie ich etwas aussprechen oder betonen muss. Das war sehr spannend und wird mich auch in den nächsten Monaten noch immer herausfordern. Ich brenne darauf!

Haben Sie so etwas wie einen Kulturschock bekommen, als Sie aus den USA nach Oberhausen gekommen sind?
Josh: Nein. (lacht) Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich es liebe, zu reisen, fremde Orte und fremde Kulturen kennen zu lernen. Ich war auch für zwei Wochen in Berlin und freue mich darauf, noch andere Teile Deutschlands zu entdecken. Das ist sehr aufregend. Andere Leute, eine andere Sprache. Natürlich ist es anders als in Amerika, aber das macht es gerade so spannend. Amerikas Geschichte ist noch so jung. Wir haben dort eine ganz andere Kultur als in Europa. Und deshalb bin ich ganz gespannt, noch mehr zu entdecken und kennen zu lernen.

Tessa, seit sechs Monaten spielen Sie jetzt die Jane im Musical „Tarzan“. Wie war diese Zeit für Sie?
Tessa: Es war für mich wie ein Traum. Die Show ist einfach so atemberaubend und ich kann es noch immer nicht glauben, dass ich ein Teil davon bin. Vor allem ist es aber jeden Abend anders. Keine Vorstellung ist wie die andere, das Publikum reagiert immer anders. Das macht es so abwechslungsreich und bereitet mir großen Spaß. Es kommt zu keinem Moment Langeweile auf, ist immer noch spannend wie am ersten Tag. Das hätte ich nie zuvor gedacht.

Was ist das Besondere an der Rolle der Jane?
Tessa: Es ist eine sehr vielseitige Rolle, die wirklich alles hat. Jane ist lustig, intelligent und stark zugleich. Sie sagt immer, was sie denkt, ist dabei aber auch immer sehr liebenswürdig. Ich kann also in jeder Vorstellung sämtliche Gefühle rauslassen. Das macht es zu etwas Besonderem.

Sechs Monate haben Sie mit Alexander Klaws gespielt, jetzt spielen Sie mit Josh Strickland. Wie ist es mit einem neuen Bühnenpartner?
Tessa: Es ist anders. Jeder Tarzan-Darsteller spielt anders, aber jeder ist auf seine Art super. Jeder hat seine eigene Rolleninterpretation und gibt mir im Zusammenspiel etwas Anderes, auf das ich reagieren muss. Josh fühlt, wie er schon sagte, eine Verbindung zu Tarzan, Alexander war dagegen etwas animalischer, vielleicht sogar aggressiver. Das macht es so abwechslungsreich und gefällt mir sehr gut, weil ich mich jedes Mal neu darauf einlassen muss.

Interview: Dominik Lapp

Dominik Lapp

Dominik Lapp ist der Gründer von kulturfeder.de. Als Kultur- und Lokaljournalist schreibt er außerdem für die Neue Osnabrücker Zeitung und andere Medien. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" und das Streaming-Konzert "In Love with Musical".

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