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Guys and Dolls: Der Klassiker aus den USA

Banküberfälle, Glücksspiele und pure Leidenschaft: Neben zeitlosen Bühnen-Hits wie Cats oder dem Phantom der Oper, gehört das im Jahr 1950 zum ersten Mal am New York Broadway aufgeführte Musical Guys and Dollszumindest in den USA zu den beliebtesten Musicals aller Zeiten. Nicht umsonst gewann das Stück mehrere renommierte Preise wie den Tony Award für das beste Musical und wurde anschließend sogar verfilmt. Die für den deutschen Sprachraum adaptierte Version Schwere Kerle, leichte Mädchenwurde erstmals im Jahr 1969 in Bremen aufgeführt. Nach über 50 Jahren wäre es also vielleicht an der Zeit, den erfolgreichen Klassiker auf die ganz großen Bühnen Deutschlands zu holen.

Hintergrund

Guys and Dollsentstand, als sich die Produzenten Cy Feuer und Ernest Martin dazu entschlossen, die fiktiven Kurzgeschichten des Schriftstellers Damon Runyons in ein mitreißendes Musical zu verwandeln. Die in den 20ern und 30ern geschriebenen Erzählungen behandelten unter anderem die zwielichtigen Aktivitäten berühmt berüchtigter Gangster wie Al Capone und Arnold Rothstein. Die Figur des Guys and Dolls-Protagonisten Sky Masterson basiert auf „Titanic Thompson“ Thomas, ein bekannter Glücksspieler, der Anfang des 19. Jahrhunderts sein Unwesen trieb. Runyon und auch die Produzenten des Musicals integrierten ganz bewusst den typischen Slang des New Yorker Gangstermilieus und erreichten so eine Authentizität, die es vor allem am Broadway so noch nie gegeben hatte.

Nachdem der Komiker und Schriftsteller Abe Burrows das Manuskript fertiggestellt hatte, wurde der deutschstämmige US-Amerikaner Frank Loesser darum gebeten, sich dem Team als Lyriker und Komponist anzuschließen. Loesser schrieb 14 Lieder, die sich fließend in die Handlung einfügen ließen. Besonders positive Kritik erhielt der Song Luck Be A Lady, der zu einem internationalen Export-Schlager wurde. Die wohl bekannteste Version stammt aus der Musical-Verfilmung, in der Marlon Brando als Sky Masterson seine Kumpanen dazu hinreißt, ihre Einsätze beim Glücksspiel zu erhöhen. Auch Frank Sinatra beeindruckte mit seiner eigenen Interpretation des Liedes und prägte so den beliebten Klassiker. Unter der Regie von George S. Kaufmann war die Uraufführung am Broadway ein solch großer Erfolg, dass das Musical drei Jahre später nach London exportiert wurde, wo es insgesamt 555 Mal aufgeführt wurde.

Handlung

Trotz des Versprechens an seine Verlobte, mit der Spielerei aufzuhören, versucht der Kleinkriminelle Nathan Detroit ein illegales Würfelspiel in New York zu organisieren. Da alle ihm bekannten Plätze auch der örtlichen Polizei bekannt sind, konsultiert Nathan einen alten Bekannten: Sky Masterson. Dieser könnte es Nathan ermöglichen, das Würfelspiel in der versteckten Biltmore-Werkstatt abzuhalten. Die ganze Sache hat jedoch einen Haken: Nathan muss auf die Schnelle 1000 Dollar beschaffen. Da er knapp bei Kasse ist, schließt er mit dem stadtbekannten Gauner Sky eine Wette ab. Sollte Sky es nicht schaffen, die wohlwollende Missionarin Sarah Brown zu verführen, darf Nathan seine Veranstaltung in der Werkstatt abhalten, ohne dafür bezahlen zu müssen.

Die gütige Sarah hat es sich zur Aufgabe gemacht, Spieler und Trinker zu missionieren. Um näher an Sarah heranzukommen, gibt Sky deshalb vor, er bräuchte ihre Hilfe, um seine Spielsucht zu besiegen. Zunächst skeptisch, lässt sich Sarah auf den Gauner ein und folgt ihm nach Kuba. Mittlerweile hat sich Sky jedoch in Sarah verliebt und gesteht ihr beim Abendessen in Havanna die vorausgegangene Wette und seine Liebe. Obwohl Sarah von Skys einstigen Absichten schockiert ist, vergibt sie ihm. Da Nathan glaubt, die Wette verloren zu haben, hält er das Glücksspiel in der leeren Mission ab und wird kurzerhand von der Polizei überführt. Diese und auch Sarah ist der Meinung, dass Sky von Nathans Vorhaben wusste und Sarah nicht wirklich liebt. Es folgt ein überraschendes Ende.

Bis zum heutigen Zeitpunkt erlebt das Musical immer wieder erfolgreiche Revivals. Auch im deutschsprachigen Raum kam es in den letzten Jahren zu vereinzelten Vorstellungen, unter anderem durch das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg oder die Wiener Volksoper im Jahr 2009. Die jüngste Wiederaufnahme (2017-2018) wurde vor Kurzem von der Talawa Theatre Company und dem Manchester Royal Exchange Theatre ins Leben gerufen. Zum ersten Mal wird das Stück hier mit ausschließlich afroamerikanischen Darstellern aufgeführt: Der Schauplatz ist das New Yorker Stadtviertel Harlem, während die Musikstücke stark von Jazztönen und Gospelgesängen geprägt sind.

kulturfeder

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