„Die lustige Witwe“ (Foto: Dominik Lapp)
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Frisch und frech: „Die lustige Witwe“ in Heidelberg

Es ist die wohl erfolgreichste und bekannteste Operette von Franz Lehár: „Die lustige Witwe“ zählte bis zum Tod des Komponisten im Jahr 1948 weltweit schon mehr als 300.000 Aufführungen, hinzu kommen mehrere Verfilmungen. Am Theater Heidelberg wurde „Die lustige Witwe“ seit 30 Jahren nicht mehr aufgeführt und ist dort nun in einer frischen und frechen Neuinszenierung von Intendant Holger Schultze zu sehen.

„Die lustige Witwe“ besticht in Schultzes Inszenierung besonders durch ihre Salon- und Tanzszenen. Der Regisseur erzählt die Geschichte über Liebe und Geld im mondänen Paris der 1920er Jahre. Dabei führt er die Figuren mit temposicherer Hand und wird von seiner Choreografin Kati Farkas exzellent unterstützt, die nicht nur für die sechs Tänzerinnen – die Grisetten – eine spritzige, teils laszive Choreografie entwickelt hat, sondern auch die Sänger gut getimt die Beine schwingen lässt. Darüber hinaus zeichnen feine Details Holger Schultzes Inszenierung aus, zum Beispiel wenn sich Camille de Rosillon seine Valencienne mit einer imaginären Angelrute angelt, was beim Publikum für herzliche Lacher sorgt.

Ganz besonders balanciert Holger Schultze aber zwischen Kalauern und Hintersinn, überzeichnet bewusst mal hier und dort und schafft es mit seinem spielfreudigen Ensemble, die mehr als 100 Jahre alte Ironie des Stücks in die Gegenwart zu transportieren. So entstaubt er Lehárs Operette ganz behutsam und zeigt keine Schnulze, sondern eine solide gemachte Komödie. Während der erste Akt noch ein wenig unter angezogener Handbremse läuft, nimmt die Inszenierung nach der Pause dann ordentlich an Fahrt auf.

Das Bühnenbild von Marcel Keller besteht lediglich aus bunt beschmierten Wänden und zahlreichen Türen, durch den Einsatz der Drehbühne entstehen so aber in Sekundenschnelle neue Szenerien vom Salon über eine Villa bis hin zum Nachtclub. Ebenso sehenswert sind die rund 150 Kostüme von Erika Landertinger, die von den kecken Kleidchen der Grisetten über klassische Fracks bis hin zu Trachten reichen.

Aus der Solistenriege von hervorzuheben ist Juanita Lascarro, die in der Hauptrolle als Hanna Glawari mit starkem Selbstbewusstsein und neckisch-kecken Koloraturen überzeugt, aber auch mit ihrem besonderen Schmelz in der Stimme verzaubert. Als Graf Danilo Danilowitsch steht ihr Jan Friedrich Eggers vom Theater Osnabrück zur Seite, der in der besuchten Vorstellung für den erkrankten Ipca Ramanovic auf der Bühne steht und sich erstaunlich gut in der ihm unbekannten Inszenierung von „Die lustige Witwe“ zurechtfindet. Eggers gibt seinen Grafen als sympathisches Schlitzohr und liefert mit seinem klaren, volltönenden Bariton zahlreiche musikalische Höhepunkte.

Entzückend ist Yasmin Özkan als Valencienne, die ihrer Rolle eine wunderbare jugendliche Leichtigkeit verleiht, wohingegen Namwon Huh den Camille de Rosillon als entzückend schwärmerischen Jüngling gibt. Wilfried Staber spielt den von der Ehefrau betrogenen Baron Mirko Zeta mit trockenem Humor, und auch Winfrid Mikus agiert als Raoul de St. Brioche rollendeckend und überaus witzig. Unbedingt erwähnenswert sind zudem Saskia Heming, Fanny Hoffmann, Marleen Jakob, Grace Simmons, Sabrina Stein und Anna Friederike Wolf, die als wandelbare und großartig tanzende Grisetten das i-Tüpfelchen in Holger Schultzes Inszenierung sind und der Operette einen frischen Anstrich verleihen.

Aber auch musikalisch vermag „Die lustige Witwe“ in Heidelberg zu glänzen. Unter der Leitung von Dietger Holm bringt das Orchester eine herrliche Fülle an süffig-walzersatten Melodien zum Klingen, die das Publikum zum Mitsummen animieren. Holm kreiert im Orchestergraben zarte Mischungen, lässt Flöten, Klarinetten und Streicher genial miteinander verschmelzen und liefert den perfekten Schwung für die temporeiche Inszenierung, die so frisch und frech über die Bühne kommt, dass man sagen möchte: So muss Operette sein!

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp ist der Gründer von kulturfeder. Als Kultur- und Lokaljournalist schreibt er außerdem unter anderem für die Neue Osnabrücker Zeitung und das Meller Kreisblatt. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Der Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort".

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