„Die Feen“ (Foto: Dominik Lapp)
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Wagner als Videospiel: „Die Feen“ in Osnabrück

Wer an Richard Wagner denkt, denkt vor allem an schwermütige, groß orchestrierte Musik. Dass sich Wagner aber auch für Kinder eignet, beweist das Theater Osnabrück aktuell mit einem nahezu in Vergessenheit geratenen Jugendwerk Wagners, das allerdings erst fünf Jahre nach seinem Tod zur Uraufführung gekommen ist. Die eigentlich knapp vierstündige Oper „Die Feen“ wurde von Marc-Aurel Floros (Musikalische Bearbeitung) und Elke Heidenreich (Textfassung) auf eine gute Stunde eingedampft und wird nun im Foyer des Osnabrücker Theaters als kindgerechte Kurzfassung in einer Inszenierung von Jan Friedrich Eggers aufgeführt.

Eggers hat die Handlung in ein Videospiel transferiert, was sich als geradezu genial erweist, um die Oper den Kindern nahezubringen. Alle Charaktere des Bühnenwerks sind Spielfiguren in einem Game, das abwechselnd in König Arindals Reich und in einem Feenwald spielt. Durch Klick aufs Display treffen die Figuren Entscheidungen und sammeln Punkte. Wenn der Akku einer Spielfigur leer ist, wird sie an eine Ladestation angeschlossen. Wunderbar visualisiert wurde das alles durch die Kostüme (alle in Schwarz mit einigen Farbtupfern) und das abstrakte Bühnenbild von Elisabeth Benning sowie durch Projektionen von Alexander Schröder.

Alle acht Solisten sind Studenten der Musikhochschulen in Hannover und Bremen und agieren stimmlich wie schauspielerisch völlig souverän. Vor allem Yohan Kim schlägt sich wacker als König Arindal mit seinem kraftvollen, schön timbrierten Tenor, während Clara Nadeshdin als Fee Ada mit ihrer metallisch durchdringenden, strahlenden Sopranstimme ihrem Part die nötige Leuchtkraft verleiht. Doch auch Julian Acht als Feenkönig, Paula Meisinger als Fee Farzana, Veronika Schäfer als Lora, Johannes Schwarz als Jäger Gernot, Tobias Bialluch als Höfling Gunther und Jovan Koscica als Feldherr Harald singen mit schönen Stimmfarben und technisch exzellent.

Musikalisch umgesetzt wird die Oper durch acht Mitglieder des Osnabrücker Symphonieorchesters, die unter dem versierten Dirigat von An-Hoon Song Wagners Musik herrlich zum Klingen bringen. Mit nuanciertem Spiel und flotten Tempi gelingt es dem Kammerensemble, dass man die Märsche und dramatischen Chorpassagen, die redeseligen Rezitative und langatmigen Buffo-Szenen, die Wagners „Die Feen“ normalerweise auszeichnet, zu keiner Zeit vermisst.

Nachdem Richard Wagner seine Oper zu Lebzeiten nicht zur Uraufführung bringen konnte, das Werk nach der Uraufführung schließlich harsch kritisiert und sogar als schlechteste Oper des 19. Jahrhunderts bezeichnet wurde, ist es wahrlich kein Wunder, dass „Die Feen“ von den Spielplänen der Opernhäuser nahezu verschwunden ist. Dem Theater Osnabrück kann man allerdings nur dazu gratulieren, dieses selten gespielte Werk in einer stark gekürzten Kinderfassung so fantasievoll und frisch auf die Bühne gebracht zu haben. Ein Stück, das ganz sicher nicht nur Kindern gefällt.

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp ist der Gründer von kulturfeder. Als Kultur- und Lokaljournalist schreibt er außerdem unter anderem für die Neue Osnabrücker Zeitung und das Meller Kreisblatt. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Der Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort".

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