Harald Tauber, Foto: Dominik Lapp
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Interview mit Harald Tauber: „Ich möchte eigene Projekte vorantreiben“

Mehr als zehn Jahre lang hat Harald Tauber in großen Musicalproduktionen wie „Mozart!“, „Sister Act“, „3 Musketiere“ oder „We Will Rock You“ mitgewirkt. Mittlerweile spielt er gern in Stücken mit kürzerer Laufzeit, so wie in den letzten beiden Jahren, wo er in Füssen den Graf Rettenberg im Musical „Ludwig²“ gab. Im Interview spricht er über diese Rolle, aber auch über eigene Projekte und warum er jetzt kleinere Produktionen bevorzugt.

Im Musical „Ludwig²“ haben Sie sowohl 2016 als auch 2017 den Graf Rettenberg gespielt. Was ist das für eine Person?
Graf Rettenberg ist eine faszinierende Person, denn es ist die einzige Figur im Stück, die historisch nicht existiert hat. Das hat mir beim Rollenstudium natürlich unfassbare Freiheiten gegeben. Ich habe ihn so angelegt, dass er ein relativ böser Kriegstreiber ist. Graf Rettenberg ist zusammen mit Kaspar beteiligt an der Absetzung von Ludwig II. und will ganz direkt bewaffnete Konflikte erzwingen. Das war sehr faszinierend zu spielen, auch wenn es eine recht eindimensionale Persönlichkeit ist. Aber es hat Spaß gemacht, auch mal fast plakativ das Böse zu spielen.

Wieso benötigt der Plot eines Musicals, das auf vielen historischen Personen beruht, überhaupt noch eine fiktive Person?
Der Protagonist braucht einen Antagonisten. Natürlich hätte man auch eine historische Person zum Antagonisten ernennen können, aber ich glaube, dass man die Verschwörung verschiedener Bereiche gegen Ludwig mit einer fiktiven Person besser etablieren konnte. Hier haben wir ganz klar drei Personen, die für verschiedene Bereiche stehen, als Ludwigs Widersacher. Da ist Kaspar für die Wirtschaft, Lutz für die Politik und Graf Rettenberg fürs Militär. Wenn man das Stück von der militärischen Seite betrachtet, bleibt nur Graf Dürckheim als historisch belegte Person – aber der ist nun mal ein Freund von Ludwig. Ich denke also, dass man dieses Dreigestirn zeigen wollte und dafür eine weitere Person benötigt hat.

Was macht die Faszination für das Musical „Ludwig²“ aus?
Meiner Meinung nach, ist das Faszinierendste die Traumwelt, die Ludwig erschaffen wollte und auch real mit seinem Schloss und den Bauten erschaffen hat. Und die Musik, die sehr verträumt und verspielt ist, macht dieses Musical unglaublich faszinierend.

Wie sehr unterscheidet sich die Arbeit bei einer Produktion wie „Ludwig²“, die ja immer nur in kurzen Spielserien aufgeführt wird, denn von einer Long-Run-Produktion? Gibt es da überhaupt einen Unterschied?
Ja, da gibt es einen Unterscheid. In Füssen ist alles kleiner und familiärer. Es ist auch dadurch familiärer, weil die Allgäuer ihren Ludwig und das Stück lieben. Die Begeisterung und Herzlichkeit, die dir als Künstler in Füssen entgegengebracht wird, ist wirklich klasse. Ob das jetzt im Hotel ist oder im Festspielhaus – das ist eine ganz besondere Atmosphäre und man ist mit vielen Leuten freundschaftlich verbunden. Und die kurzen Spielserien sind auch super, weil man keine Abnutzung hat wie bei Ensuite-Produktionen. Darüber hinaus hat man nicht oft die Möglichkeit, am Originalschauplatz der Handlung zu spielen.

Spielen Sie mittlerweile denn lieber in Produktionen, die für einen kürzeren Zeitraum vorgesehen sind?
In gewisser Weise schon. Ich mache inzwischen sehr gern kürzere Produktionen. Zuvor habe ich über zehn Jahre lang in Großproduktionen gespielt, sowohl in Wien als auch in Deutschland. Aber es ist durchaus erholsam, Stücke zu machen, die nicht über einen so langen Zeitraum aufgeführt werden.

Weil Sie so mehr Zeit haben für eigene Projekte?
Auf jeden Fall! Ich habe mein Leben in dieser Hinsicht auch sehr vereinfacht, weil ich natürlich gern meine eigenen Sachen machen möchte. Ich habe meinen Lebensmittelpunkt nach Kassel verlegt, wo ich jetzt als Musikschullehrer arbeite und eigene Projekte vorantreiben möchte.

Was sind das für Projekte?
In erster Linie ist das meine Rockband, die Mates in Rock. Die liegt mir sehr am Herzen. Ist ja auch klar, denn das ist meine eigene Musik. Und dann gibt’s da noch die Rockshow „Himmlisch gerockt!“, die ich geschrieben habe. Außerdem habe ich einen guten Draht zum Theater im Centrum, das es mir immer wieder ermöglicht, eigene Projekte zu verwirklichen. Ich schätze es sehr, alles eigenverantwortlich machen zu können, ohne mir von jemandem reinreden zu lassen.

Wie kam es denn zu diesen Projekten? Einfach Bock gehabt? Oder wollten Sie sich damit ein zweites Standbein schaffen?
Mit einem zweiten Standbein hatte das nichts zu tun, denn als zweites Standbein habe ich meine Theateragentur. Es war so, dass wir uns eher zufällig zu einer Rockband zusammengeschlossen haben und irgendwann zu der Erkenntnis gekommen sind, dass wir damit mal auftreten müssen. Wir sind dann immer wieder bei Rock-Gigs aufgetreten und wollten mehr machen. Allerdings hatte ich keinerlei Erfahrung im Booking von Clubs, da ich eine Theateragentur habe. Also entschied ich mich, ein Stück zu schreiben und unsere Playlist aus eigenen Songs und Coverversionen dort einzubauen.

Wie entstand die Story für die Show?
Eines meiner Lieblingsstücke ist der Einakter „Geschlossene Gesellschaft“ von Jean-Paul Sartre. Das Grundmodell davon ist, dass sich drei Menschen in der Hölle treffen und fragen, was die Hölle ist. Also treffen sich in meiner Story drei Menschen im Himmel und fragen, was der Himmel ist. Drei völlig fremde Menschen treffen sich dort und der Himmel ist für sie ein Probenkeller für Rockmusik. Das hat sich so zusammengesponnen und ist sehr lustig geworden.

Aber so eine Show zu produzieren, kostet ja auch Geld. Da geht man als Autor und Produzent sicher ein großes Risiko ein.
Das stimmt. Aber ich hatte damals die finanziellen Möglichkeiten, die Show auf die Bühne zu bringen. Also habe ich mein ganzes Geld da reingesteckt und bin aufs Ganze gegangen. Glücklicherweise lief es vom ersten Tag an so gut, dass wir direkt Zusatzvorstellungen geben mussten.

Was sind die nächsten Schritte?
Wir würden „Himmlisch gerockt!“ jetzt gern an eine Tourneefirma verkaufen. Allerdings ohne uns, damit wir uns einem zweiten Teil widmen können.

Also eine komplett neue Besetzung, alles neu gecastet?
Genau. Wobei wir beim Casting natürlich mitreden möchten. Wir spielen, wir singen und spielen auch unsere Instrumente live. Das einzige, was wir uns und dem Publikum erspart haben, ist, dass wir auch noch tanzen. (lacht) Aber dafür braucht man richtig gute Musiker, die alle drei Bereiche abdecken können.

Interview: Dominik Lapp

Dominik Lapp arbeitet als Journalist, Produzent und Regisseur. Er hat für bekannte Musicalmagazine geschrieben und stand viele Jahre als Chefredakteur an der Spitze eines Onlinemagazins. Als Regisseur verantwortete er die Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie eine Workshop-Produktion des Musicals "Der Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort".

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