„Wo die wilden Kerle wohnen“ (Foto: S. Sennewald)
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Fantasievolles Kindertheater: „Wo die wilden Kerle wohnen“ in Bad Hersfeld

In Corona-Zeiten ist alles anders. Auch in der Stiftsruine von Bad Hersfeld, wo in diesem Jahr keine Festspiele stattfinden. Dementsprechend sieht die Ruine ganz anders aus als in den Sommern zuvor. Keine große Bühne, keine Tribüne. Doch ganz ohne Sommerfestspiele geht es in der Kreisstadt nicht – und so hat man kurzerhand ein Alternativprogramm mit dem Titel „Ein anderer Sommer“ erarbeitet. An fünf Wochenenden gibt es an verschiedenen Orten in Bad Hersfeld Lesungen, Konzerte, Sprechtheater, Musical und Konzerte. Die Verantwortlichen haben dabei auch an das junge Publikum gedacht und die Produktion „Wo die wilden Kerle wohnen“ für einen Nachmittag eingeladen.

Dieses Theaterstück nach dem gleichnamigen Bilderbuchklassiker von Maurice Sendak ist schwer in eine Genre-Schublade zu stecken. Einerseits Schauspiel, andererseits Figurentheater, Musical oder auch Konzert. Denn die Schauspieler Karsten Hentrich (Theater fensterzurstadt) und Christian Kruse (Figurentheater Neumond) spielen nicht nur, sondern singen, musizieren und beherrschen zudem das Puppenspiel ganz wunderbar.

Mit nur 45 Minuten Spielzeit ist „Wo die wilden Kerle wohnen“ zwar recht kurz, hat damit aber die perfekte Länge für Kinder ab 4 Jahren. Und schließlich ist ja auch Maurice Sendaks Bilderbuch mit nur 333 Wörtern eher schlicht. Was aber sowohl im Buch als auch auf der Bühne ganz hervorragend vermittelt wird, ist die kindliche Wut über Einsamkeit und Angst und die Sehnsucht nach Geborgenheit und Liebe der Eltern. Alles, was Karsten Hentrich und Christian Kruse dafür benötigen, befindet sich in vier Koffern, mit denen sie in eine wundervolle Fantasiewelt eintauchen und die Kinder sowie deren Eltern und Großeltern mitnehmen auf eine fantastische Reise.

Hentrich mimt dabei den Mond, der die Geschichte erzählt, und einen der wilden Kerle, wohingegen Kruse den Hauptcharakter Max (in Form einer Puppe) und dessen Mutter (stilisiert durch eine Perücke) darstellt und auch immer wieder harte Riffs in bester AC/DC-Manier auf seiner E-Gitarre anstimmt. Krach machen, das kann Christian Kruse auf seinem Instrument sehr gut. Krach machen, das kann aber auch Karsten Hentrich, wenn er als wilder Kerl so richtig losbrüllt. Ganz klar: Wilde Kerle müssen nun mal laut sein. Die Kinder reagieren darauf ganz unterschiedlich – während die einen lachen, weinen andere und suchen Schutz auf dem Schoß von Mama.

Der wilde Kerl sieht aber auch ziemlich wild aus: zottelig, mit großen Zähnen und Krallen. Karsten Hentrich wechselt immer wieder zwischen der zotteligen Halbkörperpuppe und dem erzählenden Mond hin und her, so dass für die Kinder die menschlichen Züge ersichtlich sind. Als Hentrich und Kruse zum Schluss den rockigen Song „Sei einfach du“ anstimmen, hält es die Kleinen nicht mehr auf den Sitzen – es wird geklatscht und gehüpft. Die vierjährige Martha aus dem Publikum unterstreicht schließlich, dass dieses Stück nur schwer in eine Genre-Schublade passt: „Papa, das war ein tolles Konzert“, sagt sie am Ende. Das war es wirklich. „Wo die wilden Kerle wohnen“ hat musikalisch ziemlich gerockt und dabei Schauspiel und Puppenspiel großartig miteinander vereint. Klare Empfehlung!

Text: Dominik Lapp

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Dominik Lapp

Dominik Lapp ist der Gründer von kulturfeder.de. Als Kultur- und Lokaljournalist schreibt er außerdem für die Neue Osnabrücker Zeitung und andere Medien. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" und das Streaming-Konzert "In Love with Musical".

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