Take-That-Hits und gute Laune: „The Band“ in Amstetten
Mit den größten Erfolgen von Take That verbindet das Musical „The Band“ ein Wiedersehen, das weit mehr ist als eine nostalgische Reise in die Vergangenheit. Beim Musicalsommer Amstetten entsteht in der Johann-Pölz-Halle ein ebenso unterhaltsamer wie berührender Abend, der Konzertatmosphäre und bewegendes Schauspiel geschickt miteinander verknüpft und dabei den Blick konsequent auf die Menschen vor der Bühne richtet – nicht auf die Popstars selbst.
Wer eine Biografie der britischen Erfolgsband erwartet, wird überrascht. Stattdessen erzählt das Stück die Geschichte von fünf Freundinnen, die sich nach 25 Jahren bei einem Take-That-Konzert wieder begegnen. Zwischen alten Erinnerungen, unerfüllten Träumen und den Spuren, die das Leben hinterlassen hat, arbeiten sie ihre gemeinsame Vergangenheit auf. Das macht „The Band“ zu einer Erzählung über Freundschaft, das Älterwerden und die Erkenntnis, dass manche Verbindungen auch nach Jahrzehnten Bestand haben.
Alexander Balga, der sowohl Regie als auch Bühnenbild verantwortet, findet dafür starke Bilder, unterstützt durch sehenswerte Kostüme von Irina Hofer-Schwendinger. Das Set verwandelt sich fließend zwischen den verschiedenen Zeitebenen und Schauplätzen und schafft gemeinsam mit dem stimmigen Lichtdesign von Michael Grundner immer wieder neue Stimmungen. Mal entsteht die intime Atmosphäre persönlicher Erinnerungen, dann eine mitreißende Konzertarena.
Dazu trägt auch die sichtbar auf der Bühne platzierte Band entscheidend bei. Unter der Musikalischen Leitung von Christian Frank entwickeln die Musiker einen kraftvollen, authentischen Sound, der den bekannten Songs ihre Energie bewahrt und zugleich organisch in die Handlung einbettet. Klassiker wie „Back for Good“, „Relight my Fire“, „Rule the World“ oder das große Finale mit „Never forget“ entfalten ihre Wirkung nicht als lose aneinandergereihte Nummern, sondern treiben die Handlung voran und spiegeln die Gefühlswelt der Figuren wider.
Auch die Boyband-Darsteller Aeneas Hollweg, Florian Heinke, Jonathan Metu, Aday Velasco und Lorenz Pojer liefern einen überzeugenden Auftritt ab. Sie beeindrucken mit ausdrucksstarken Stimmen, harmonischem Zusammenspiel und energiegeladenen Choreografien von Natalie Holtom, die den Geist klassischer Boygroup-Shows aufleben lassen. Jeder Auftritt versprüht Spielfreude und sorgt für den gewünschten Konzertcharakter, ohne die eigentliche Handlung zu überlagern.
Den Mittelpunkt bilden jedoch die fünf Frauen: Carin Filipcic (Rachel), Alexandra Frankl (Heather), Lilly Rottensteiner (Claire), Wietske van Tongeren (Zoe) und Elies De Vries (Debbie). Ihre Lebensgeschichten verleihen dem Musical erst Tiefe und machen deutlich, dass die größten Veränderungen oft fernab des Rampenlichts stattfinden.
Die Hauptdarstellerinnen gestalten ihre Rollen mit großer Spielfreude, glaubwürdigen Emotionen und beeindruckenden Gesangsleistungen. Dadurch wachsen die Figuren weit über nostalgische Erinnerungsbilder hinaus und entwickeln sich zu Persönlichkeiten, deren Hoffnungen, Enttäuschungen und Sehnsüchte das Publikum unmittelbar erreichen.
Ergänzt wird das Ensemble exzellent durch Anna Zagler (junge Rachel), Livia Wrede (junge Heather), Sophie Fröhlich (junge Claire) und Paula Niederhofer (junge Zoe) sowie Markus Hamele (Jeff.)
Gerade das Gleichgewicht zwischen großen Pop-Hymnen und leisen Momenten macht den besonderen Reiz der Inszenierung aus. Humorvolle Szenen lockern das Geschehen immer wieder auf, bevor die Handlung erneut den Blick auf die Lebenswege der Freundinnen richtet. So entsteht mit „The Band“ ein Abend, der gleichermaßen zum Feiern, Lachen und Mitfühlen einlädt.
Text: Patricia Messmer