„Sweeney Todd“ im Kino (Foto: Warner Bros.)
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Finsteres Mörderspiel: „Sweeney Todd“ im Kino

„Dass die Geschichte von ‘Sweeney Todd’ schon 150 Jahre überdauert hat, ist der Beweis dafür, wie gut sie ist. Sie fesselt die Zuschauer immer aufs Neue. Es geht um die Rache, die auch den Rächer vernichtet“, sagt Stephen Sondheim, Komponist des Musicals „Sweeney Todd“, das nun von Regisseur Tim Burton verfilmt wurde.

Sondheim liegt mit seiner Aussage gar nicht mal so falsch, denn die Handlung ist wirklich gut – schaurig gut: Der Barbier Sweeney Todd (Johnny Depp) landet unschuldig im Gefängnis und schwört Richter Turpin (Alan Rickman) Rache für seine brutale Strafe und das Schicksal seiner Frau und Tochter. Eines Tages kehrt er nach London zurück, eröffnet wieder seinen Frisörsalon und beginnt als dämonischer Barbier der Fleet Street seinen Rachefeldzug mit dem Rasiermesser.

Obwohl die Musik von Sondheim meist eher schwerfällig ist und sich deshalb ganz sicher nicht alle mit seinen Kompositionen anfreunden können, überrascht der Score von „Sweeney Todd“ sowohl mit dramatisch-düsteren Klängen als auch mit hübschen Balladen. Tim Burton hat zu der düsteren Musik und Thematik ebenso düstere Szenen geschaffen und seinen Streifen mit hochkarätigen Schauspielern besetzt – allen voran Johnny Depp. Dieser liefert zwar gesanglich keine Höchstleistungen, kann die stimmlichen Differenzen jedoch mit seinem überzeugenden Schauspiel ausgleichen. Wer Depp bereits aus anderen Filmen kennt, kann sich vorstellen, dass er auch aus der Rolle des Teufelsbarbiers Sweeney Todd alles herausholt. Er spielt seine Rolle nicht, sondern lebt sie.

An seiner Seite steht Helena Bonham-Carter in der Rolle der Mrs. Lovett, die die schlechtesten Fleischpasteten Londons backt – bis sie sie mit den von Todd niedergemetzelten Menschen verfeinert. Bonham-Carter gibt eine solide Mrs. Lovett und ist wie Depp schauspielerisch äußerst überzeugend. Jayne Wisener hingegen gibt eine entzückende Johanna mit angenehmer Singstimme. Sacha Baron Cohen als italienischer Barbier Pirelli spielt schleimig-fies und ist auch gesanglich durchaus passabel, während Timothy Spall und Alan Rickman als Beadle Bamford und Richter Turpin vor allem schauspielerisch auftrumpfen.

Wem Joel Schumachers „Phantom der Oper“-Verfilmung aus dem Jahr 2004 gefallen hat, dürfte auch Gefallen an Tim Burtons „Sweeney Todd“ finden. Denn der Streifen hat alles, was eine gute Musicalverfilmung benötigt: grandiose Musik, überzeugende Schauspieler und eine gute szenische Umsetzung mit beeindruckenden Kamerafahrten.

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp ist ausgebildeter Journalist und schreibt nicht nur für kulturfeder.de, sondern auch für andere Medien wie Lokalzeitungen und Magazine. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort" und Streaming-Konzerte wie "In Love with Musical", "Musical meets Christmas" und "Musical Songbook".