„Spamalot“ in Augsburg
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Klamaukige Ritter: „Spamalot“ in Augsburg

Manchmal entstehen aus der Not die besten Lösungen. Weil die traditionsreiche Freilichtbühne am Roten Tor dringend saniert werden muss und deshalb als Spielstätte ausfällt, errichtet das Staatstheater Augsburg kurzerhand eine neue Sommerbühne auf dem Gelände des ehemaligen Gaswerks. Dort eröffnet nun „Spamalot“ die Freiluftsaison – und der Ort erweist sich für dieses hemmungslos absurde Musical als ideal. Zwischen Industriearchitektur und Sommerabend entfaltet sich eine Produktion, die den anarchischen Geist von Monty Python nicht nur respektiert, sondern mit sichtbarer Spielfreude in die Gegenwart überführt.

Das Musical stammt von Eric Idle, der auch das Buch sowie die Liedtexte verfasst, während John Du Prez gemeinsam mit Idle die Musik komponiert. Grundlage bildet der Kultfilm „Die Ritter der Kokosnuss“, dessen legendärer Nonsens hier nicht einfach reproduziert, sondern in eine eigenständige Musicalform überführt wird. Die deutsche Fassung von Daniel Große Boymann bewahrt den scharfzüngigen Wortwitz und findet zugleich treffende Entsprechungen für den britischen Humor, ohne dessen Eigenheiten zu glätten.

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Anna Weber gelingt in der Regie das Kunststück, den oft gnadenlosen, bisweilen herrlich respektlosen Humor der Vorlage auf die Bühne zu übertragen, ohne dass die Pointen mechanisch abgespult wirken. Das Geschehen besitzt ein hohes Tempo, jede Szene scheint die nächste noch übertreffen zu wollen, wobei die Inszenierung nie in bloßen Klamauk abrutscht. Immer wieder streut Weber kleine Aktualisierungen ein, die sich organisch in das Gesamtbild fügen. Dass ein Ritter weiblich besetzt ist, versteht sich dabei nicht als erhobener Zeigefinger, sondern fügt sich ganz selbstverständlich in die Logik dieser Welt ein, in der ohnehin nichts den gewohnten Regeln folgt. Gerade dieses spielerische Selbstverständnis verleiht der Aufführung zusätzlichen Reiz. Der Rhythmus stimmt, die Gags sitzen, überraschende Einfälle lösen einander in rascher Folge ab.

Tänzerische Ensembleszenen wechseln sich mit turbulenten Kampfeinlagen ab (Choreografie und Stuntcoaching: Helena Sturm). Statt bloßer Revuegesten entwickelt sich eine ständig wechselnde Bewegungssprache, die den Witz der Handlung aufnimmt und körperlich weiterführt.

Das Bühnenbild von Sina Manthey setzt auf bewusste Reduktion. Wenige Elemente genügen, um unterschiedlichste Schauplätze entstehen zu lassen. Zugleich dominieren kräftige Farben und überzeichnete Formen, die wie Illustrationen eines Comics wirken. Nichts erhebt Anspruch auf historische Glaubwürdigkeit. Vielmehr entsteht eine augenzwinkernde Parodie mittelalterlicher Fantasiewelten.

Dieses Konzept führen die Kostüme von Laura Kirst konsequent fort. Fantasievoll gestaltet, leuchten sie überwiegend in Pastelltönen und steigern den karikierenden Charakter der Figuren. Ritterrüstungen, königliche Gewänder und Fantasiegestalten erscheinen wie überdimensionierte Zeichnungen, deren bewusste Übertreibung den visuellen Humor entscheidend mitträgt.

Unter der Leitung von Sebastiaan van Yperen entfalten die Augsburger Philharmoniker die stilistische Vielfalt der Partitur. Zwischen opulenten Musicalnummern, klassischen Broadway-Klängen und bewusst pathetischen Fanfaren blitzt immer wieder musikalische Ironie auf. Wo große Gefühle angekündigt werden, folgt häufig der nächste Bruch, wo heroischer Glanz aufscheint, kippt die Musik plötzlich ins Groteske. Das Orchester begleitet diese Wechsel mit hörbarer Spielfreude und hält den Klang transparent genug, damit Text und Pointen jederzeit ihre Wirkung entfalten können.

Patrick L. Schmitz führt als König Artus souverän durch das irrwitzige Geschehen. Sein Herrscher besitzt königliche Würde und gleichzeitig die notwendige Portion Selbstironie, um auch die absurdesten Situationen mit ernsthaftem Pathos auszuspielen. Katja Berg begeistert als Fee aus dem See mit großer Bühnenpräsenz und vokaler Strahlkraft. Sie verbindet Eleganz mit augenzwinkernder Komik und setzt ihre Auftritte als funkelnde Höhepunkte in Szene.

Florian Gerteis gestaltet Sir Robin als liebenswerten Feigling, dessen ständige Angst vor heldenhaften Taten zum Running Gag gerät. Sein komödiantisches Gespür macht aus jeder Unsicherheit einen neuen Lacher. Marina Lötschert verleiht Sir Lancelot enorme Durchsetzungskraft. Ihr kraftvolles Spiel harmoniert ausgezeichnet mit der Regieidee, Geschlechterrollen beiläufig aufzubrechen.

Johan Vandamme gewinnt als Patsy das Publikum bereits mit den ersten Takten des berühmten Hufgeklappers. Die Kokosnüsse, mit denen er unermüdlich die galoppierenden Pferde ersetzt, gehören seit Jahrzehnten zu den ikonischsten Einfällen von Monty Python und funktionieren auch hier tadellos.

Hannes Staffler stattet Sir Galahad mit sympathischer Naivität aus und überzeugt ebenso gesanglich wie darstellerisch. Mehdi Salim entwickelt als Sir Bedevere eine herrlich trockene Komik. Doch besonders wandlungsfähig präsentiert sich Stephanie Marin, die gleich mehrere Rollen übernimmt – als Historiker, Herbert und der Noch-Nicht-Tote Fred. Mit schnellen Figurenwechseln, unterschiedlichen stimmlichen Farben und feinem Gespür für Timing demonstriert sie eindrucksvoll, wie vielseitig dieses Ensemble aufgestellt ist.

Überhaupt trägt das gesamte Ensemble den Abend mit sichtlicher Lust am kontrollierten Chaos. So erweist sich „Spamalot“ als glänzende Auftaktproduktion für die neue Sommerbühne des Staatstheaters Augsburg.

Text: Patricia Messmer

kulturfeder.de

Patricia Messmer hat Medien und Musik studiert sowie ein Volontariat als Onlineredakteurin absolviert. Die Journalistin liebt Reisen, Sprache, Musik, Bücher, Filme, Serien und Musicals.