„Flashdance” (Foto: Katharina Karsunke)
  by

Sound der Achtziger: „Flashdance” auf Tour

Dauerwelle und schillernde Kleidung, hautenge Leggins und Schweißbänder, Neonfarben, Aerobic, Discofieber und Hits, die unvergessen blieben – die 1980er Jahre vermitteln bis heute ein Lebensgefühl, das Generationen prägte, und lieferten Vorlagen für großartige Werke auf der Kinoleinwand: Tanzfilme wie „Flashdance“ eroberten die Welt und begeisterten Millionen von Menschen.

Über 20 Jahre nachdem „Flashdance“ die Leinwand für sich gewann, fand die Story ihren Weg auf die Musicalbühne. Es geht um Träume, um Liebe und um ein unvergleichliches Lebensgefühl, vereint mit preisgekrönten Liedern – letztendlich wie geschaffen für einen unterhaltsamen Theaterabend. Tom Hedley (der bereits mit Joe Eszterhas das Drehbuch zum Film verfasste) und Robert Cary setzten den Rahmen für die Bühnenfassung, Robbie Roth komponierte die ergänzende, auf das Musical zugeschnittene Musik und schrieb mit Robert Cary wiederum die Texte für die neu geschaffenen Songs. Zum zweiten Mal tourt das Musical „Flashdance“ nun unter der Regie von Anders Albien durch Deutschland mit einer Story, die, wie im Film schon zuvor, relativ einfach, aber zugleich wundervoll unterhaltsam ist.

Maria Danaé Bansen verkörpert die 18-jährige Schweißerin Alex Owens authentisch und grandios. Sie wirkt jung, aber keineswegs naiv, sondern leidenschaftlich, humorvoll, willensstark und steht mit beiden Beinen fest im Leben – sei es bei der Arbeit in der Schweißerei oder beim allabendlichen Auftritt in Harry‘s Bar, wo sie sich ihrer Passion, dem Tanz, bedingungslos hingibt. Auch spiegelt sie nachvollziehbar Alex‘ verletzliche Seite und zeigt, dass sie sich weder kaufen, noch verbiegen lässt und es ihr mehr als wichtig ist, für ihre Herkunft und ihre Freunde einzustehen. Maria Danaé Bansen besticht mit einer erstaunlich starken, ausdruckskräftigen, sehr warm klingenden Stimme, die mühelos den Theatersaal für sich einnimmt und in ihren Bann zieht. Im Gegensatz zu Jennifer Beals im Film „Flashdance“ hat sie kein Double, sondern befindet sich fast ununterbrochen auf der Bühne und interpretiert alle Tanzeinlagen mit größter Leidenschaft, Eleganz und einer sagenhaften Präsenz

Ein gelungener Schachzug der Inszenierung ist die Abwechslung der großen, weltberühmten Hits wie „Flashdance… What a feeling!“, „Maniac“, „Manhunt“ oder „Gloria“ (in Originalsprache) und den eingängigen, nett untermalenden, extra für die Bühnenfassung geschriebenen Nummern. Bereits nach zehn Minuten wird dem Zuschauer großes Kino geboten, als Alex bei ihrem ersten Auftritt im Club zu „Maniac“ (Choreografie: Jennie Widegren) geschmeidig und drahtig zugleich über die Bühne wirbelt. Hiermit ist das Achtzigerjahre-Tanzfeeling eröffnet, und sie begeistert damit nicht nur Nick Hurley (Nicky Wuchinger), der es, schon alleine aufgrund seiner beruflichen Stellung gewiss nicht einfach hat, bei ihr zu landen. Sehr wirksam zeigt sich zudem hier, Alex unterstützend durch ein Gesangsensemble tanzen zu lassen, was der Szene unglaublich viel Ausdruck beschert.

Doch Alex wäre nicht Alex, wenn sie nicht den großartigen Zuspruch ihrer Freunde hätte, die alle ihr eigenes Päckchen mit sich herumtragen und letztendlich eins miteinander teilen: Eines Tages ihren Traum verwirklich zu können: Alex‘ beste Freundin Gloria (Ira Theofanidis), die davon träumt, durch einen berühmten Filmproduzenten entdeckt zu werden und sich dafür auf zwielichtige Gestalten einlässt, Jimmy, Glorias Freund (großartig: Dennis Hupka), der sich auf den Weg nach New York City macht, um dort sein Glück als Comedian zu versuchen und desillusioniert zurückkehrt, oder Alex‘ Mentorin Hanna (Regina Venus), die ihre großen Zeiten bereits hinter sich hat und nicht nur einmal einen steinigen Weg gegangen ist.

Dass „Flashdance“ nicht durch einen extravaganten, tiefgründigen Inhalt besticht, ist eindeutig. Vielmehr handelt es sich hier um ein Musical, welches der typischen, guten Unterhaltung dient, dem Zuschauer einen unterhaltsamen Theaterabend beschert und vor allem das Lebensgefühl der Achtziger Jahre vermittelt: Die Liebe zum Tanz, die Liebe zur Musik und den Wunsch, seinen Traum leben zu können. Hinfallen, Aufstehen, Weitergehen – wie ein roter Faden zieht sich diese Erkenntnis durch das ganze Stück. Zudem ist es ist schwungvoll, fröhlich und glitzernd, und die Vorlage wurde vom gesamten Ensemble sowohl gesanglich als auch schauspielerisch und vor allem tänzerisch exzellent ausgefüllt. Allen voran die vier „Berliner Jungstars“ – Maria Danaé Bansen, Nicky Wuchinger, Dennis Hupka und Ira Theofanidis, die alle ihre Ausbildung an der Berliner Universität der Künste erhielten, überzeugen mit Sympathie, starken Stimmen, einer tollen Bühnenpräsenz, komödiantischem Talent und viel Spielfreude.

Musikalisch untermalt wird die Inszenierung durch eine sechsköpfige Band unter der Leitung von Jin Urayama, die dafür sorgt, dass die Füße zu den Achtzigerjahre-Rhythmen wippen. Das Bühnenbild ist durch Projektionen nett gestaltet und ausreichend, um den Zuschauer in die verschiedensten Szenerien wie Alex‘ Wohnung, die Schweißerei oder Harry’s Bar zu versetzen. Nett und ausreichend, aber auch nicht mehr und nicht weniger.

Natürlich dürfen zwei weltberühmte Szenen nicht fehlen: Die grandiose Wasserdusche am Ende des ersten Akts, als Alex sich dazu entschlossen hat, an der Aufnahmeprüfung der Academy teilzunehmen und sich, umrahmt vom kompletten Ensemble, die Seele aus dem Leib tanzt, sowie die Audition selber, die Szene, die im Film zum absoluten, legendären Höhepunkt wird. Man erwartet fieberhaft den großen, fulminanten Abschluss – und wird vielleicht ein wenig enttäuscht. Im Vergleich zum restlichen Stück bekommt die alles entscheidende Schlussszene zu wenig Raum, beziehungsweise kann sich in ihrer Wichtigkeit nicht entfalten. Die Rhythmen schwappen auf das begeisterte Publikum über und als man sich gerade warm geklatscht hat, ist der Spuk bereits wieder vorbei. Auch wirkt die Dimension dieser Szene zu groß für die vorhandene Bühnengestaltung. Die Kulissen und Projektionen im Hintergrund wären nicht nötig – man erinnert sich an die alles entscheidende Tanzszene aus „Billy Elliot“, als der kleine Junge die schwarze Bühne für sich allein einnimmt.

Dennoch ist der Übergang zum Finale gelungen und die Zuschauer belohnen die frische, spielfreudige Cast mit tosendem Applaus und stehenden Ovationen. Die Botschaft des Abends, ganz eindeutig: Take your passion and make it happen!

Text: Katharina Karsunke

Katharina Karsunke ist Sozial- und Theaterpädagogin, hat jahrelang Theater gespielt, aber auch Kindertheaterstücke geschrieben und inszeniert. Ihre Liebe fürs Theater und ihre Leidenschaft fürs Schreiben kombiniert sie bei kulturfeder.de als Autorin.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Es gelten unsere Bedingungen zum Datenschutz sowie zur Nutzung / AGB. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen