„Wir sind die Neuen“ (Foto: Dennis Häntzschel)
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Generationenkonflikt: „Wir sind die Neuen“ in Stuttgart

Johannes, Eddie und Anne sind im Rentenalter angekommen und lassen aus finanziellen Gründen ihre Wohngemeinschaft aus Studententagen wiederaufleben. Doch ihre jungen Nachbarn, die Studenten Barbara, Katharina und Thorsten, fühlen sich von den Althippies gestört. Es kommt also zu einem Generationenkonflikt, der im Fokus von Ralf Westhoffs Filmkomödie „Wir sind die Neuen“ steht. Die auf dem Film basierende Bühnenfassung von Jürgen Popig ist jetzt in der Stuttgarter Komödie im Marquardt zu sehen und verspricht einen witzigen Theaterabend zwischen Wahrheit und Klischee. Die Themen, um die das Stück kreist, sind Versagensängste und Leistungsdruck, verpasste Chancen und das Überwinden von Vorurteilen.

Regisseur René Heinersdorff spielt in seiner kurzweiligen Inszenierung von „Wir sind die Neuen“ bewusst mit Klischees und wohldosierten Überspitzungen und schafft es, die sechs Charaktere ganz hervorragend zu zeichnen und das Publikum einen geradezu liebevollen Blick auf die Figuren werfen zu lassen. Vor allem nach der Pause kommt die Komödie richtig in Fahrt. Während die Konstellation von Jungen und Alten im ersten Akt nämlich sehr gut herausgearbeitet wird und sich die Studenten von den Alt-68ern knallhart abgrenzen, avancieren diese im zweiten Akt zu einer Art Helfer für Studis in seelischer Not. Wo sich die Alten als pseudojunge Kumpel im ersten Akt noch zusammenraufen, trinken und die innere Einsamkeit überspielen, leben die Jungen ganz leise und eher beziehungslos nebeneinander her. Im zweiten Akt wächst dann aber zusammen, was ja doch irgendwie zusammengehört in einer Hausgemeinschaft.

Das unaufdringliche Bühnenbild von Thomas Pekny lässt den sechs Schauspielern auch zu jeder Zeit genug Platz, um den Generationenkonflikt voll auszuspielen, denn die Wohnungen werden lediglich durch offene Holzkonstruktionen und wenige Möbelstücke stilisiert. Die Kostüme von Andrea Gravemann sind ebenso zurückhaltend, aber charakterentsprechend gehalten.

Die Jura-Studentin Katharina wird von Katarina Schmidt genial als krampfhaft selbstdisziplinierte junge Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs gespielt, während Julie Stark eine zickige Barbara gibt und Florian Gierlichs die Rolle des Thorsten schräg anlegt. Als perfektes Pendant zu den spießigen jungen Leuten erweisen sich die drei Alten im Bunde, die auch die Sympathie des Stücks tragen.

Da ist Joachim H. Luger („Lindenstraße“), der mit dem richtigen Gespür für Komik den Juristen Johannes als liebenswürdigen Typ anlegt, der auch der erste in der Generation-60-WG ist, der Kontakt zu den Studenten aufnimmt. Die Charakterzeichnung des erfolg- und mittellosen Juristen gelingt ihm mit trockenem Humor einfach genial. Simone Rethel gibt die Rolle der Anne emotional, leicht überdreht bis hysterisch und Lutz Reichert setzt als Eddie trockene Pointen und lebt seine inneren Widersprüche ganz herrlich aus.

So erweist sich „Wir sind die Neuen“ als federleichte Komödie, die zwar auf dem gleichnamigen Film basiert, aber in der hervorragenden Bühneninszenierung von René Heinersdorff ganz andere Akzente zu setzen weiß als die Filmvorlage. Ein kurzweiliger Spaß sowohl für die Filmkenner als auch für diejenigen, die den Film „Wir sind die Neuen“ nicht gesehen haben und ganz unbedarft in die Vorstellung gehen.

Text: Matilda Falke

Matilda Falke hat Germanistik studiert und ein Volontariat absolviert. Seit mehreren Jahren ist sie als freie Journalistin und Texterin tätig.

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