„Rocketman“ (Foto: Paramount Pictures)
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Starkes Biopic: „Rocketman“ im Kino

Nachdem im vergangenen Jahr das Biopic „Bohemian Rhapsody“ ein großer Hit war und weltweit mehr als 900 Millionen Dollar in die Kassen spülte, legt Regisseur Dexter Fletcher nun mit „Rocketman“ ein weiteres Biopic vor, bei dem er dieses Mal allerdings von Anfang an dabei war. Bei „Bohemian Rhapsody“, einem Film über die Rockband Queen und ihren Frontmann Freddie Mercury, übernahm Fletcher erst drei Wochen vor Ende der Dreharbeiten die Regie anstelle von Bryan Singer. Bei „Rocketman“ steht nun das Leben von Reginald Dwight im Fokus, der einem Millionenpublikum besser bekannt sein dürfte unter dem Namen Elton John.

Der Film zeigt, wie Reginal Dwight (gespielt von Taron Egerton) in einem Vorort von London aufwächst – ein bisschen dick und viel zu schüchtern, fühlt er sich nur am Klavier wohl. Als er nach London kommt, kann er endlich seine wahre Leidenschaft – die Musik – ausleben. Er trifft den Texter Bernie Taupin (Jamie Bell) und erregt schnell Aufmerksamkeit in der Londoner Szene. Nur der Name passt noch nicht: Erst als Reginald sich in Elton John umbenennt, steht seinem raketengleichen Aufstieg nichts mehr im Weg.

Doch der Film zeigt nicht nur Elton Johns unerzählte und inspirierende Geschichte, sondern ist gespickt mit seinen größten Hits. Es ist damit nicht nur ein Biopic, sondern in erster Linie auch ein Musikfilm, eine schillernde Musical-Fantasie. Elton John selbst ist bei „Rocketman“ als Berater und ausführender Produzent mit an Bord gewesen und hat persönlich Taron Egerton für die Hauptrolle ausgewählt, der diese nicht nur großartig spielt, sondern auch alle Songs im Film selbst singt – und das absolut fantastisch.

„Rocketman“ (Foto: Paramount Pictures)

Außerdem hat Egerton jede Geste, jede Mimik von Elton John verinnerlicht, so dass man zwischenzeitlich völlig vergisst, dass es nicht der echte Elton John ist, den man da auf der Leinwand sieht. Als Elton Johns Texter Bernie Taupin ist Jamie Bell zu sehen, der einst die Titelrolle in dem Film „Billy Elliot“ spielte – basierend auf diesem Film schrieb Elton John später sein gleichnamiges Musical. Auch Bell ist schauspielerisch stark, genauso wie Richard Madden als Elton Johns langjähriger Manager und Lebensgefährte, dem der schmierige und geldgeile Geschäftsmann gut zu Gesicht steht.

Aufgebaut ist „Rocketman“ wie ein Musical. Um ihre Gefühle auszudrücken, wechseln die Figuren dazu immer wieder zwischen Dialogen und Songs hin und her. Dadurch unterscheidet sich der Film grundlegend von „Bohemian Rhapsody“ und verdeutlicht, dass Regisseur Dexter Fletcher bei „Rocketman“ wesentlich freier und kreativer arbeiten konnte. Es verdeutlicht aber auch, dass Elton John Musicals liebt und das Musicalgenre eine große Rolle in seinem Leben spielt – immerhin komponierte er nicht nur das bereits erwähnte Musical „Billy Elliot“, sondern auch „Aida“, „Der König der Löwen“ sowie „Lestat“ und arbeitet gerade an einer Musicalfassung des Films „Der Teufel trägt Prada“.

Schon die ersten Minuten des Films sind wie ein Musical aufgebaut, wenn Elton im bunten Glitzeroutfit in eine Therapiesitzung der Suchtkranken kommt, von seiner Kindheit zu erzählen beginnt und von seinem kindlichen Ich in die 1950er Jahre mitgenommen wird, wo alle Bewohner seiner Straße eine Choreografie tanzen. Solche Szenen – zum Beispiel auch im Restaurant, wo alle Gäste in einen Choral einsetzen – ziehen sich durch die gesamte Handlung.

„Rocketman“ (Foto: Paramount Pictures)

Geradezu genial ist es, wie im Film zwischen realen und surrealen Szenen gewechselt wird und wie sehr die Songtexte zu den jeweiligen Szenen passen. Ein Highlight ist dabei sicherlich der Titelsong „Rocketman“: In Anspielung auf seinen Selbstmordversuch im Jahr 1975, wo er sich unter Einfluss von Valium in einem Pool ertränken wollte, beginnt der junge Elton John gemeinsam mit seinem kindlichen Ich den Song auf dem Grund eines Pools an einem Klavier unter Wasser und beendet die Nummer nach einem Schnitt als Star im Stadion vor vielen Tausend Zuschauern.

Sehr emotional ist hingegen die Szene, in der Elton John notgedrungen wieder bei seiner Mutter einzieht und am Klavier „Your Song“ improvisiert oder er auf seinen Vater trifft, nachdem dieser die Familie verlassen und mit einer neuen Frau eine neue Familie gegründet hat. Generell kommt Elton Johns Vater in „Rocketman“ nicht gut weg – als hätte es eine therapeutische Wirkung für den Sänger, der von seinem Vater ganz offensichtlich keine Liebe, nicht einmal eine Umarmung, bekam.

Das Schöne an „Rocketman“ ist, dass der Streifen keine bonbonfarbene Glitzerwelt zelebriert, die ja durchaus zu einem Paradiesvogel wie Elton John passt. Zwar bietet der Film ausreichend bunte Szenen, schon aufgrund der ausgefallenen Kostüme. Vielmehr liefert er jedoch einen authentischen Einblick in das Leben des extravaganten Sängers und lässt dabei Themen wie das schwierige Verhältnis zu den Eltern, seinen Selbstmordversuch, die Homosexualität oder Drogen- und Alkoholsucht nicht aus. Der mit erfreulich viel Musik gespickte Film ist eine unverblümte Seelenschau eines großartigen, aber vom Leben oft enttäuschten Sängers. Absolut sehenswert!

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp ist der Gründer von kulturfeder. Als Kultur- und Lokaljournalist schreibt er außerdem unter anderem für die Neue Osnabrücker Zeitung und das Meller Kreisblatt. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Der Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort".

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