„Die Päpstin“ Foto: spotlight musicals GmbH
  by

Stärker und frischer denn je: „Die Päpstin“ in Fulda

Es war immer der Anspruch der Fuldaer Produktionsfirma spotlight musicals, ihre Stücke beständig weiterzuentwickeln. Und so ist auch die Wiederaufnahme des Erfolgsmusicals „Die Päpstin“ im Schlosstheater Fulda keine bloße Wiederaufnahme, sondern eine gelungene Weiterentwicklung, in der einige Details handlungsfördernd neu herausgearbeitet oder verändert wurden. So präsentiert sich „Die Päpstin“ nun noch stärker und frischer denn je.

Inhaltlich ist die Story selbstverständlich unverändert geblieben, basiert sie doch auf der berühmten Romanvorlage von Donna W. Cross. Aber einige Szenen wurden erweitert, um die Geschichte noch ausführlicher und klarer zu erzählen. Laut Angabe der Autoren, sollen über 100 Positionen im Libretto überarbeitet worden sein. Auch die Musik, die nach wie vor leider nicht live ist, wurde neu arrangiert, orchestriert und mit dem Tschechischen National-Symphonieorchester in Prag komplett neu aufgenommen.

Die größte Änderung bezieht sich jedoch auf die Ebene im Stück, die in Fulda spielt. So wurde die Figur des Rabanus verjüngt. Außerdem ist er jetzt nicht mehr der Abt des Klosters, sondern Prior und Leiter der Klosterschule. An seine Stelle tritt Abt Ratgar, eine komplett neue Figur, die den gesamten Klosterszenen eine bedrohliche und düstere Atmosphäre verleiht. Dramaturgisch ist das geradezu perfekt gelungen, weil Johanna jetzt nicht mehr ganz so behütet erscheint und die Zuschauer viel besser nachempfinden können, welcher Gefahr sie durch ihr Versteckspiel im Kloster ausgesetzt ist.

Weitere Überarbeitungen beziehen sich auf das noch immer opulente Bühnenbild von Christoph Weyers, die sehenswerten Kostüme von Andrea Kucerova und die Choreografie von Julia Poulet. So werden die Bühnenaufbauten jetzt wie bei dem Musical „Der Medicus“ durch Videoprojektionen ergänzt, um Landschaften oder loderndes Feuer zu zeigen oder Informationen zum weiteren Handlungsverlauf einzublenden. Die menschengroßen Raben haben mittlerweile das Fliegen gelernt und wurden mit aufwändigeren Federkostümen ausgestattet und einzelne Szenen wie das Dampfbad bei „Die Cäsarin von Rom“, ein Schlachtfeld bei „Ein Traum ohne Anfang und Ende“ oder auch der Palast des Papstes wurden neugestaltet. Außerdem wird die vierte Wand durchbrochen, wenn sich Darsteller mit Fackeln im Zuschauerraum positionieren.

Bei der Besetzung hat man in Fulda wie gewohnt nichts dem Zufall überlassen, sondern eine durchweg starke Darstellerriege verpflichtet: Sabrina Weckerlin macht wieder einmal unmissverständlich klar, warum Produzent Peter Scholz sie als einzig wahre Päpstin bezeichnet hat, denn sie bringt in der Titelrolle eine grandiose Leistung und trägt damit das komplette Stück. Unglaublich überzeugend und authentisch ist ihr Schauspiel, sehr emotional und fesselnd ihr Gesang – dabei begeistert sie in den Höhen genauso wie in den Tiefen.

Die Wandlung von der jungen wissbegierigen Johanna, die die Identität ihres toten Bruders annimmt, bis hin zum angesehenen römischen Arzt und späteren Papst Johannes Anglicus gelingt ihr mit Bravour. Ihr Solo „Einsames Gewand“ singt sie mit gefühlvoll-eindringlicher Stimme, in dem Song „Das bin ich“ glänzt sie dagegen vor allem zum Schluss mit ihrem Belt und sorgt so für Gänsehautstimmung – genauso wie im Finale, wenn Johannas Geheimnis gelüftet wird und sie eine Fehlgeburt erleidet. Weckerlin spielt diese Szene so dramatisch und echt, dass es zu Tränen rührt.

Johannas Gegenspieler Anastasius gibt Christian Schöne als der durch seinen Vater in die richtigen Bahnen gelenkte Sohn von Adel, der erst im Verlauf der Handlung begreift, dass er den Papstthron wirklich besteigen will. Dabei ist er nicht von Anfang an der klassische Bösewicht, sondern entwickelt sich erst mit Fortschreiten der Handlung zum durchtriebenen Widerling. Schauspielerisch gelingt ihm diese Entwicklung exzellent und gesanglich punktet er zu jeder Zeit mit seinem kräftigen Tenor.

Sebastian Lohse ist als Johannas Vater ebenfalls schauspielerisch stark und gesanglich souverän, Anke Fiedler holt aus Mutter Gudrun und Kurtisane Marioza alles heraus, was ihr die Rollenprofile ermöglichen und Reinhard Brussmann führt stimmstark als weiser und sympathischer Aeskulapius wie ein Erzähler durch die Handlung. Ein authentischer Strippenzieher, der die Skrupellosigkeit seines Sohnes viel zu spät erkennt, ist Daniele Nonnis in der Rolle des Arsenius, der darüber hinaus als Abt Ratgar nichts zu wünschen übrig.

Ein schnittiger Gerold und damit der Geliebte von Johanna ist Mark Seibert. Schauspielerisch agiert er solide und gesanglich liefert er äußerst gefühlvoll-emotionale Töne. Auch das Zusammenspiel mit Sabrina Weckerlin gelingt ihm bestens, so dass man beiden das Liebespaar vollkommen abnimmt. Sehr gut besetzt wurde zudem die Doppelrolle des Fulgentius und Rabanus mit Lutz Standop. Hat er Fulgentius gerade noch als prolligen Lebemann gegeben, so wirkt er als Rabanus wie ein Ruhepol im Kloster und sorgt mit seiner eindringlichen Interpretation des Songs „Hinter hohen Klostermauern“ für einen musikalischen Höhepunkt.

Die Überarbeitungen, die Komponist Dennis Martin und Autor Christoph Jilo an ihrem Werk vorgenommen haben, wirken sich letztendlich sehr positiv auf die Inszenierung von Stanislav Moša aus, die durch die Kürzung von Dialogen und Szenen an Spannung und Tempo gewonnen hat. Zwar springt die Handlung teilweise, aber angesichts der fast 600-seitigen Romanvorlage ist das durchaus zu entschuldigen. Denn ein gutes Musical war „Die Päpstin“ bereits bei der Uraufführung im Jahr 2011 und ein noch besseres Musical ist „Die Päpstin“ jetzt nach der Überarbeitung – die Story ist packend, die Musik eingängig, die Ausstattung opulent und die Besetzung ein Traum.

Text: Dominik Lapp

 

Transparenzhinweis | Dominik Lapp hat im November 2017 das Pop-Oratorium „Luther“ in Lingen inszeniert. Christian Schöne hat in dieser Inszenierung die Rolle des Faber gespielt.

Dominik Lapp arbeitet als Journalist, Produzent und Regisseur. Er hat für bekannte Musicalmagazine geschrieben und stand viele Jahre als Chefredakteur an der Spitze eines Onlinemagazins. Als Regisseur verantwortete er die Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie eine Workshop-Produktion des Musicals "Der Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort".

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Es gelten unsere Bedingungen zum Datenschutz sowie zur Nutzung / AGB. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen