Foto: Dominik Lapp
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Licht und Schatten: „Luther! Rebell wider Willen“ in Eisenach

Im Lutherjahr 2017 verliert man schnell den Überblick, weil es so viele Veranstaltungen – darunter zahlreiche Musicals – rund um Martin Luther gibt. Auch das Landestheater Eisenach hat das Reformationsgedenken zum Anlass genommen, das Musical „Luther! Rebell wider Willen“, das bereits 2013 uraufgeführt wurde, erneut auf seinen Spielplan zu setzen. Es ist, vor allem musikalisch, sicher nicht das stärkste Luther-Musical, aber bietet in der schlüssigen Inszenierung von Librettistin Tatjana Rese durchaus auch herausragende Momente.

Erzählt wird die Geschichte Luthers durch die Musik von Erich A. Radke und die Texte von Tatjana Rese, die auch einige bekannte Zitate Martin Luthers ins Libretto eingebettet hat. Das Werk ist mit Ausnahme einer Szene, dem Reichstag zu Worms, komplett durchkomponiert. Doch leider plätschert die Musik eher belanglos vor sich hin, auf große Melodien wartet man vergebens. Zweckdienlich, die Handlung vorantreibend ist die Partitur aber immerhin. Und mitunter auch richtig rockig, was man beim Luther-Thema vielleicht nicht erwartet hätte. Es krankt jedoch besonders am Orchester unter der Leitung von Carlos Chamorro Moreno. Der ganze Klangapparat lahmt und nimmt überhaupt keinen Drive auf, so dass die Darsteller auf der Bühne ausgebremst werden. Das ist schade, weil die Künstler in ihren Rollen allesamt überzeugen können.

Die Story, die dem Zuschauer nähergebracht wird, wurde in einer Rahmenhandlung verpackt: Der Maler Lucas Cranach will im Atelier ein neues Bild von seinem Freund Martin Luther malen – dabei gibt es immer wieder Rückblenden in Luthers Leben. Alexander di Capri spielt Cranach würdevoll und macht glaubhaft, dass er Luther mit all seiner Wut und seinen Ängsten in das neue Bild bringen möchte. Die Sitzungen der beiden Freunde im Atelier unterbrechen die Handlung immer wieder und lockern das Geschehen etwas auf.

Matthias Jahrmärker singt passabel und schafft es schauspielerisch, Martin Luther glaubwürdig als den Helden darzustellen, der er nie sein wollte. Jahrmärker zeigt einen Mann der Einsamkeit, einen Mann der Studierstube, einen Apostel der Unterdrückten und den Rebellen wider Willen, wie es der Titel des Musicals verspricht. Ausgestochen wird er allerdings durch Stefan Poslovski in der Rolle von Luthers Gegenspieler, dem Teufel. In immer neuen Gestalten – mal als Bergmönch, mal als Polizeihäscher, dann sogar als Nonne – taucht Poslovski als Teufel auf und verfolgt Luther. Dabei ist er wie gewohnt überzeugend. Er macht sich die Songs mit seiner markanten Stimme zu eigen und spielt seinen Part diabolisch-geheimnisvoll. Rollendeckend agieren außerdem Alexander Kerbst als Jahnn Zacke und Jannike Schubert als Katharina von Bora.

Sehenswert ist Ricardo Fernandos Choreografie, die stilistische Elemente vom zeitgenössischen Tanz bis zum neoklassischen Stil beinhaltet. Ein Höhepunkt dabei ist eine Albtraumsequenz, in der Luthers Auseinandersetzung mit dem Tod, seine Ängste und Enttäuschung hervorragend visualisiert werden. Ebenso sehenswert ist die Ausstattung: Das Bühnenbild von Christian Rinke ist durch große symbolische Objekte gestaltet. So könnte zum Beispiel eine Druckmaschine für die Verbreitung von Luthers Thesen und eine hölzerne Kirchentür für seine Tätigkeit als Theologe stehen. Unterstützt werden die Bühnenteile durch passende Videoinstallationen. Die Kostüme von Pia Wessels hingegen sind sichtbar von historischem Hintergrund inspiriert und erinnern an bekannte Bilder von Martin Luther oder Katharina von Bora.

Insgesamt also ist „Luther! Rebell wider Willen“ durchaus einen Besuch wert – bietet es doch optisch wirklich viel und kann außerdem mit einer guten Darstellerriege aufwarten. Die Handlung bringt einem Martin Luther näher und macht Lust, sich tiefergehend mit dem Reformator auseinanderzusetzen, was gerade in Eisenach nicht schwer ist – das Lutherhaus und die Wartburg sind schließlich vor Ort zu besichtigen.

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp arbeitet als Journalist, Medienberater, Produzent und Regisseur. Er hat für bekannte Musicalmagazine geschrieben und stand viele Jahre als Chefredakteur an der Spitze des Onlinemagazins thatsMusical. Als Regisseur verantwortete er unter anderem das Pop-Oratorium "Die 10 Gebote", außerdem schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort".

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