Foto: Dominik Lapp
  by

Livestream aus der Oper – wie eine Technologie die Welt erobert

Die größten Opern der Welt bequem vom eigenen Sofa aus genießen, aber live, nicht als Aufzeichnung auf YouTube. Der Traum vieler Menschen ist längst die Realität, wie die verschiedensten Angebote im Internet zeigen. Sie setzen voll auf die Technologie des Livestreamings, die sich vor einiger Zeit online etablierte und seitdem immer weiter wächst. Wie das innovative Angebot funktioniert, was Nutzer und Betreiber beachten müssen, und wie sich die Idee in der Zukunft entwickeln soll, erfahren Sie hier.

Staatsoper Wien macht vor, wie es geht

Schauspieler Patrick Heppt machte zuletzt überaus deutlich, was er von Konserven aus dem Theater hält: „Abgefilmtes Theater hat […] nur historischen Wert”. Heppt hat damit durchaus Recht, denn wirklich interessant ist die Idee nicht, eine Aufführung aus der fernen Vergangenheit noch einmal anzusehen, selbst wenn sie damals live verpasst wurde. Das Theater lebt wie die Musik davon, live erlebt zu werden, wie es zuletzt etwa bei Babytalk in Bielefeld der Fall war. So fügt Heppt dann auch an, dass vor allem Vorstellungen in Echtzeit einen Gedanken wert seien. Schon jetzt setzen viele Häuser genau diese Idee um, einige jedoch auch seit deutlich längerer Zeit. Eines von ihnen ist die Wiener Staatsoper. In jeder Saison werden 45 Abende aus Oper und Ballett live über das Internet übertragen. Somit können Opernfreunde in aller Welt auch dann zusehen, wenn sie keine der begehrten Tickets ergattern konnten oder einfach zu weit entfernt leben. Grundsätzlich bietet die Staatsoper den Service 30 Tage kostenfrei an, ehe 16,90 Euro pro Monat anfallen. Mit diesem Betrag können Nutzer drei Aufzeichnungen pro Monat sowie alle Aufführungen live ansehen. Ob dabei ein Apple TV, Mobilgerät oder ein SmartTV als Endgerät benutzt wird, ist irrelevant. Bei ausgewählten Übertragungen präsentiert die Wiener Staatsoper sogar Partituren und blättert sie der Musik entsprechend um. Live-Übertragungen sind im Anschluss 72 Stunden lang verfügbar, sodass sie auch aus anderen Zeitzonen ohne Schwierigkeiten angesehen werden können.

Die Wiener Staatsoper zeigt also, wie es geht. Auf ganzer Linie steht ein möglichst authentisches Erlebnis im Vordergrund, das auch andernorts präsentiert werden soll. Ein Beispiel dafür sind die Kinos in Deutschland, die seit vielen Jahren bereits Live-Konzerte in ihren Sälen übertragen. Das ist auch bei der Kette CinemaxX der Fall. Wer einmal eine Oper live aus dem Royal Opera House London oder der Metropolitan Opera New York sehen wollte, hat dafür im CinemaxX jetzt alle Möglichkeiten. Neben der Oper werden auch Ballett, Theater und weitere Konzerte übertragen, so wie sie stattfinden und für die Besucher von Interesse sind. Dazu gehören die Berliner Philharmonie und jahreszeitabhängige Veranstaltungen wie das Weihnachts-Spezial des Starviolinisten André Rieu. Zudem bietet das Streaming, wie die Planung von „In Love With Musical” zuletzt zeigte, in Form des Crowdfundings noch weitere Möglichkeiten, die herkömmliche Konzerte in dieser Form weniger besitzen. Ganze 14 Kameras sollen zum Konzert eine echte Konzertatmosphäre garantieren, wie sie nur professionellen Produktionen vorbehalten ist. Da das Finanzierungsziel schon jetzt weit übertroffen ist, wird das Konzert im Juni stattfinden.

Starke Technologie stammt aus anderen Anwendungen

Foto: Dominik Lapp

Die Technologie selbst besteht schon länger, auch wenn sie jetzt erst in vielerlei Branchen wie in Oper oder Theater Anwendung findet. Vor allem Dienste wie Skype setzen schon lange auf das Konzept des Livestreamings zur Kommunikation mit Freunden und Familienmitgliedern. Selbst Vorstellungsgespräche werden immer öfter über das Internet durchgeführt, um lange Wege und unnötige Kosten zu vermeiden. Im März 2020 berichtete Nach Welt von über 40 Millionen aktiven Nutzern am Tag. Auch Unternehmen wie Zoom wuchsen mit ihren Räumen für virtuelle Meetings. Ebenfalls zu den ersten Unternehmen, die sich das Livestreaming zunutze machten, gehörten Online Casinos. Dies geschieht über das sogenannte Live Casino, in dem der Spieler virtuell einem echten Dealer gegenübersitzt. Dieser befindet sich normalerweise vor einer Webcam sowie einem Greenscreen und kann so in jeder stimmigen Spielbank-Umgebung platziert werden. Am Ende entsteht so ein besonders authentisches Spielerlebnis für den Kunden, der den Service selbst nutzt. Ein drittes Beispiel für das erfolgreiche Livestreaming ist Twitch mit seinen unzähligen Gaming-, Musik- und weiteren Unterhaltungskanälen. Die Nutzerzahlen steigen konstant immer weiter und erreichen Höhen, die vor einigen Jahren nicht für möglich gehalten wurden.

Nach den ersten erfolgreichen Schritten ist davon auszugehen, dass auch in Zukunft Konzerte, Theateraufführungen und weitere Veranstaltungen kultureller Art wie Operetten vermehrt über Livestreams stattfinden oder zumindest ebenfalls angesehen werden können. Die Wiener Staatsoper macht erfolgreich vor, wie ein zeitgemäßes Modell dieser Art aussehen kann. Durch das Abonnement-Modell kann jeder Interessierte die Plattform testen und Inhalte danach bei Bedarf zu einem festgelegten Preis beziehen. Somit profitieren beide Seiten: Der Abonnent erhält die von ihm gewünschten Dienste und Unterhaltung, während der Veranstalter zusätzlich zu den Eintrittskarten weitere Zugriffsrechte verkaufen kann. Wurden Bühnenhöhepunkte wie 2019 live von den Zuschauerplätzen verfolgt, so können sie 2020 immer öfter aus den eigenen vier Wänden angesehen werden. Das Livestreaming macht die Kultur flexibler und abwechslungsreicher als je zuvor.

kulturfeder

Das Onlinemagazin kulturfeder.de schlägt seit dem Jahr 2006 eine Brücke zwischen Special-Interest- und Fachmagazin und spricht deshalb zwei Zielgruppen an: diejenigen, die sich für kulturelle Themen interessieren und diejenigen, die kulturelle Themen machen. Dabei ist kulturfeder.de genauso informativ wie unterhaltsam. Unsere Texte sind anspruchs- und gehaltvoll, aber voraussetzungsfrei zu lesen.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Es gelten unsere Bedingungen zum Datenschutz sowie zur Nutzung / AGB. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen