Foto: Dominik Lapp
  by

Von Wicked bis Spongebob Squarepants: Musicals in Las Vegas

Glamour, Geld und gute Laune: Las Vegas hat sich innerhalb von 150 Jahren vom einsamen Wüstenkaff zur Hauptstadt des Entertainments entwickelt. Zuerst waren es die artesischen Quellen, die die Menschen dazu verlockten, ausgerechnet mitten in der Mojave Wüste ihre Zelte aufzuschlagen. Dann kam die Eisenbahn und schlussendlich, zur verbesserten Wasserversorgung, der Hoover Damm. Eine weitere wichtige Komponente, die Las Vegas zum Blühen brachte, fehlt in dieser Aufzählung aber noch: Die Legalisierung des Glücksspiels im Bundesstaat Nevada, die 1931 erfolgte. Bereits 1941 eröffnete das erste Hotel-Casino, 1942 folgte ein weiteres seiner Art. Dann erschien das legendäre Flamingo Las Vegas auf der Bildfläche, gegründet von Bugsy Siegel und seinen Partnern. Diese Spielbank bot nicht nur Übernachtungsmöglichkeiten, sondern auch einen Bühnensaal für glamouröse Shows, die mit Stars und Sternchen bestückt waren. Das war die wahre Geburtsstunde von Las Vegas, so wie wir die Metropole heute kennen.

Wie wir alle wissen, folgten auf die Geburt allerdings noch viele unruhige Jahre. Die amerikanische Cosa Nostra hatte von der Stadt Besitz ergriffen, sie schöpfte einen Großteil der Gewinne ab und regierte mit brutaler Hand. Die Lage beruhigte sich erst nach Jahrzehnten, aber spätestens als Howard Hughes Ende der 60er Jahre ganz groß ins Casino-Geschäft einstieg, lief die Zeit der Mobster ab. Legale Business-Modelle auf seriösem Boden entstanden und werden bis heute fortgeführt. Schließlich trat Steve Wynn auf die Bühne und mit ihm das berühmte Mirage, das im Jahr 1989 seine Pforten öffnete. Wynn engagierte die Raubtierbändiger Siegfried & Roy für spannende Shows und lockte damit eine besonders zahlungskräftige Klientel in die Stadt. Das alte Sin City wandelte sich von nun an in eine moderne Entertainment-Metropole, die zunehmend auch Familien anzog. Seit den 90er Jahren gehört Las Vegas zu den US-amerikanischen Städten, die am schnellsten von allen wachsen. Diese Zahlen senden eine deutliche Botschaft: Die Lebensqualität in der Wüstenmetropole ist deutlich gestiegen, das bekommen nicht nur die Urlaubsgäste, sondern auch die Einwohner selbst zu spüren.

Etwa 40 Millionen Menschen im Jahr zieht es auf Besuch hierher, und kaum jemand von ihnen möchte sich die Bühnenevents der großen Casinoresorts entgehen lassen. Daraus ziehen auch internationale Mega-Stars ihren Nutzen, sie erhöhen ihre Popularität, indem sie regelmäßig in Shows auftreten und dabei alle Register ihres Könnens ziehen. Aber auch historische Künstler erleben regelmäßig ein neues Revival, denn die Songs und Melodien von damals berühren auch heute noch Musikfans aus aller Welt.  

Die Wiedergeburt eines Kultstars im Harrah’s Las Vegas

In der Vergangenheit waren international bekannte Künstler wie Frank Sinatra, Sammy Davis Jr., Johnny Cash, Dean Martin, The Rat Pack und Elton John in Las Vegas bereits live mit an Bord. Die großen historischen Namen zählen noch heute, wie sich an den aktuellen Shows deutlich erkennen lässt: Im Harrah’s läuft seit Beginn dieses Jahres die erfolgreiche Bühnenshow “Heartbreak Hotel”, die nach dem gleichnamigen Hit von Elvis Presley aus dem Jahr 1956 benannt wurde. Die 50er und 60er Jahre knüpften ohne Frage eine enge Verbindung zwischen Las Vegas und dem King, die sich im aktuellen Tribut an den vielgeliebten Künstler niederschlagen. Zu eben jenen Zeiten erlebte das Kartenspiel Blackjack in Las Vegas einen enormen Boom und entwickelte sich zu dem heutigen Klassiker. Ob in analoger Form oder als Online Blackjack erscheint das Spiel heute unverzichtbar in sämtlichen Casinos rund um den Erdball. In der Heartbreak-Show sind es allerdings nicht schnöde Asse und 10er-Karten, die die Besucher von den Sitzen reißen, sondern mehr als 18 originale Elvis-Songs, live gespielt und voller Rock’n’Roll-Drive. Dazu werden historische Bilder aus dem Leben des Kings gezeigt, so, wie seine Fans ihn noch heute lieben. Der authentische Elvis-Imitator Eddie Clendening sorgt dafür, dass die Zuschauer die altbekannte Gewissheit beschleicht: Elvis lebt!

In der Reynolds Hall läuft diesen Monat “Wicked”, eine der erfolgreichsten Produktionen des modernen Theaters. Im Mittelpunkt des seit 2003 tourenden Musicals stehen das magische Land Oz sowie die ungleichen Charaktere Elphaba und Glinda. Die böse Hexe des Westens und die gute Hexe des Südens verbindet eine ungewöhnliche Freundschaft, was zu interessanten Verstrickungen führt. Elphaba ist insgeheim gar nicht so böse wie es allen anderen erscheint, und als schlussendlich alle über ihren Tod jubeln, weiß Glinda, dass dieses Ende vielmehr ein neuer Anfang ist. Im Grunde handelt es sich um die Vorgeschichte zum legendären “Zauberer von Oz”, ein international bekanntes Musical, das schon 1939 seine Uraufführung feierte. Zu jenen wilden Zeiten übernahmen die Mobster gerade die Herrschaft in Las Vegas und sorgten dafür, dass die Stadt über viele Jahre einen zweifelhaften Ruf erlangte. Heute laufen familientaugliche Shows wie diese auf den Bühnen der Glamour-Metropole und zeigen, dass die Welt sich stets weiterdreht.

Im Programm des Smith Centers finden wir Anfang 2020 auch die die Gute-Laune-Show Spongebob Squarepants, die sich ebenfalls an Groß und Klein richtet. Am Broadway sorgte das Musical bereits 2018 für jede Menge Furore, die Melodien gelten als ansteckend und fröhlich. Spongebob und seine Freunde müssen ihre Heimat Bikini Bottom vor dem endgültigen Verhängnis bewahren und bieten dafür alle Kräfte auf! Starke gesangliche Unterstützung gibt es von Cyndi Lauper und David Bowie, zwei geschichtsträchtige Stars, die trotz ihres fortgeschrittenen Alters die Bühne zum Beben bringen. Außerdem gesellt sich die Rockband The Flaming Lips hinzu, die sich vor allem durch ihre Experimentierfreude auszeichnet und gerne neue musikalische Styles ausprobiert. Auffällig ist, dass auch hier wieder Historie auf Moderne trifft: Stars, die uns bereits seit Jahrzehnten begleiten, hauchen einer nigelnagelneuen Show Leben ein. Das scheint typisch für Las Vegas und ist sicher ein wichtiger Grund dafür, dass die Besucher der Stadt aus sämtlichen Altersgruppen stammen.

Die magische Seite der Glamour- und Spielehauptstadt

Noch ein weiteres bekanntes Gesicht sollte Erwähnung finden: Der international bekannte Magier David Copperfield hat sich bereits seit einigen Jahren fest im MGM Grand angesiedelt und verzaubert sein Publikum immer wieder aufs Neue. Damals überraschte er die Welt mit seinem Gang durch die Chinesische Mauer, mehr als zehnmal ist er im Guinnessbuch der Rekorde vertreten. Mittlerweile vereint Copperfield mehr als 60 Lebensjahre auf sich, doch seine Illusion haben, wie man allgemein hört, nicht gelitten. Magic Shows gehören seit jeher zum Show-Alltag in Las Vegas, sowohl auf den ganz großen als auch auf kleineren Bühnen. Derzeit sind auch die Zauber-Comedians Penn & Teller in der Casinohauptstadt aktiv, ebenso wie der Illusionist Criss Angel mit seiner Fernsehshow Mindfreak. Damit sind wir noch lange nicht am Ende der Zaubererliste angekommen, die Nachfrage ist groß und entsprechend platzt das Angebot aus allen Nähten. Die zersägte Jungfrau und das weiße Kaninchen im Hut tauchen sicher auch im modernen Magie-Business hin und wieder auf, doch darüber hinaus lassen sich die aktuellen Künstler auch regelmäßig etwas Neues einfallen, das die Zuschauer zuerst in totale Verblüffung und anschließend in Jubel versetzt.

Wenn Michael Jackson 10 Jahre nach seinem Ableben keinen Platz in Las Vegas finden würde, dann wäre irgendetwas nicht in Ordnung. Aber keine Sorge: Das Stratosphere Hotel und Casino kümmert sich in diesem Fall darum, dass die Glamour-Stadt ihren guten Ruf nicht verliert. Die Show MJ Live ist dem unvergessenen King of Pop gewidmet, sie beinhaltet seine größten Hits und natürlich den spektakulären Moonwalk – sowie viele weitere Moves, die so typisch waren für unseren Michael. Die Zuschauer sind aufgefordert, in den Gängen mitzutanzen, während sie der ikonischen Stimme lauschen. Auch der Cirque du Soleil hat sich des großen Entertainers angenommen und präsentiert die Show Michael Jackson ONE im Mandalay Bay Resort. Hier begeben sich vier Außenseiter auf eine spannende Suche und werden fündig: Sie verkörpern am Ende vier wichtige Eigenschaften des King of Pop, nämlich seine Liebe, seinen Mut, seine Agilität und seine Verspieltheit. Ein interessanter Ansatz für eine tiefgründige MJ-Story, die sicher ihre Wirkung nicht verfehlt.

Es leuchtet also nicht nur ein einziger Stern in der Mojave-Wüste, sondern ein ganzes Firmament voll blinkender Stars. Jeder Besucher ist eingeladen, die Hand zum Himmel zu heben und sich seinen eigenen Stern zu pflücken. Oder auch zwei oder drei, ganz wie es der Geldbeutel und die verfügbare Zeit hergeben.

kulturfeder

Das Onlinemagazin kulturfeder.de schlägt seit dem Jahr 2006 eine Brücke zwischen Special-Interest- und Fachmagazin und spricht deshalb zwei Zielgruppen an: diejenigen, die sich für kulturelle Themen interessieren und diejenigen, die kulturelle Themen machen. Dabei ist kulturfeder.de genauso informativ wie unterhaltsam. Unsere Texte sind anspruchs- und gehaltvoll, aber voraussetzungsfrei zu lesen.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Es gelten unsere Bedingungen zum Datenschutz sowie zur Nutzung / AGB. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen