„Sugar“ (Foto: Dominik Lapp)
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Unterhaltsam: „Sugar“ in Münster

Die Filmkomödie „Manche mögen’s heiß“ gilt heute als wohl bekanntester Film von Marilyn Monroe und Billy Wilder. An den Erfolg des Films kann das Theater Münster mit dem Musical „Sugar“, das auf dem Hollywoodstreifen basiert, mühelos anschließen, denn Inszenierung wie Darsteller versprechen genauso wie die Musik von Jule Styne und das Buch von Peter Stone einen äußerst unterhaltsamen Theaterabend.

Das Musical handelt von den Musikern Joe und Jerry im Chicago des Jahres 1929, die Zeugen eines Mafiamords werden und in Frauenkleidern als Josephine und Daphne mit einer Damenband vor den Gangstern nach Miami fliehen. Regisseur Ulrich Peters hat das Stück als eine große Hommage an Wilders Film inszeniert, diesen aber nicht kopiert. Filmelemente ziehen sich durch die Inszenierung, und so ist zum Beispiel ein zentrales Bühnenbildelement an das weltbekannte Löwen-Logo der Filmfirma Metro-Goldwyn-Mayer angelehnt. Dort, wo bei MGM der Löwe prangt, ist in Peters‘ Inszenierung jedoch eine Projektionsfläche, aber auch als Hotelfenster dient das Logo.

In dem Bühnenbild von Andreas Becker gibt es noch weitere Parallelen zur Filmwelt: Zwei überdimensionale Filmstreifen zeigen das Chicago der Roaring Twenties, am Bühnenportal gibt es links und rechts Projektionsflächen, und das Hotel in Miami erinnert in seiner Erscheinung an das Hotel del Coronado in San Diego, wo damals Außenaufnahmen für „Manche mögen’s heiß“ entstanden sind. Auch die Kostüme von Götz Lanzelot Fischer spiegeln ganz wunderbar den Zeitgeist der Zwanziger sowie die Mode des Films wider und setzen hervorragende Farbtupfer.

„Sugar“ (Foto: Dominik Lapp)

Mit einem glücklichen Händchen für das richtige Timing hat Ulrich Peters „Sugar“ inszeniert und konnte dabei auf eine ganze Riege glänzender Darsteller zurückgreifen. Allen voran begeistert Ulrike Knobloch mit komödiantischem Talent und herrlichem Gesang als Sugar Kane. Regisseur und Darstellerin haben jedoch keineswegs ein Abziehbild von Marilyn Monroe geschaffen, sondern einen eigenständigen Charakter entwickelt. Knoblochs Sugar ist eine träumerische, leicht naive und doch einfach liebenswürdige Blondine, der die Männer zu Füßen liegen.

Als Joe und Josephine überzeugt Florian Soyka durch seinen trockenen Humor und eine sehr facettenreiche Darstellung beider Charaktere, aber auch durch seinen angenehmen Gesang. Zum Publikumsliebling entwickelt sich Christoph Rinke als Jerry und vor allem durch seine glänzend schwungvolle Darstellung der Daphne. Beide Darsteller schaffen es, die Filmschauspieler vergessen zu machen, weil sie eine eigene Interpretation für ihre Rollen gefunden haben.

Als Sir Osgood Fielding weiß Gerhard Mohr mit solidem Schauspiel zu begeistern, während Jason Franklin, der auch für die Choreografie verantwortlich zeichnet, als Mafioso Gamasche mit seinen herrlichen Steppeinlagen im Gedächtnis bleibt. Eine starke Sweet Sue gibt Suzanne McLeod, die als Bandleaderin gesanglich wie schauspielerisch großartig ist, Gunter Sonneson mimt als Bienstock einen leicht grenzdebilen Bandmanager.

Musikalisch kann das Musical mit der eingängigen und gefälligen Partitur von Jule Styne aufwarten, auch wenn diese keine wirklichen Hits bereithält. Das Sinfonieorchester Münster sorgt unter der versierten Leitung von Thorsten Schmid-Kapfenburg aber zu jeder Zeit für einen exzellenten jazzig-swingenden Sound. So werden die Roaring Twenties bei „Sugar“ akustisch wie optisch geradezu perfekt auf die Bühne gebracht. Ein Besuch lohnt sich!

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp ist der Gründer von kulturfeder. Als Kultur- und Lokaljournalist schreibt er außerdem unter anderem für die Neue Osnabrücker Zeitung und das Meller Kreisblatt. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Der Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort".

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