Freilichtspiele Tecklenburg (Foto: Dominik Lapp)
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Klamauk und Persiflage: „Spamalot“ in Tecklenburg

In diesem Sommer wird auf der Freilichtbühne Tecklenburg nicht nur geliebt und gestorben, sondern auch herzlich viel gelacht. Zum dramatischen „Les Misérables“ (hier unsere Rezension) hat man mit Monty Pythons „Spamalot“ nämlich das perfekte komödiantische Pendant gefunden – und das, was Regisseur Werner Bauer und Choreografin Kati Heidebrecht auf die Bühne gezaubert haben, verspricht einen großen Spaß von der ersten bis zur letzten Minute.

Bauers Inszenierung befindet sich auf sehr hohem Niveau, die Gratwanderung zwischen gelungener Komödie und albernem Klamauk gelingt bestens. Das Publikum wird dabei sehr gut unterhalten, wenn sich König Artus und seine Ritter der Tafelrunde auf die Suche nach dem Heiligen Gral begeben. Alle Sketche und Pointen (Buch und Liedtexte: Eric Idle) in bester Monty-Python-Art sind perfekt getimt und immer auf den Punkt.

Dass es sich dabei nicht nur um Ritter-Klamauk, sondern um eine Musical-Persiflage handelt, zeichnet Werner Bauers Inszenierung ganz besonders aus. So beginnt das Stück bereits mit nur halb angezogenen Darstellern vor dem eigentlichen Beginn der Handlung, da werden Charaktere aus Musicals wie „Phantom der Oper“, „Mary Poppins“, „Rent“ oder „König der Löwen“ in die Handlung eingebaut und da gibt es einen großen Showstopper mit dem Song „Die Ritter der Tafelrunde“, der als große Shownummer inszeniert und von Kati Heidebrecht wunderschön choreografiert wurde.

Das Bühnenbild von Susanna Buller orientiert sich teilweise an der Originalinszenierung, wie sie in Köln und New York zu sehen war und lässt die Zuschauer sehr gut ins Mittelalter eintauchen. Den Vorteil, den Tecklenburg dabei selbstverständlich hat, ist die bestehende Burgruine, die allein schon imposant und passend für ein Stück wie „Spamalot“ ist und von der Bühnenbildnerin nur noch ergänzt werden musste. Doch Karin Albertis Kostüme sind ebenso sehenswert und spiegeln Handlung und Zeit sehr gut wider. Wahrscheinlich war nie zuvor ein Stück in Tecklenburg zu sehen, bei dem es so viele Kostümwechsel gab wie bei dieser Ritterkomödie – das verspricht Abwechslung und eine wahre Augenweide.

Was „Spamalot“ zu einer richtig gelungenen Musical-Comedy macht, ist die Tatsache, dass es sich dabei weder um plumpe Blödeleien noch um eine einfache Bühnenadaption des Monty-Python-Films „Die Ritter der Kokosnuss“ handelt. Dieses Musical verbindet den berühmten schwarzen Humor der britischen Komikertruppe mit einem roten Faden, so dass neben dem ganzen Klamauk durchaus auch für etwas Spannung gesorgt ist. Und wenn zum Schluss ein Zuschauer für ein Selfie – nein, Selbstie – auf die Bühne gebeten wird, weil die Ritter den Heiligen Gral unter seinem Sitz gefunden haben, hält es das Publikum vor Lachen fast nicht mehr auf den Plätzen. Katzeee!

Doch was wäre eine richtig gute Komödie ohne die passenden Darsteller! Allen voran ist es Frank Winkels, der als verwöhntes Aristokraten-Muttersöhnchen namens Artus – seines Zeichens König der Briten – mit seinem akzentuierten Schauspiel und solider Singstimme glänzt. Ebenso exzellent besetzt ist Femke Soetenga als Fee aus dem See, die mit ihrem herrlichen Hang zur Komik für etliche Lacher sorgt und gesanglich mit ihrem voluminösen Sopran brilliert. Mit ihrem Song „Wann geht’s hier wieder mal um mich?“ gelingt ihr einer der stärksten Momente des Abends, während sie sich einen weiteren dieser Momente mit Florian Soyka als Sir Galahad teilt, wenn sie ihr Duett „Das Lied, das jetzt erklingt“ singen. Soyka fasziniert darüber hinaus mit seiner schauspielerischen Wandlungsfähigkeit, wenn er sehr witzig den schwarzen Ritter oder Prinz Herberts Vater mimt.

Herrlich komödiantisch spielen zudem Thomas Hohler (Sir Robin), Mathias Meffert (Sir Lancelot) und Gerben Grimmius (Sir Bedevere), während Robert Meyer als Patsy die Herzen des Publikums durch sein Schauspiel und insbesondere seine grandiose Mimik für sich gewinnen kann. Doch auch Jan Altenbockum, der nicht nur den kommentierenden Historiker gibt, kann als der-noch-nicht-tote-Fred, französische Wache und insbesondere als Zauberer Tim viele Lachsalven auf seinem Konto verbuchen. Florian Albers sorgt als Gaukler mit der Nummer „Der tapfere Sir Robin“ für Lacher, Benjamin Witthoff hat seinen stärksten Auftritt als Mutter Galahad – so eine Mutter wünscht man nicht mal seinem ärgsten Feind – und Nicolai Schwab überzeugt als tuntiger Prinz Herbert in einer sehr lustigen Szene mit rosa Badekappe.

Getragen wird das starke Ensemble von einem hervorragenden Orchester unter der Leitung von Giorgio Radoja, der seine Musiker mit Tempo und Verve durch die abwechslungsreiche Partitur von John du Prez, Eric Idle und Neil Innes leitet und exzellent demonstriert, wie wunderbar ein Musical klingen kann, wenn der Klang eines großen Orchesters die Ohren der Zuschauer umschmeichelt und die Basis für einen rundum gelungenen Musiktheaterbesuch bildet. „Spamalot“ in Tecklenburg sollte man also auf keinen Fall verpassen.

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp arbeitet als Journalist, Produzent und Regisseur. Er hat für bekannte Musicalmagazine geschrieben und stand viele Jahre als Chefredakteur an der Spitze eines Onlinemagazins. Als Regisseur verantwortete er die Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie eine Workshop-Produktion des Musicals "Der Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort".

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