„Rigoletto“, Foto: Jörg Landesberg
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Hofnarr als Jude: „Rigoletto“ in Osnabrück

Der Hofnarr wird zum Juden. Adriana Altaras zeigt am Theater Osnabrück eine interessante Neuinszenierung von Giuseppe Verdis Oper „Rigoletto“, in welcher der bucklige Titelheld zum Juden mit Kippa und Tallit wird. Doch die Idee, den Nahost-Konflikt zum Fokusthema zu machen, verfolgt Altaras‘ Inszenierung leider nicht konsequent bis zum Schluss.

Doch zumindest scheint die Regisseurin, die in Osnabrück unter anderem schon eine wunderbare Inszenierung von „Anatevka“ verantwortete, die Provokation zu lieben: So hebt sich der Vorhang und gibt sogleich den Blick frei auf ein edles Herrenhaus, in dem sich die Mitglieder eines Herrenclubs mit heruntergelassenen Hosen obszön vergnügen, während die Bläserphilharmonie Osnabrück dazu fein aufspielt.

Wenn Rigoletto, der zwar an der anrüchigen Party teilnimmt, aber doch nur von den anderen Männern verhöhnt wird, sich letztlich nach Hause begibt, sehen wir ihn in einem Waschsalon, in dem seine Tochter Gilda arbeitet. Der liebestolle Herzog von Mantua, von Adriana Altaras in die Rolle eines Palästinensers gepresst, schmuggelt sich in einem Wäschewagen in den Waschsalon und macht Gilda Avancen – doch eine wirkliche Motivation der Rollen ist in allen Szenen nur schwerlich zu erkennen. Ein spannender Regieansatz also, der leider nur in einer nicht konsequent genug umgesetzten Idee verpufft. Schade.

Optisch macht das Stück dafür einiges her. Im Mittelpunkt des Bühnenbilds von Etienne Pluss steht ein sich um die eigene Achse drehender Kubus, dessen Ränder mit Leuchtröhren ausgestattet sind. Auf der einen Seite wird das Herrenhaus des Herzogs und auf der gegenüberliegenden Seite der Waschsalon gezeigt, während auf den verbleibenden zwei Seiten Gemälde zu sehen sind, so dass Gegenwart und Vergangenheit miteinander verschmelzen.

Die Kostüme, die ebenfalls Pulss entworfen hat, sind dagegen recht schlicht gehalten: Gilda ganz in Weiß, Rigoletto in Beige und der Herrenchor (hervorragend einstudiert von Markus Lafleur) in der Kleidung eines englischen Herrenclubs mit Sakko und Emblem auf der Brusttasche.

Musikalisch kann sich der Osnabrücker „Rigoletto“ aber hören lassen. Zwar spielt das Orchester unter der Leitung von Andreas Hotz zeitweise wie unter dem Einsatz einer angezogenen Handbremse. Doch insgesamt treibt der Generalmusikdirektor seine Musiker zu grundsoliden Leistungen an – Verdis Musik schafft ganz einfach den Rest.

Aus der Reihe der Gesangssolisten kann besonders die Sopranistin Erika Simons hervorstechen, die mit unglaublicher Intensität, Hingabe und Pathos ihr Debüt in dieser Rolle gibt. Seinem Rigoletto verleiht Rhys Jenkins enorme Strahlkraft und einen ebenmäßig-kraftvollen Bariton, wohingegen Carlos Moreno Pelizari als Herzog von Manthua das Publikum mit dem Gassenhauer „La donna è mobile“ und seinem schneidenden Tenor begeistern kann.

José Gallisa empfiehlt sich als Auftragskiller Sparafucile mit seinem erdigen Bass, während Katarina Morfa als dessen Schwester Maddalena mit ihrem klaren Sopran und einer hinreißenden Darstellung überzeugt. Und auch Leonardo Lee (Graf von Monterone), Jan Friedrich Eggers (Marullo) und Daniel Wagner (Borsa) können sich trotz ihrer kleinen Rollen gesanglich behaupten.

Was also letztendlich von diesem „Rigoletto“ bleibt, ist der starke Eindruck von der Sängerriege und die Klangschönheit von Verdis Musik. Inszenatorisch bleibt Adriana Altaras dem Publikum aber einen roten Faden schuldig.

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp arbeitet als Journalist, Produzent und Regisseur. Er hat für bekannte Musicalmagazine geschrieben und stand viele Jahre als Chefredakteur an der Spitze eines Onlinemagazins. Als Regisseur verantwortete er die Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie eine Workshop-Produktion des Musicals "Der Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort".

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