„Die Päpstin“ in Stuttgart, Foto: Ulrich Hummel für www.musicalspot.de
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Hochkarätig besetzt: „Die Päpstin“ in Stuttgart

Hochkarätig besetzt, gastiert das Musical „Die Päpstin“ für nur wenige Vorstellungen in Stuttgart. Das 2011 im hessischen Fulda uraufgeführte Musical feierte in einer Neuinszenierung von Benjamin Sahler bereits Ende 2017 in Neunkirchen Premiere und ist nun kurz zu Gast in der Landeshauptstadt Baden-Württembergs, bevor es im Herbst in Füssen zu sehen ist.

Die Geschichte um Johanna, die vom eigenen Vater als teuflischer Wechselbalg bezeichnet wird und zur Päpstin in Rom aufsteigt, stammt aus der Feder der Schriftstellerin Donna W. Cross. Die Musik schrieb der Komponist Dennis Martin, der vielen Musicalfans, insbesondere denen aus Fulda, bereits die Ohrwürmer zu Musicals wie „Bonifatius“, „Die Schatzinsel“ oder „Der Medicus“ beschert hat.

Die Bühne des Theaterhauses Stuttgart kommt mit wenigen Bildern aus. Zentral sind Metall-, Plastik- und Holzgestelle in Form von Kirchenfenstern, kleine Hocker und Podeste, die die Darsteller selbst verschieben. Dadurch liegt der Fokus eindeutig auf Schauspiel und Gesang. Die Beleuchtung ist insgesamt sehr düster. Durch zusätzlichen Theaternebel sind öfter Tänzer im hinteren Bühnenbereich – selbst wenn sie erhöht stehen – nicht gut zu sehen. Das ist schade, da deren Darbietung dadurch ein wenig untergeht.

Die reduzierte Ausstattung setzt sich auch in der Anzahl der Kostüme fort. Die Hauptdarsteller wechseln kaum, manche gar nicht, die Kostüme. Insgesamt bestehen die schlichten Gewänder aus glänzenden Stoffen, deren Farben im Licht wunderschön changieren.

Seit sie ein Kind ist, wird Johanna von zwei Raben begleitet, die den Bezug zum Heidentum und damit die Verbundenheit zu ihrer Mutter herstellen. Die beiden Rabendarstellerinnen Vera Horn und Stefanie Gröning zeigen dabei beeindruckende akrobatische Leistungen hoch unter der Theaterdecke an zwei Tüchern.

Kaya Sophie Bode überzeugt mit ihrer natürlichen Spielweise in der Darstellung der jungen Johanna. Sie spricht ihren durch lateinische Fachausdrücke geprägten, schwierigen Text ausdrucksstark und klar und lässt nie das Gefühl aufkommen, er sei auswendig gelernt.

Anna Hofbauer, die vielen noch als Elisabeth aus „Ludwig²“ in Füssen in guter Erinnerung sein dürfte, zeigt auch als Päpstin ihre enorme Stimmklarheit. Wenn sie sich schluchzend fragt „Wer bin ich Gott“, dann gelingt ihr der Spagat zwischen Trauer und klaren Tönen, ohne dass sie das Lied durch zu viel Spiel zerstört. Insbesondere im Liebesduett mit Gerold (Jan Ammann) legt sie sehr viel Leidenschaft und Hingabe in ihren Gesang.

Lediglich bei „Das bin ich“ neigt sie in den Höhen etwas zum Schreien, wobei auch dies zur Situation passt, da Johanna an einem Höhepunkt ihres Lebens angekommen ist, zur Päpstin gewählt wurde und sich zum ersten Mal im Leben wertgeschätzt fühlt.

Jan Ammann beherrscht auch in der Rolle des Gerold das Spiel zwischen den Höhen und Tiefen seiner Stimme. Sowohl im Gesang als auch im Schauspiel setzt er sie gekonnt ein und wechselt, insbesondere im Schlagabtausch mit Anastasius (Christopher Brose) sekundenschnell vom freundlichen Markgrafen zum bedrohlichen Verteidiger Johannas. Mit „Ein Traum ohne Anfang und Ende“ sorgt er für einen Gänsehautmoment.

Christopher Brose spielt den Anastasius nicht – er lebt ihn! Kleine Schwächen im Stimmvolumen („Parasit der Macht“) gleicht er durch seine Spielfreude wieder aus und macht sich auch kleine Pannen zunutze: Landet sein Mantel beispielsweise auf dem ausgestreckten Arm eines Tänzers („Zum Ruhme der Familie“), der diesen vorsichtig abwirft, wird selbiger Tänzer beim Abgang Anastasius‘ mit einem wütenden Fingerzeig bedacht.

Kevin Tarte hat zwar nur eine kleine Rolle, schafft es aber eindrucksvoll, das Stuttgarter Publikum mit nur einem Lied („Hinter hohen Klostermauern“) zum Jubeln zu bringen. Verständlich, denn er intoniert es kraftvoll und sauber mit viel Gefühl. Leider ist dieses Lied – wie viele andere in „Die Päpstin“ – oft durch Sprechpassagen durchbrochen. Das zerstört ab und zu den musikalischen Genuss.

Insgesamt bleibt aber festzuhalten, dass das Ensemble sehr ausdrucksstark spielt, gesanglich absolut überzeugt und einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Kleiner Wehrmutstropfen: Die Musik kommt vom Band und wird nicht live gespielt.

Bleibt zu hoffen, dass „Die Päpstin“ in Benjamin Sahlers Inszenierung noch weitere Städte beehren darf. Ein absoluter Augen- und Ohrenschmaus mit mitreißender, emotionaler Geschichte und einem restlos überzeugenden Ensemble.

Text: Anna-Lena Ziebarth

Anna-Lena Ziebarth bringt langjährige Erfahrung als Rezensentin mit und war in der Vergangenheit bereits für thatsMusical tätig, bevor sie zu kulturfeder.de wechselte.

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