„The Nutcracker Reloaded“ (Foto: Daniel Ohlsson)
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Durchwachsen: „The Nutcracker Reloaded“ auf Tour

Das Ballett ist weltbekannt: „Der Nussknacker“ mit der Musik von Peter I. Tschaikowsky ist ein Klassiker des Tanztheaters und wurde schon von zahlreichen Tanzkompanien auf die Bühne gebracht. Angekündigt als „rasantes Streetdance-Spektakel“, hätte „The Nutcracker Reloaded“ als moderne Neuinterpretation von Tschaikowsky „Nussknacker“ eine wirklich schillernde Bühneninszenierung werden können – wäre der Schauspieler Jörgen Thorsson nicht als Erzähler verpflichtet worden.

Thorsson spielt einen Mitarbeiter des schwedischen Kulturministeriums und hat den Auftrag, dem Publikum die Handlung zu erklären – und dabei möglichst witzig zu erscheinen. Witzig ist er aber keinesfalls, vielmehr peinlich und nervig. Und als wäre es nicht schlimm genug, dass er den Abend mit seiner überflüssigen Moderation eröffnet, platzt er auch noch im Verlauf der Show in mehrere Tanzszenen hinein und erklärt auf Deutsch mit schwedischem Akzent die Handlung.

Es ist schade, dass die Produzenten auf einen immer wieder die vierte Wand durchbrechenden Erzähler setzen. Schade deshalb, weil man dem Publikum nicht zutraut, ein Tanztheaterstück zu verstehen und eigenständig zu interpretieren. Schade auch, weil sich die Zuschauer von den Tänzern nicht mitreißen lassen können, wenn die Szenen immer wieder unterbrochen, erklärt und kommentiert werden.

Doch das, was „The Nutcracker Reloaded“ tänzerisch und inszenatorisch zu bieten hat, ist wirklich sehenswert. Der schwedische Choreograf Fredrik Rydman, der schon „Swan Lake Reloaded“ schuf und die Choreografie für das Musical „Fack ju Göhte“ entwickelte, hat Tschaikowskys „Nussknacker“ in die Gegenwart auf eine Müllhalde transferiert. Dabei ist aus dem Spielzeugmacher Drosselmeyer ein krimineller Organhändler geworden, statt Mäusekönig tanzen Super Mario und Darth Vader.

Wo im Original der Nussknackerprinz die kleine Clara rettet und in eine bessere Welt mitnimmt, ist der Prinz in Rydmans Version ein selbstverliebter Antiheld und Clara ein obdachloses Kind auf der Suche nach seinen Eltern. Auf klassische Musik wird Hip-Hop und Streetdance getanzt, und mit Bruce Almighty zeigt einer der weltbesten Breakdancer seine coolen Moves auf dem Tanzboden.

Das Bühnenbild von Fredrik Rydman und Lehna Edwall Velander wird perfekt unterstützt durch das Lichtdesign von Tobias Hallgren und das 3D-Videodesign von Andres Skärberg, Pixelfield und David Nordström. Schon die Eröffnungsszene, in der das Publikum aus der Vogelperspektive auf ein Krankenhausbett blickt, das durch den Boden fällt, gelingt dadurch sehr beeindruckend.

Musikalisch kommt Tschaikowsky in einem Mix aus R’n’B, Pop- und Electrosongs zu Gehör, so dass sich das moderne Erscheinungsbild nicht nur durch die Optik, sondern auch durch die Akustik zieht. Tänzerisch liefert das zehnköpfige Ensemble eine starke Leistung, lässt aber manchmal die Synchronität vermissen. Insbesondere Tilda Kristiansson als Clara, Marcus Nyström als Nussknacker, Michael Buchner als Drosselmeyer, Hanna Jasson als Claras Mutter und Robert Söderström als Claras Vater können solistisch überzeugen.

Lediglich das Finale enttäuscht, weil es sehr abrupt kommt, die Handlung nicht auflöst und die Energie der Tänzer durch den schlecht tanzenden Erzähler Jörgen Thorsson vollkommen zerstört wird. So kann „The Nutcracker Reloaded“ leider nicht an die Brillanz von „Swan Lake Reloaded“ anknüpfen und ist obgleich der genialen Choreografie von Fredrik Rydman insgesamt eher durchwachsen.

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp ist der Gründer von kulturfeder. Als Kultur- und Lokaljournalist schreibt er außerdem unter anderem für die Neue Osnabrücker Zeitung und das Meller Kreisblatt. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Der Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort".

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