„Eine Nacht in Venedig“ (Foto: Dominik Lapp)
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Buntes Treiben: „Eine Nacht in Venedig“ in Osnabrück

Nachdem das Theater Osnabrück in der Musiktheatersparte mit Verdis komischer Oper „Falstaff“ in die neue Spielzeit gestartet ist, geht es mit der Operette „Eine Nacht in Venedig“ von Johann Strauß komödiantisch weiter. Regisseur Marcel Keller, der auch für das Bühnenbild verantwortlich zeichnet, hat mit Kostümbildnerin Erika Landertinger ein buntes Treiben par excellence auf die Bühne gezaubert – und zu der Verkleidungs- und Verwechslungskomödie mit ihren Irrungen und Wirrungen passt das bunte Gewand ganz wunderbar.

Zugegeben: Die Handlung von „Eine Nacht in Venedig“ ist absurd und passt auf einen Bierdeckel. Aber das gilt auch für viele komische Opern. Was die Operette von Johann Strauß jedoch verspricht, sind kurzweilige zweieinhalb Stunden walzerseliger Stimmung. Wer fernab moderner Inszenierungen mal eine klassisch inszenierte Operette erleben möchte, wird in Osnabrück definitiv nicht enttäuscht.

So hat Regisseur Marcel Keller die Handlung dort belassen, wo sie von Johann Strauß und seinen Librettisten Friedrich Zell und Richard Genée erdacht wurde: In Venedig zur Zeit des Karnevals in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Keller zeichnet in seinem Bühnenbild also das karnevaleske Bild der Kanalstadt nach, und Kostümbildnerin Erika Landertinger hat sich hervorragend in den Kostümschnitten des Rokokos ausgetobt.

„Eine Nacht in Venedig“ (Foto: Dominik Lapp)

Wer Landertingers Kostüme für „Shakespeare in Love“ (Bad Hersfelder Festspiele) oder „Die lustige Witwe“ (Theater Heidelberg) kennt, weiß sie als Kostümbildnerin sicherlich schon zu schätzen. Für „Eine Nacht in Venedig“ hat sie sich allerdings noch einmal selbst übertroffen – so opulent, bunt und aufwändig sind ihre Kostüme ausgefallen. Neben all der optischen Brillanz wirkt Marcel Kellers Inszenierung insgesamt zwar recht brav, aber auch den Gags und Pointen der Handlung angemessen turbulent.

Aus der Sängerriege stechen ganz besonders die Damen positiv hervor. Erika Simons ist als Ciboletta nicht nur optisch eine Wucht, sondern überragt stimmlich mit ihrem herrlich klaren Sopran. Susann Vent-Wunderlich singt die Rolle der Annina exzellent, Gabriella Guilfoil gefällt als Barbara und Kathrin Brauer glänzt in der kleinen Rolle der Agricola mit ihrem wohltönenden Gesang. Rollendeckend agiert außerdem Heike Hollenberg als Page Centurio.

„Eine Nacht in Venedig“ (Foto: Dominik Lapp)

Daniel Wagner singt als Herzog mit strahlendem Tenor, die dankbareren Rollen haben allerdings Mark Hamman als Barbier Caramello und Jan Friedrich Eggers als Makkaroni-Koch Pappacoda inne. Sowohl Hamman als auch Eggers wissen die komödiantischen Seiten ihrer Figuren bestens auszuspielen und ebenso stimmlich zu begeistern. Für etliche Lacher sorgt zudem Silvio Heil in der Rolle des Senators Delacqua.

Erstmals am Pult des Osnabrücker Symphonieorchesters steht Sierd Quarré, der als Chordirektor nicht nur den Chor perfekt einstudiert hat, sondern als Dirigent die Partitur von Johann Strauß in vielfältigen Farben erstrahlen lässt und mit Gespür für rhythmische Finessen seine Musiker zu klangsinnlichen Bestleistungen antreibt. So verspricht die Operette „Eine Nacht in Venedig“ nicht nur optisch, sondern auch musikalisch einen lohnenswerten Abend.

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp ist der Gründer von kulturfeder. Als Kultur- und Lokaljournalist schreibt er außerdem unter anderem für die Neue Osnabrücker Zeitung und das Meller Kreisblatt. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Der Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort".

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