„Martin Luther King“ (Foto: Dominik Lapp)
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Großes Chormusical: „Martin Luther King“ in Essen

Martin Luther King hat nicht nur viele Menschen inspiriert, sondern durch seinen gewaltlosen Einsatz für Gleichberechtigung und Menschenrechte gesellschaftliche Veränderungen in Gang gesetzt. In einer abwechslungsreichen Mischung aus Gospel-, Motown- und Popsongs erzählt das Chormusical „Martin Luther King“ in 21 Songs die zusammengekürzte Lebensgeschichte des Baptistenpastors, Bürgerrechtlers und Friedensnobelpreisträgers.

Direkt zu Beginn des Stücks geschieht der Mord: Martin Luther King stirbt auf dem Balkon des Lorraine Hotels in Memphis. Die Menschen aus seinem Umfeld fragen sich, wie es weitergehen soll, und sie lassen sein Leben Revue passieren. Die Zuschauer erleben seine Hochzeit mit Coretta Scott King, den Busboykott von Montgomery oder die Verleihung des Friedensnobelpreises. Im Fokus steht dabei immer ein 1.200-köpfiger Projektchor, der so eindrucksvoll ist, dass er von den Schwächen des Buchs von Andreas Malessa ablenkt.

Wenn durch die Gospel-Darbietungen des Chors – souverän geleitet von Miriam Schäfer, Stefan Glaser und Christoph Spengler – gerade wieder eine tolle Energie aufgebaut wurde, wird diese durch darauffolgende Spielszenen sogleich wieder zunichtegemacht. Die Inszenierung von Andreas Gergen punktet zwar mit tollen Regieeinfällen und sehr guter Personenführung, aber sie schafft es aufgrund des Buchaufbaus nicht, einen fließenden Erzählfluss zu erzeugen. Auch die Charakterentwicklung bleibt buchbedingt leider etwas auf der Strecke, doch die durchweg starken Darsteller schaffen es trotzdem, ihren Rollen Profil zu verleihen.

„Martin Luther King“ (Foto: Dominik Lapp)Mit Gino Emnes, der zuletzt in „Kinky Boots“ gefeiert wurde, hat man einen geradezu perfekten Darsteller für die Titelrolle gefunden. Als Martin Luther King ist er genauso sympathisch wie mitreißend. Mit seiner enormen Bühnenpräsenz und der Strahlkraft seiner Stimme macht er sich jede seiner Szenen zu eigen. Gesanglich begeistert er vor allem mit seiner gefühlvollen Interpretation des Songs „Ich hab den Traum“, mit dem das Publikum in die Pause geschickt wird.

Als starker Gegenspieler erweist sich Andreas Wolfram in der Rolle des Malcolm. Auch er beweist eine unglaublich starke Bühnenpräsenz, singt mit starker Stimme und kann zudem tänzerisch glänzen. Bonita Niessen gibt als Rosa Parks eine durchsetzungsfähige Bürgerrechtlerin und lässt weder schauspielerisch noch gesanglich zu wünschen übrig. Ebenso kann Peti van der Velde als Kings Ehefrau Coretta viel mehr zeigen, als nur die Frau an der Seite des berühmten Mannes zu sein. So macht sie darstellerisch eine gute Figur und singt mit souligem Schmelz in der Stimme.

Als äußerst wandlungsfähig erweisen sich Benjamin Eberling und Stefan Stara, die im grandiosen Zusammenspiel sowohl als Polizisten als auch als sächselnde Grenzpolizisten in Ost-Berlin das Publikum für sich gewinnen können. Rollendeckend agieren außerdem Kathleen Bauer als Lehrerin und die herrlich singende Karolin Konert als Heilige Geistin.

„Martin Luther King“ (Foto: Dominik Lapp)

Szenisch dargestellt wird die Lebensgeschichte Kings nur mit wenigen Requisiten, als Bühnenbild dienen lediglich einige Würfel, die verschieden positioniert werden können und entweder eine Weltkugel, die amerikanische Flagge, eine Backsteinwand oder das Konterfei Kings zeigen. Sehr gut ergänzt wird das durch die zeitgemäßen Kostüme von Sylvia Mansel und das stimmige Lichtdesign von Michael Grundner.

Ohnehin sind es die Bilder, die bei dem Chormusical am stärksten sind – insbesondere die Bilder des Chors, den Regisseur Andreas Gergen hervorragend in die Inszenierung integriert hat, zum Beispiel, wenn dieser eine riesige Welle formt. Und selbst das Publikum ist Bestandteil der Inszenierung – so wird in der Szene der Nobelpreisverleihung eine aufblasbare Weltkugel ins Publikum geworfen, die über die Köpfe der Zuschauer hinweg weitergeschubst und so einmal durch die ganze Halle gereicht wird.

Die Musik von Hanjo Gäbler und Christoph Terbuyken ist durch ihre verschiedenen Stile sehr abwechslungsreich, wäre aber sicher stärker, wenn man sich auf einen Stil – zum Beispiel Gospel – verständigt hätte. Das 15-köpfige Orchester unter der Leitung Terbuykens weiß die Partitur aber immerhin mit dem nötigen Drive umzusetzen. Insgesamt verspricht das Chormusical „Martin Luther King“ so einen durchaus kurzweiligen Abend mit eingängiger Musik, starken Solisten, einem wunderbaren Chor und tollen Bildern.

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp ist der Gründer von kulturfeder. Als Kultur- und Lokaljournalist schreibt er außerdem unter anderem für die Neue Osnabrücker Zeitung und das Meller Kreisblatt. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Der Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort".

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