„Himmlisch gerockt!“ (Foto: Andreas Weber, www.stars-fuer-eine-nacht.de)
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Irrwitzige Rock-Komödie: „Himmlisch gerockt!“ in Kassel

Drei Männer, alle tot, treffen sich im Himmel. Was zunächst klingt wie der Beginn eines Witzes, ist tatsächlich der Beginn einer herrlichen Komödie mit dem Titel „Himmlisch gerockt!“ im Theater im Centrum (tic) in Kassel. In den Hauptrollen: die Musiker der Kasseler Rockband Mates in Rock, die ihr Publikum zwei Stunden lang mit feinster Rockmusik durch eine irrwitzige Story begleiten. Am Ende: Stehende Ovationen in einem Saal, der mal so richtig zum Kochen gebracht wurde.

Das Buch, das Harald Tauber (hier zum Interview) für „Himmlisch gerockt!“ geschrieben hat, orientiert sich ganz vage an Jean-Paul Sartres Theaterstück „Geschlossene Gesellschaft“ in Verbindung mit der Gralssuche aus der Artussage. Wo sich bei Sartre drei Männer in der Hölle treffen, ist es bei Tauber der Himmel, wo die Ritter der Tafelrunde in der weltbekannten Sage den Heiligen Gral suchen, sind die Männer bei Tauber auf der Suche nach dem ultimativen Rocksong für Gott. Klingt ziemlich irre – ist es auch.

Im ersten Akt lernen sich die Männer kennen. Während Claudius (Claudius Freyer) und Harry (Roman Paltinat) schon länger im Himmel sind, kommt Harald (Harald Tauber) neu dazu, nachdem er besoffen mit einem 40-Tonner kollidierte. Claudius hingegen ist beim Putzen aus dem Fenster gefallen. Warum Harry gestorben ist, weiß keiner so genau – er spricht nämlich nur Englisch und hat auf alles lediglich eine Antwort: „Whatever.“

Auf sehr witzige Art sind das Buch und einige der bekanntesten Songs der Rockgeschichte miteinander verwoben. Mit Harald, der in Songs wie „Tears in Heaven“ von Eric Clapton aufhorchen lässt, stößt endlich ein Leadsänger zu der himmlischen Rock-Wohngemeinschaft. Im Verlauf der Handlung erfährt das Publikum mehr über das Trio, Songs wie „I want it all“ von Queen, „Satisfaction“ von den Rolling Stones oder „Smoke on the Water“ von Deep Purple kommen zu Gehör und die Zuschauer rocken mit den Mates of Rock den kleinen Theatersaal im tic.

Wie sich die Gitarrenklänge von Roman Paltinat, die wummernden Basslines von Claudius Freyer und der Gesang von Harald Tauber (der nebenbei auch noch ein Cajón, eine Kistentrommel spielt) miteinander verbinden, klingt in jedem Song genial. Aus dem Off erklingt außerdem noch die Gitarre von Roger Herwig, der im ersten Akt nur zu hören, aber nicht zu sehen ist und sich dann schließlich im zweiten Akt als Gott zeigt. Zur großen Belustigung des Publikums spricht Gott aber nicht, sondern kommuniziert ausschließlich über die Sprachausgabe seines iPads. Herrlich!

Wie sich die vier Musiker in der wunderbar getimten Inszenierung von Michael Fajgel gegenseitig die Bälle zuspielen, ein witziger Dialog auf den nächsten folgt, ein Song nach dem anderen erklingt, ist großartig. Dadurch bekommt die, wenn auch etwas dürftige, Handlung ein gutes Tempo und es kommt niemals Langeweile auf. Im zweiten Akt werden mit „God left the Building“, „Step by Step“ und „Last Visit Home“ auch noch drei Originalsongs der Mates in Rock gespielt, die ganz hervorragend in die Setlist passen und den großen Rockklassikern in nichts nachstehen.

Neben den vier Herren darf Anabelle Mierzwa als Engel nicht unerwähnt bleiben. Sie hat eine stumme Rolle und führt als eine Art himmlische Stewardess nur mit ihrer Mimik und Gestik hervorragend durch das Stück. Am Ende aber darf sie – sehr zur Überraschung des Publikums – dann sogar aus der Stille ausbrechen und mit ihrer starken Rockröhre in den letzten Song mit einstimmen. Unter großem Jubel der Zuschauer und erst nach einer Zugabe dürfen sich die Künstler letztendlich verabschieden. Sie haben wirklich himmlisch gerockt!

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp arbeitet als Journalist, Produzent und Regisseur. Er hat für bekannte Musicalmagazine geschrieben und stand viele Jahre als Chefredakteur an der Spitze eines Onlinemagazins. Als Regisseur verantwortete er die Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie eine Workshop-Produktion des Musicals "Der Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort".

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