„Don Camillo & Peppone“ (Foto: Dominik Lapp)
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Amüsant: „Don Camillo & Peppone“ in Tecklenburg

Die Freilichtspiele Tecklenburg sind immer für eine Überraschung gut. Nachdem sie im vorletzten Jahr die gefeierte Open-Air-Premiere des Musicals „Rebecca“ präsentierten, durften sie im letzten Jahr als einzige deutsche Bühne den Musical-Hit „Les Misérables“ aufführen. In diesem Jahr zeigen sie mit dem Musical „Don Camillo & Peppone“ nun ein Stück, das noch nie zuvor unter freiem Himmel und noch nie in Deutschland aufgeführt wurde – eine zweifache Premiere also für das Werk aus der Feder von Dario Farina (Musik) und Michael Kunze (Buch und Songtexte).

Im Zentrum von „Don Camillo & Peppone“ steht der tägliche Kleinkrieg zwischen dem katholischen Priester Don Camillo und dem kommunistischen Bürgermeister Peppone in dem italienischen Dorf Boscaccio. Dabei orientiert sich das Musical an den Verfilmungen aus den 1950er Jahren. Wer also ein großes Drama wie bei „Rebecca“ und „Les Misérables“ erwartet, muss leider enttäuscht und mit „Doktor Schiwago“ auf die zweite diesjährige Abendproduktion verwiesen werden.

Die Handlung wird erzählt von der alten Gina, die auf ihr Leben zurückblickt. Barbara Tartaglia gibt diese Rolle großartig als eine vom Leben gezeichnete Greisin und ist sowohl in ihrem Schauspiel als auch in ihren Gesangsnummern sehr berührend. Den listigen Dorfpriester Don Camillo singt Thomas Borchert mit angenehm volltönender Stimme und spielt ihn auf eine sehr charmante Art und Weise mit herrlicher Mimik und Gestik, wobei gerade seine Zwiegespräche mit Jesus amüsieren. Letzterer, wunderbar gespielt von Floran Albers, kommt ganz lässig mit schwarzem Hoodie daher und ist nicht nur Gesprächspartner des Priesters, sondern auch ein rührender Begleiter für die alte Gina, der die Dame in einem italienischen Kleinwagen – ein Autobianchi, für den es Szenenapplaus gibt – ins Dorf fährt.

Als zweiter Titelheld ist Patrick Stanke in der Rolle des Bürgermeisters Peppone zu sehen und gibt ihn als gewitzten Haudegen, der es sehr gut versteht, seine Unterlegenheit gegenüber Don Camillo zu überspielen. Vor allem aber das Zusammenspiel zwischen Patrick Stanke und Thomas Borchert erweist sich als ein Höhepunkt der Produktion. Mit dem perfekten Timing sorgen sie für zahlreiche Lacher und machen deutlich, dass sowohl der Priester als auch der Bürgermeister nur das Beste für das kleine Dorf will.

„Don Camillo & Peppone“ (Foto: Dominik Lapp)

Ein wenig an Romeo und Julia erinnern die junge Gina und ihr Geliebter Mariolono: Milica Jovanovic und Dominik Hees spielen nicht nur ein sehr sympathisches Liebespaar, sondern dürfen mit dem Duett „Du und ich auf einer Insel“ auch eine der eingängigsten Nummern des Abends singen. Ihre verfeindeten Väter, der Kapitalist Filotti und der Kommunist Brusco, werden dargestellt von Kevin Tarte und Jörg Neubauer, die trotz der dünnen Buchvorlage ihre Charaktere sehr schön profilieren, mit ihren Streitereien gut unterhalten und auch gesanglich überzeugen.

Wesentlich dankbarer sind dagegen jedoch die Rollen von Ginas Großvater Nonno und der Lehrerin Laura Castelli, dargestellt von Sebastian Brandmeir und Femke Soetenga. Wie die reizvolle Lehrerin dem alten Greis das Leben versüßt, entlockt dem Publikum etliche Lacher – genauso wie der Umstand, dass Nonno vom Dorfarzt (herrlich: Jan Altenbockum) gleich zweimal fälschlicherweise für tot erklärt wird. In seiner Darstellung des alten Greises erinnert Brandmeir unweigerlich an seine frühere Rolle des Professors Abronsius in „Tanz der Vampire“, doch als Nonno ist er nicht weniger genial denn als Vampirforscher. Femke Soetenga hingegen ist einfach hinreißend, wenn auch unterfordert, als Lehrerin.

Nachdem die Bühnenbilder in Tecklenburg in den letzten Jahren immer von Susanna Buller entworfen wurden, haben die Freilichtspiele Tecklenburg in diesem Jahr mit Jens Janke zum ersten Mal seit sehr langer Zeit einen neuen Bühnenbildner verpflichtet. Janke, den man sonst als Musicaldarsteller kennt, hat sich dieses Jahr erstmals als Bühnenbildner betätigt und sogleich eine Glanzleistung vollbracht.

Zwar fußt auch sein Bühnenbild auf den örtlichen Begebenheiten der Burgruine und der großen Altane in der Bühnenmitte, so dass die Bühnenaufbauten schon sehr ähnlich anmuten wie bei vergangenen Produktionen. Aber er hat ein hochwertiges und detailliertes Set entwickelt, das sehr gut das Flair des kleinen italienischen Dorfes transportiert.

Geradezu großartig ist es zudem, dass der in den letzten Jahren leider immer vollständig überbaute historische Brunnen von Janke freigelegt und in die Dorfszenerie sehr passend integriert wurde. Auch wenn es nur ein kleines Detail ist, so ist der Brunnen einfach zu schön, um nicht gezeigt zu werden. Ebenso schön anzusehen sind die zeitgemäßen und zu den Charakteren passenden Kostüme von Karin Alberti.

„Don Camillo & Peppone“ (Foto: Dominik Lapp)

Regisseur Andreas Gergen, der die Tecklenburger Bühne seit Jahren gut kennt, liefert mit „Don Camillo & Peppone“ wie gewohnt eine handwerklich einwandfreie Inszenierung, deren Handlung er in der Zeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg belassen hat und mit einem guten Tempo vorantreibt. Die aus den Filmen der 1950er Jahre aufgegriffenen Handlungsstränge wirken heutzutage zwar recht seicht und bieder, aber Gergen ist es dennoch gelungen, ein visuelles Plädoyer für ein friedliches Miteinander auf die Bühne zu zaubern. Dabei unterstützt wurde er von Till Nau, der eine gefällige und zu den Songs passende Choreografie erdacht hat.

Musikalisch bietet „Don Camillo & Peppone“ einen ziemlich großen Stilmix. Komponist Dario Farina, der für zahlreiche Italo-Hits – zum Beispiel für Albano und Romina Power – verantwortlich zeichnet, hat hier eine Mischung aus Balladen, Italo-Schlager, leichten Rocknummern und marschähnlichen Klängen geschaffen, so dass nahezu jeder Charakter mit einem eigenen musikalischen Thema bedacht wurde. Unter der vortrefflichen Leitung von Giorgio Radoja spielt das 13-köpfige Orchester mit Verve, doch von den Melodien bleibt leider nicht allzu viel hängen – mit Ausnahme von einzelnen Nummern wie dem Titellied, dem bereits genannten Duett von Gina und Mariolono oder den wunderbaren Songs des Priesters.

So mag „Don Camillo & Peppone“ aufgrund der manchmal nur vor sich hin plätschernden Musik und des recht dürftigen Buches sicher nicht das stärkste Musical sein. So wie es in Tecklenburg aber auf die Bühne gebracht wurde, verspricht es einen durchaus amüsanten Abend, der ganz besonders von der starken Gesamtleistung der Darsteller lebt. Ein schönes Stück für laue Sommerabende!

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp ist der Gründer von kulturfeder. Als Kultur- und Lokaljournalist schreibt er außerdem unter anderem für die Neue Osnabrücker Zeitung und das Meller Kreisblatt. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Der Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort".

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