Symphonieorchester (Foto: Marek Kruszewski)
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Barocke Klangpracht: 1. Sinfoniekonzert in Osnabrück

Eine aufregende Jubiläumsspielzeit liegt vor den Musikern des Osnabrücker Symphonieorchesters, das in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag feiert. Zu Beginn der neuen Konzertsaison widmete sich das Symphonieorchester im 1. Sinfoniekonzert der Alten Musik. Mit dem Countertenor Andreas Scholl konnte dafür einer der berühmtesten Sänger seines Fachs als Solist gewonnen werden. Die Musikalische Leitung in der gut gefüllten Osnabrückhalle lag in den bewährten Händen von Leila Schayegh, die als Spezialistin für Alte Musik gilt und von der Violine aus das Konzert leitete.

Wenn es in einem Konzert um Barockmusik geht, muss ein Werk des Komponisten Georg Friedrich Händel logischerweise dabei sein. Und so begann der Konzertabend mit der Ouvertüre aus dessen Oper „Rinaldo“, die der Beginn seiner 30-jährigen Laufbahn als Opernkomponist in London war. Das Osnabrücker Symphonieorchester ließ Händel wunderbar feinfühlig und klangschön erklingen, bevor Andreas Scholl die Arie „Cara sposa“ aus „Rinaldo“ sowie die beiden Arien „Aure, deh, per pietà“ und „Se in fiorito“ aus „Giulio Cesare in Egitto“ mit seiner einprägsamen Stimme engelsgleich intonierte, wofür ihn das Publikum völlig zu Recht feierte.

Die anspruchsvollen Klippen in der Suite aus der Ballettoper „Les Indes Galantes“ von Jean-Philippe Rameau meisterte das Orchester mit Bravour und spielte angriffslustig mit sinfonischem Vollklang. Nach der Pause eröffneten die Musiker mit Andreas Scholl den zweiten Teil des Sinfoniekonzerts mit Antonio Vivaldis Solokantate „Cessate, omai Cessate“. In der Abfolge Rezitativ-Arie-Rezitativ-Arie gelang es Scholl, die traurige Klage eines Schäfers um die Geliebte sehr nuanciert mit großer Kraft in den tiefen Registern und klaren Koloraturen sowie mit einem unglaublich emotionalen Ausdruck vorzubringen.

Mit Johann Sebastian Bachs Orchestersuite Nr. 3 D-Dur (BWV 1068) kam letztlich ein Werk zu Gehör, das beim Osnabrücker Symphonieorchester seit 1954 nicht mehr auf dem Programm stand. Beginnend mit der Ouvertüre, die sich an französischen Barock-Ouvertüren orientiert, folgte das Air mit seiner geradezu schwebenden Melodie, bevor mit der Gavotte und Bourrée zwei Tanzsätze zu hören waren und mit einer schnellen Gigue das Konzert zu Ende ging. Dabei erwies sich das Osnabrücker Symphonieorchester einmal mehr – obwohl nicht auf historischen Instrumenten gespielt wurde – als ein wunderbarer, der Barockmusik vollends gewachsener Klangkörper. Ein starker Start in die neue Konzertsaison!

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp ist der Gründer von kulturfeder. Als Kultur- und Lokaljournalist schreibt er außerdem unter anderem für die Neue Osnabrücker Zeitung und das Meller Kreisblatt. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Der Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort".

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