Sarah Kornfeld (Foto: Dominik Lapp)
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Interview mit Sarah Kornfeld: „Raven habe ich zu meiner Rolle gemacht“

Sarah Kornfeld ist eine junge Musicaldarstellerin aus Österreich, die zurzeit im Musical „Bat out of Hell“ in Oberhausen als Raven auf der Bühne steht und dort allabendlich das Haus rockt. Zuvor war sie in Musicals wie „Hair“, „West Side Story“, „Cats“ oder „Hairspray“ zu sehen und sammelte bereits vor ihrer Musicalausbildung Erfahrung in einer Rock-Coverband. Im Interview spricht Sarah Kornfeld über „Bat out of Hell“ und ihre Rolle, aber auch über Toleranz und die Übersetzung englischer Rocksongs.

Sarah Kornfeld, die Rolle der Raven im Musical „Bat out of Hell“ zu übernehmen, war sicher eine große Herausforderung, oder?
Ja, ich war sehr nervös. Einerseits habe ich mich natürlich sehr gefreut, andererseits war es eine komplett neue Situation für mich. Ich hatte vorher noch nie in einer Long-Run-Produktion mit acht Shows pro Woche gespielt. Das war dann schon eine richtige Herausforderung, so eine große Partie so oft pro Woche und am Wochenende doppelt zu spielen. Das ist nicht nur eine körperliche Belastung, sondern war zu Beginn auch eine Kopfsache, da ich lernen musste, damit umzugehen, dass ich die Erstbesetzung bin. Aber es ist gut ausgegangen. (lacht)

Sollte das Musicalpublikum generell toleranter sein, was Besetzungen, Stücke und Übersetzungen angeht? Bekommt man das als Künstler – zum Beispiel über die sozialen Medien – mit, was da so geschrieben wird?
Um ehrlich zu sein, versuche ich, mich so gut wie möglich davon fernzuhalten und nicht zu viel davon zu lesen. Ich bin jemand, der sich negative Stimmen leider sehr zu Herzen nimmt. Das ist nicht gut, das sollte man nicht tun. Es trifft einen aber dann doch, und gerade am Anfang habe ich mich viel zu viel damit auseinandergesetzt. Mittlerweile gelingt es mir aber immer besser, damit umzugehen, wobei es viel einfacher wäre, wenn wir offener und toleranter miteinander umgehen würden.

Sie haben schon einige Rollen gespielt. Stehen Sie rückblickend betrachtet denn jetzt da, wo Sie immer sein wollten, oder sind bereits die nächsten Sprossen auf der Karriereleiter sichtbar, die Sie erklimmen wollen?
Klar hat man noch seine Traumrollen, die man unbedingt mal spielen möchte. Von daher ist das Ende der Karriereleiter sicher noch lange nicht erreicht. Ich sage aber immer, solange mich mein Beruf glücklich macht und ich davon leben kann, bin ich glücklich und dankbar für alles.

In „Bat out of Hell“ spielen Sie die Rolle der Raven. Wer ist Raven?
Raven ist ein sehr starker Charakter. Sie ist ein pubertierendes Mädchen, das im Verlauf der Handlung 18 Jahre alt wird. Sie ist ein klassischer Teenager, möchte frei sein und ihre Grenzen austesten. Sie wird erwachsen, lernt einen Jungen kennen und fängt ihre erste Beziehung an. Sie ist unschuldig, aber dann auch wieder kompliziert und sogar etwas mystisch, was die Rolle für mich unheimlich interessant macht. Es war eine große Herausforderung, diese Rolle für mich zu interpretieren. Aber ich habe mich doch immer wieder selbst in ihr gefunden.

Sarah Kornfeld (Foto: Dominik Lapp)

Inwiefern haben Sie sich in ihr wiedergefunden? Klar, Sie leihen der Rolle Ihren Körper und Ihre Stimme. Aber gibt es tatsächlich Parallelen zwischen Raven und Sarah Kornfeld? Waren Sie auch so ein Trotzkopf?
Ja, schon irgendwie. Das tut mir für meine Eltern auch unglaublich leid. (lacht) Die haben echt viel mit mir mitgemacht. Wobei die schwierige Phase bei mir mit 18 schon vorbei war. Ich war eher so zwischen 14 und 17 kompliziert. Ich war sehr stur. Aber ich versuche jetzt immer wieder, mich dafür zu entschuldigen. (lacht) Ich glaube allerdings, dass das Endergebnis ganz gut geworden ist, und danke meinen Eltern für die Geduld, die sie mit mir hatten. (lacht)

Was war denn letztendlich Ihre größte Herausforderung an Raven?
Das war definitiv, die Rolle zu meiner zu machen. Klar, es gab die Produktion auch schon in London. Aber ich wollte die dortige Interpretation nicht einfach nur kopieren. Ich hatte das riesige Glück, dass mir unser Regisseur die Freiheit gelassen hat, Raven zu meiner Rolle zu machen.

So dass Sie der Rolle Ihren Stempel aufdrücken konnten?
Ja, genau.

Mit einer Musicalausbildung wird man ja gern mal in eine Schublade gesteckt. Wie schwer ist es eigentlich für jemanden mit klassischer Musicalausbildung, brettharte Rocksongs von Jim Steinman zu singen?
Für mich war das gar nicht so schwer, weil ich eigentlich aus der Rockmusik komme. Natürlich habe ich eine Musicalausbildung absolviert, aber ich habe früher schon in einer Rock-Coverband gesungen. Deswegen war es für mich auch anfangs schwieriger, im Musical Fuß zu fassen. Als dann die Auditions für „Bat out of Hell“ ausgeschrieben wurden, dachte ich: Jetzt oder nie. Mit dem Stück und der Musik konnte ich mich sofort identifizieren und hatte so keine Probleme mit den Songs.

Sarah Kornfeld (Foto: Dominik Lapp)

Warum wird so eine Show wie „Bat out of Hell“ nicht langweilig, auch wenn man sie mehrmals pro Woche spielt?
In unserem Fall wird es nicht langweilig, weil wir von unserem Künstlerischen Leiter einige Freiheiten bekommen. Viele Fans, die regelmäßig in die Show gehen, können das sicher bestätigen. Bei uns ist keine Show wie die andere. Das Stück bietet so viel Fläche für spontane Interaktionen mit den Kollegen auf der Bühne, so dass die Show dadurch einfach immer frisch bleibt.

Nun spielt „Bat out of Hell“ ja in einer Postapokalypse. Wie real ist dieses Szenario aus Ihrer Sicht in Bezug auf das aktuelle Weltgeschehen?
Das ist eine schwierige Frage. Real ist es nicht. Hoffen wir, dass es nie so weit kommen wird.

Gerade bei „Bat out of Hell“ wird ja nach wie vor viel darüber diskutiert, ob man weltbekannte Rocksongs übersetzen sollte. Wie sehen Sie das?
Deutschland ist deutschsprachig. Also finde ich es legitim, dass ein Stück und die Songs übersetzt werden. Wir sind auch in der Show gute Kompromisse eingegangen, und die Übersetzungen machen Sinn. Es ist ja nicht komplett auf Deutsch, sondern es gibt immer wieder englische Einschübe, wo es passt beziehungsweise notwendig ist.

Lernen Sie englische Songtexte genauso schnell wie deutsche?
Das macht für mich keinen Unterschied beim Lernen. Man muss sich bei englischen Songs natürlich bewusst machen, was man da eigentlich singt. Dann funktioniert beides gut.

Interview: Dominik Lapp

Dominik Lapp ist der Gründer von kulturfeder. Als Kultur- und Lokaljournalist schreibt er außerdem unter anderem für die Neue Osnabrücker Zeitung und das Meller Kreisblatt. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Der Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort".

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