Ethan Freeman (Foto: Dominik Lapp)
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Interview mit Ethan Freeman: „Sherlocks intellektuelle Stärke fasziniert mich“

Ethan Freeman zählt zu den profiliertesten Musicaldarstellern im deutschsprachigen Raum. Er stand in unzähligen Musicalproduktionen auf der Bühne und spielte zahlreiche Charakterrollen. Bei der Uraufführung des Musicals „Sherlock Holmes – Next Generation“ wird er als Meisterdetektiv Sherlock Holmes zu sehen sein. Im Interview spricht er über seine Verbindung zu der Figur, die Faszination für Sherlock Holmes und die Rollenentwicklung.

Im Musical „Sherlock Holmes – Next Generation“ spielen Sie den Meisterdetektiv. Welche Verbindung haben Sie zur Figur des Sherlock Holmes?
Durch den Einfluss meines Vaters, der beinahe jede Geschichte auswendig kannte und großes Expertenwissen hatte, war ich bereits als Jugendlicher ein leidenschaftlicher Leser der Sherlock-Holmes-Geschichten.

Was fasziniert Sie an der Figur?
Mich haben schon immer Figuren fasziniert, die so eine intellektuelle Stärke wie Sherlock Holmes aufweisen, weil ich mich selber nie so empfunden habe. (lacht) Das heißt, dass seine Art, strukturiert zu denken, sehr konträr zu meinem eigenen Denken ist. Und von daher rührt die Faszination für Sherlock Holmes. Außerdem haben mich immer schon Geschichten interessiert, die im viktorianischen London spielen. Ich weiß gar nicht genau, warum. Aber da ich einige Jahre in London gelebt habe, entdeckte ich, dass meine Liebe zu dieser Stadt tief verwurzelt ist. Was Sherlock Holmes betrifft, fand ich die Fälle, das Milieu und die Charaktere immer schon faszinierend. Deshalb bin ich auch sehr froh, endlich die Gelegenheit zu haben, mich an diese Figur heranzutasten. Es ist immer eine große Herausforderung, jemanden zu spielen, der weit intelligenter ist als man selbst. Da muss man sich selber herausfordern.

Sherlock Holmes ist eine weltbekannte Figur. Wie erarbeitet man so eine Figur, von der wahrscheinlich jeder Mensch eine genaue Vorstellung hat?
So kann man eigentlich nicht arbeiten. Ich habe natürlich ein paar optische und klangliche Vorbilder, die es zu vermeiden gilt, damit ich als Schauspieler nicht auf einen falschen Weg gelange. Außerdem möchte ich niemanden kopieren. Ich muss meinen Sherlock Holmes in den Proben selbst finden und ihn zusammen mit Rudi Reschke als Regisseur, Jo Quirin als Autor und Christian Heckelsmüller als Komponist erarbeiten. Das muss ich mit jeder Rolle machen.

Ethan Freeman und Marta di Giulio (Foto: Dominik Lapp)

Das klingt nach einer großen, aber auch spannenden Herausforderung.
Ja. Gerade bei einer Rolle, die so weltbekannt ist, ist es eine besonders große Herausforderung. Allerdings bin ich der Auffassung, dass ich für Sherlock etwas mitbringe, das einfach passt. Aber ich habe mir nie den Druck gemacht, dass mein Sherlock ein Sherlock sein wird, wie man ihn sich vorstellt. Ich habe viel gearbeitet an der Darstellung, den Ansichten und dem Inneren der Figur, sowohl in der strukturierten als auch der detaillierten Probenphase. Auch in den Endproben arbeite ich immer weiter an so einer Rolle, um neue Facetten zu finden und an körperlichen und stimmlichen Details zu feilen.

Welche Freiheiten haben Sie bei der Rollenentwicklung?
Die Rollenerarbeitung ist Teamwork zwischen unserem Regisseur Rudi Reschke und mir. Wir finden sehr viel zusammen, aber Rudi gestattet mir auch, Vorschläge zu machen und mich darüber zu äußern, wie ich die Figur sehe. Er ist kein diktatorischer Regisseur, sondern wir begegnen uns auf einer Augenhöhe. Hilfreich dabei ist natürlich auch, dass wir uns schon lange kennen und gemeinsam auf der Bühne gestanden haben. Dieser gemeinschaftliche kreative Prozess ist auch ein Grund dafür, warum ich mich für die Produktion entschieden habe. Es ist ein Prozess von Vertrauen und nicht nur ein Prozess aus der Routine heraus. So entsteht am Ende eine Figur, mit der sowohl der Regisseur als auch der Darsteller zufrieden ist. Dabei stellen wir uns die Frage, was mit der Figur passiert und was seine Beweggründe, Ziele und Bedürfnisse sind.

Nun stellt man Ihnen als Sherlock Holmes einen wesentlich jüngeren Partner an die Seite. Haben Sie als etablierter Darsteller nicht die Befürchtung, dass der jüngere Kollege Ihnen die Show stehlen könnte? Oder zehren Sie von dieser Zusammenarbeit?
Das ist eine sehr interessante und gute Frage. Ich finde es faszinierend, mit jüngeren Kollegen zu arbeiten – sowohl privat als auch als der probende Schauspieler. Ich bin mit den jüngeren Kollegen besonders auch pädagogisch aktiv, weil ich mit 30 Jahren Bühnenerfahrung einfach etwas zu bieten habe. Gerade wenn ich mit einem jüngeren Darsteller spiele, der meinen Nachwuchs darstellt, finde ich die Zusammenarbeit sehr schön und kann davon zehren. Ich bewundere die Kraft der jungen Kollegen und mache ihnen das Angebot, von meiner langjährigen Erfahrung zu lernen. Die Verteilung von den Songs in „Sherlock Holmes“, die echte Juwelen sind, ist sehr gut. Deshalb glaube ich nicht, dass jemand das Gefühl bekommen könnte, zu kurz zu kommen. Dadurch gehen alle mit großer Zufriedenheit an die Sache heran, und die Interaktion zwischen den Generationen ist sehr fruchtbar.

Interview: Dominik Lapp

Dominik Lapp ist der Gründer von kulturfeder. Als Kultur- und Lokaljournalist schreibt er außerdem unter anderem für die Neue Osnabrücker Zeitung und das Meller Kreisblatt. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Der Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort".

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