Alex Melcher (Foto: Dominik Lapp)
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Interview mit Alex Melcher: „Ich bin mit Rockmusik aufgewachsen“

Er gilt als Rocker unter den Musicaldarstellern: Alex Melcher spielte in Musicals wie „Elisabeth“, „Jesus Christ Superstar“, „Tabaluga & Lilli“ oder „We Will Rock You“, sieht sich selbst als Kind des Rocks und bedient die Schublade der Rockmusicals seit vielen Jahren mit Bravour. Bei der deutschsprachigen Erstaufführung von „Bat out of Hell“ in Oberhausen spielt er Falco. Im Interview spricht Alex Melcher darüber, was Rockmusik für ihn bedeutet, wie er zu Rockmusicals gekommen ist und warum man ein Musical wie „Bat out of Hell“ mit deutschen Songtexten neu entdecken muss. Mehr über „Bat out of Hell“ gibt’s auch in unserem ausführlichen Probenreport.

Sie kennen das Metronom Theater in Oberhausen schon sehr lange. Früher hieß das Haus noch Theatro Centro und Sie spielten im Musical „Tabaluga & Lilli“. Jetzt kehren Sie für „Bat out of Hell“ an Ihre alte Wirkungsstätte zurück. An welche Höhepunkte aus den vergangenen Jahren erinnern Sie sich gern?
Das ist schwer. Wenn ich so zurückdenke, waren das alles Highlights. Jede neue Show und jeder neue Job, mit dem ich wachsen konnte, war ein Highlight. Ich hatte dabei wirklich den Luxus, das zu machen, was ich auch machen wollte.

Bei einem Blick in Ihre Vita fällt auf, dass Sie in etlichen Rockmusicals mitgespielt haben. Hat sich das zufällig ergeben oder haben Sie darauf hingearbeitet?
Ich bin mit Rockmusik und den großen Klassikern des Rocks aufgewachsen. Das war meine Leidenschaft, das war meine Musik. Diese Musik hat mich dazu gebracht, auch selber Musik zu schreiben. Meine Welt war immer die Rockmusik. Allerdings hatte ich auch eine Leidenschaft fürs Theater. Als ich dann irgendwann auf Schallplatten von „Tommy“ und „Jesus Christ Superstar“ gestoßen bin, habe ich erkannt, dass es durchaus eine Symbiose von Rockmusik und Theater gibt, die mir extrem gut gefallen hat. Das hat mich letztendlich auch zum Musical gebracht. Ich hatte Erfolge im Musical und konnte damit meine Miete bezahlen – mit meiner eigenen Musik nicht unbedingt. (schmunzelt) Mein großes Glück war, dass immer mehr Rockmusik in die Musicals kam und in diesem Genre populär wurde. Doch damals gab es nicht so viele Darsteller, die das abdecken konnten. Ich glaube, das war mein Glück und eine logische Schlussfolgerung, dass für mich eine Rockshow nach der anderen kam.

Stecken Sie jetzt in einer Schublade fest und werden auf ein Rollenschema reduziert?
Das ist eine interessante Frage. Ich dachte eigentlich, dass mir das nicht passieren würde, weil ich früher eher bekannt dafür war, alles machen zu können. Ich habe zuerst ganz unterschiedliche Sachen gemacht, aber mit „We Will Rock You“ hat es angefangen, dass es immer mehr Rockmusicals geworden sind, in denen ich gespielt habe. Aber wie schon gesagt, habe ich immer das gemacht, was ich machen wollte. Ich frage mich natürlich schon, wie es wäre, mich jetzt noch einmal für ein Stück wie „Elisabeth“ zu bewerben. Ich weiß nicht, was dann passieren würde. Die Rolle des Lucheni in „Elisabeth“ war auch ein großes Highlight für mich, aber es war eben noch vor meiner Rockzeit. Jetzt habe ich natürlich schon das Gefühl, dass ich in der Schublade „Rock“ gelandet bin. Daran bin ich selbst schuld, aber es ist völlig okay. Diese Schublade hat mir schließlich ermöglicht, viele tolle Sachen zu machen.

Vor Jahren waren Sie noch der junge Revoluzzer Galileo in „We Will Rock You“, jetzt spielen Sie als Falco in „Bat out of Hell“ eine Vaterfigur. Wird es mit zunehmendem Alter schwieriger, Rollen zu bekommen?
Vor einem Jahr hätte ich zumindest nicht gedacht, dass ich noch mal so eine geile Rolle spielen würde. Natürlich habe ich festgestellt, dass für mich die Zeit des jungen Liebhabers vorbei ist. Auf der anderen Seite ist es wirklich toll, jemanden spielen zu können, der im selben Altersbereich ist. Die Erfahrung, die ich selber habe, kann ich ja entsprechend in meine Rolle einfließen lassen. Wenn man den 20-jährigen Rebellen spielt, kann man das nicht unbedingt. Das ist eine ganz andere Sache. Es ist super, wenn man im Musicalbereich Fuß fassen kann. Aber je älter man wird, desto mehr fragt man sich, wo es hingeht und was noch kommt. Gerade wenn man sich in dieser Zwischenphase befindet, wo man zu alt für den jungen Liebhaber und zu jung für die älteren Charakterrollen ist. Aber hey, das fließt alles in die typische Midlife-Crisis hinein, die man in dem Alter eben hat. (lacht)

Was ist Falco, den Sie in „Bat out of Hell“ spielen, für ein Typ?
Falco ist der Vater einer recht zerrütteten Familie. Seine Ehe funktioniert nicht mehr und seine Tochter möchte raus aus dem goldenen Käfig. Falco ist ein Herrscher, eine Art Tyrann, der sich ein Imperium aufgebaut hat. In dem postapokalyptischen Szenario, in dem „Bat out of Hell“ spielt, ist er ein Diktator, der über ein Stück Land herrscht, das vom Festland weggespült wurde und irgendwo auf dem Meer treibt, während der Rest der Welt verseucht ist. Da gibt es die Rebellen, die nicht altern können, zu denen sich seine Tochter hingezogen fühlt. Für Falco sind das aber Mutanten, die das Bild von seiner neuen Welt stören. Deshalb möchte er in jedem Fall verhindern, dass sich seine Tochter den Rebellen anschließt. Auf seine Art möchte er natürlich etwas Gutes, aber dadurch wird er im Prinzip zum Tyrannen.

Die Musik von „Bat out of Hell“ stammt von Jim Steinman und wurde durch Meat Loaf bekannt. Sie sagen selbst, dass Sie aus der Rockmusik kommen und kennen somit sicherlich die englischen Originalsongs. Das Musical wird in Oberhausen aber auf Deutsch aufgeführt. Mussten Sie sich dafür neu in die Musik hineinfinden?
Auf jeden Fall. Die Songs neu für sich entdecken – das ist genau das, was man machen muss. Ich habe mich erst sehr gegen die deutschen Songtexte gewehrt, was einfach daran liegt, dass ich mit der Musik aufgewachsen bin und die englischen Texte fest im Ohr waren. Für jemanden wie mich und die Generation, die mit der Musik aufgewachsen ist, sind die Songs im Original ein Heiligtum. Das kann man doch nicht einfach kaputtmachen, indem man deutsche Texte auf die Musik packt. Der Trick ist wirklich, dass man die Musik mit den deutschen Texten neu entdecken muss. Und unser Job als Darsteller ist es, dafür zu sorgen, dass es dieselbe Energie und denselben Spirit hat. Wir müssen dafür sorgen, dass es funktioniert. Und weil wir nicht auf einem Meat-Loaf-Konzert, sondern im Theater sind, gibt es einfach die Chance, die Musik neu zu entdecken. Man muss natürlich offen sein, um es neu zu entdecken. Aber dann wird man sicher überrascht sein, dass es auf Deutsch besser klingt als man erwartet hat.

Wie halten Sie sich fit, um acht Vorstellungen pro Woche zu überstehen?
Im Moment mache ich mir eher Sorgen, wie ich aussehe, wenn ich mit freiem Oberkörper in pinken Unterhosen über die Bühne laufen muss. (lacht) Deshalb bin ich fast täglich im Fitnessstudio, um mich da fit zu machen. Generell muss man sehr diszipliniert seine Ruhephasen einhalten. Musik von Jim Steinman ist wirklich anspruchsvoll und schwer zu singen. Aber ich vertraue auf meine Erfahrung. Durch die letzten Jahre ist meine Stimme ausreichend trainiert, zu so einer Musik zu singen. Die Ruhephasen sind dabei wichtig, um der Stimme wieder Kraft zu geben. Es würde mir nichts bringen, meine Stimme durch Warm-ups und Unterricht zu trainieren. Dadurch würde ich mich zusätzlich viel zu sehr belasten. Einfach mal die Klappe zu halten, ist ein gutes Training. (lacht)

Interview: Dominik Lapp

Dominik Lapp arbeitet als Journalist, Produzent und Regisseur. Er hat für bekannte Musicalmagazine geschrieben und stand viele Jahre als Chefredakteur an der Spitze eines Onlinemagazins. Als Regisseur verantwortete er die Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie eine Workshop-Produktion des Musicals "Der Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort".

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