Foto: Lukas Gerber
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Faszination Märchenkönig: Lukas Gerber und sein „Ludwig²“-Theater

Es gibt sicher etliche Musicalfans, die von sich behaupten können, dass Musicals ihr Leben sind. Dem 20-jährigen Lukas Gerber hat es ein Musical besonders angetan: „Ludwig²“ in Füssen hat er als Sechsjähriger kennen und lieben gelernt. Das Stück, die Darsteller und das Team begleiten ihn schon sein Leben lang. Sein erster Besuch des Musicals im Jahr 2005 war für ihn eine Art Initialzündung – denn er begann nicht nur, das Theater von „Ludwig²“ nachzubauen und die Szenen mit Figuren nachzuspielen, sondern steht mittlerweile auch selbst als Statist in seinem Lieblingsmusical auf der Bühne. Seit dem vergangenen Herbst studiert er außerdem Musiktheaterwissenschaft in Bayreuth.

„Schon nach meinem ersten Besuch des Musicals wollte ich die Szenen nachspielen“, erzählt Lukas Gerber. Ein eigenes Theater gab es damals allerdings noch nicht. Also wurden erst einmal Playmobil-Figuren aussortiert und passende Kulissen gesammelt. Die ersten Szenen spielte er in Playmobil-Spielorten nach, zum Beispiel in einer umgebauten Ritterburg. Bei Renovierungsarbeiten im Elternhaus kamen die Figuren jedoch in einen Karton, der auf dem Dachboden landete. „Die Idee geriet erst einmal in Vergessenheit.“

„Ludwig²“ ist sein Leben

Als die Neuinszenierung von „Ludwig²“ im Oktober 2010 für Kempten angekündigt wurde, kramte der Junge seinen Karton wieder heraus und begann, seine in frühen Kindertagen gefasste Idee weiterzuentwickeln. „Für die Kemptener Inszenierung gab es ein neues Textbuch und ich machte mir zur Aufgabe, die Füssener Originalinszenierung von 2005 originalgetreu nachzubauen und für die Nachwelt festzuhalten.“ Aus einem kleinen Karton mit 12 Figuren wuchs über die Jahre ein Theater mit mehr als 50 Figuren, und auch in Füssen kam das Musical wieder auf die Bühne des Festspielhauses.

Wenn man Lukas Gerber danach fragt, was ihm das Musical „Ludwig²“ bedeutet, sprudelt es wie ein Wasserfall aus ihm heraus: „Dieses Musical ist mein Leben. Ich bin mit dem Stück, dem Festspielhaus, den Darstellern und der Crew aufgewachsen.“ Von Anfang an hat er das Stück begleitet, viele Darsteller haben ihn groß werden sehen. Kein Wunder also, dass das Team des Musicals für ihn so etwas wie eine zweite Familie ist. „Weil ich seit 2017 selbst in dem Stück auf der Bühne stehen darf, hat sich jetzt ein wunderbarer Kreis geschlossen“, sagt er voller Stolz.

Foto: Lukas Gerber

Faszination für den bayerischen Märchenkönig

Aber nicht nur das Musical hat es ihm angetan. Auch der echte bayerische Märchenkönig interessiert ihn seit seiner Kindheit. „Seit 2004 habe ich mit meinen Eltern Urlaub in Füssen gemacht und mich für Ludwig II. begeistern können. Seine Schlösser, seine pazifistische Einstellung, seine Visionen in Bezug auf Technik und Architektur sowie seine Begeisterung für das Musiktheater und Richard Wagner faszinieren mich nach wie vor.“ Keine Frage, ein König, der sein Leben der Kunst und Kultur widmet, ist gewiss besonders. „Dazu kommen seine mysteriösen Todesumstände, die bis heute nicht offiziell aufgeklärt wurden – das hat mich alles genauso in den Bann gezogen wie mein erster Besuch des Musicals.“

Sein Theater hat Lukas Gerber immer wieder umgestaltet. „Das erste Theater von 2010 war nur ein Prototyp aus Karton, Papier und Pappe, das relativ schnell entstand, aber damals schon mit einem verschließbaren See mit echtem Wasser ausgestattet war.“ Weil die Materialien aber nicht auf Dauer geeignet waren, entschied sich der junge Hobby-Konstrukteur für einen Neubau aus Holz. Um sein Theater einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen, rief er im April 2011 eine Facebook-Seite dafür ins Leben. „Danach entstand die Idee, das Stück komplett nachzuspielen und zu verfilmen.“ Viele Pläne wurden gefasst und wieder verworfen, die Jahre vergingen und es wurde sich dem detailgetreuen Nachbau der Figuren und Kulissen gewidmet.

Modernste Technik im Modelltheater

Im Jahr 2015 wurde letztlich ein drittes Theater geplant, das auch bühnentechnisch dem Füssener Festspielhaus nachempfunden sein sollte. „Eine moderne LED-Lichttechnik, eine Drehbühne, ein Wasserbassin mit Fontäne und Wasserfall, ein Schnürboden und vieles mehr wurden von mir eingeplant“, erzählt der Student heute. Am 25. August 2015, dem 170. Geburtstag von Ludwig II., stellte er seinen finalen Theaterbau fertig. Es ist ausgestattet mit elf Scheinwerferspots, über 90 Stimmungslichtern, einer Rampenbeleuchtung und einer elektrischen Drehbühne mit verschließbarem Wasserbecken. Auch einen Beamer für Projektionen und eine Nebelmaschine gibt es natürlich. „Im Verlauf der folgenden zwei Jahre habe ich mein Theater außerdem um zwei beleuchtete Ludwig-Büsten erweitert.“ Eine Gassenbeleuchtung, ein aufwändiger Schnürboden mit Seilzügen und neue Vorhänge sind ebenso dazugekommen. Anfang 2017 waren Theater und Bühne letztendlich für eine detailgetreue Nachbildung von „Ludwig²“ fertiggestellt.

Foto: Lukas Gerber

Das Besondere: „Alles, was man in meinem Theater sieht, kann man so nicht kaufen“, sagt Lukas Gerber. „Jedes kleinste Detail wurde von mir persönlich umgestaltet.“ So sollte die Drehbühne ursprünglich von einem Elektromotor betrieben werden. „Letztendlich habe ich aber einen elektrischen Drehteller umfunktioniert.“ Das brachte aber auch Schwierigkeiten mit sich, denn ein kleinerer Funkenflug hatte im ganzen Haus die Sicherung rausgehauen. Am schwersten umzusetzen waren die Fontäne und der Wasserfall. „In dieser kleinen Dimension kann man Vergleichbares nirgendwo erhalten“, ist sich der „Ludwig²“-Liebhaber sicher.

Gründliche Vorbereitung mit Programmheften und Fotos

Warum er sich für Playmobil-Figuren entschieden hat und nicht für die Figuren eines anderen Herstellers, liegt für Gerber auf der Hand: „Ich wollte das Stück so realitätsgetreu wie möglich nachstellen. Dafür war Playmobil am besten geeignet, weil es ein großes Sortiment von Gegenständen des 19. Jahrhunderts gibt.“ Jede Figur und Requisite und auch jede Kulisse wurde von ihm handbemalt. Je nach Art der Figuren wurden dann die Mäntel und andere Kleidungsstücke erweitert. Die Umgestaltung der Figuren nahm einige Zeit in Anspruch und erforderte eine gründliche Vorbereitung. „Dazu musste ich verschiedene Programmhefte, Szenen- und Schlussapplausfotos studieren und miteinander vergleichen.“ Mehrere Wochen bis Monate hat er in diese Detailarbeit investiert. „Außerdem hat eine LED-Firma eine spezielle Lichttechnik für mein Theater entwickelt, und ein Schneider aus Nesselwang hat meine Vorhänge angefertigt.“

Investitionskosten von mehr als 5.000 Euro

Im Jahr 2017 machte Lukas Gerber sein Abitur und fand danach endlich die Zeit, um alle Szenen aus dem Musical in seinem Theater nachzustellen und zu filmen. Dabei ging er chronologisch vor. „Ich hatte sehr genaue Vorstellungen, wie jede Szene videoregietechnisch dargestellt werden sollte.” Anfang November wurde die Ouvertüre aufgezeichnet und am 23. Dezember 2017 fiel mit dem Schlussapplaus der letzte Vorhang der Musical-Videoaufzeichnung. Für jede Szene wurde bis zu sechs Stunden täglich gefilmt, geschnitten und der Ton bearbeitet.

Wie viele Arbeitsstunden Lukas Gerber insgesamt in sein Theaterprojekt investierte, hat er nicht festgehalten. „Insgesamt habe ich aber jede freie Minute damit verbracht, Pläne und Ideen zu entwickeln.“ Während der Schulzeit wurden also freie Wochenenden und Ferien geopfert, um den Traum vom Theaternachbau zu verwirklichen. Etwa 5.000 Euro hat der Liebhaber in sein Theater gesteckt. „Vor allem das aktuelle Theater war aufgrund der aufwändigen Technik relativ teuer.“ Der Lohn für die jahrelange Arbeit ist das durchgehend positive Feedback, das er von Leuten aus dem Musicalbereich und dem Allgäuer Raum erhält. „Aber belächelt hat mich deshalb noch niemand.“

Text: Dominik Lapp

 

Tipp | Lukas Gerber ist auf Facebook und Youtube aktiv und hat eine informative Webseite.

Dominik Lapp ist der Gründer von kulturfeder. Als Kultur- und Lokaljournalist schreibt er außerdem unter anderem für die Neue Osnabrücker Zeitung und das Meller Kreisblatt. Er führte Regie bei den Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie bei einer Workshop-Produktion des Musicals "Der Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort".

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