„Bat out of Hell“ in Oberhausen (Foto: Dominik Lapp)
  by

Probenreport: Hinter den Kulissen von „Bat out of Hell“ in Oberhausen

Emsiges Treiben herrscht derzeit im Musikweg in Oberhausen. In der klangvollen Straße steht – wie passend – das Metronom Theater in direkter Nachbarschaft zur Centro-Einkaufsmeile. Bis Ende September war hier das Disney-Musical „Tarzan“ zu sehen. Doch Besucher, die das knallgrüne Bühnenbild noch in bester Erinnerung haben, würden das Haus jetzt nicht mehr wiedererkennen. Denn der Umbau und die Proben für die neue Musicalproduktion laufen auf Hochtouren, die Deutschlandpremiere von Jim Steinmans „Bat out of Hell“ mit den Welthits von Meat Loaf steht in den Startlöchern.

Im Zuschauerraum wurde ein Großteil der Bestuhlung ausgebaut, ein Teil der neuen Bühne ist bereits zu erkennen. Kein Grün mehr, stattdessen viel Grau in Grau. Im Saal, auf der Bühne und auf dem Außenbereich neben dem Theater lagern Kulissenteile. Einzelne Bauteile für riesige Kanalisationsrohre sind zu erkennen, Metallpfeiler liegen herum. Während neben dem Theater ein LKW mit weiteren Bühnenteilen ausgeladen wird, trifft gerade ein weiterer Truck ein und wartet darauf, seine Ladung loszuwerden.

Technikteam arbeitet rund um die Uhr

Schon jetzt ist zu erahnen, dass die postapokalyptische Handlung von „Bat out of Hell“ in einem bombastischen Bühnenbild erzählt wird. Auch Pyroeffekte, Feuer und Wasser werden zum Einsatz kommen, um für dystopische Weltuntergangsstimmung in der fiktiven Stadt Obsidian zu sorgen. Das erfordert viel Arbeit während des Aufbaus und der technischen Einrichtung.

Das Foyer gleicht einer einzigen Baustelle. Der rote Teppich mit seinen schwarzen Punkten wurde mit schützenden Platten abgedeckt, überall stehen riesige Kisten, so genannte Cases, die kilometerlange Kabel, Tontechnik und Scheinwerfer beinhalten. Das 65-köpfige Technikteam arbeitet rund um die Uhr, damit die 32 Darsteller in einer Woche von den Probenräumen auf die Bühne umziehen können.

„Bat out of Hell“ in Oberhausen (Foto: Dominik Lapp)

Proben parallel in mehreren Räumen

Geprobt wird momentan aber nicht nur auf der Probebühne. Probiert wird auch im Gesangsstudio und im Foyer. Hierzu wurde ein Bereich im Foyer mit Stellwänden abgetrennt und ein Tanzboden verlegt. In der Ecke steht ein Klavier, an der Wand wurde eine mobile Ballettstange platziert. So ist es möglich, dass unterschiedliche Szenen parallel geprobt werden – hier szenisch, da musikalisch.

Während das Ensemble an diesem Vormittag auf der Probebühne den Song „Komm aus der Hölle raus“ („Out of the Frying Pan and into the Fire“) mit Choreograf Michael Naylor und Regisseur Nick Evans szenisch probt, sind einige Türen weiter die Stimmen von Willemijn Verkaik und Alex Melcher (hier geht’s zum Interview) schon auf dem Flur zu hören.

Sie arbeiten an dem Song „Wo tut mir der Schmerz am meisten weh“, den man im englischen Original unter dem Titel „What Part of my Body hurts the most“ kennt. Am Klavier begleitet werden sie dabei vom Musikalischen Leiter Robert Emery. „Das ist der einzige Song, den Jim Steinman eigens für die Show geschrieben hat“, erläutert Emery. Alle anderen Songs wurden durch das Album von Meat Loaf bekannt.

„Bat out of Hell“ in Oberhausen (Foto: Dominik Lapp)

Songs auf Deutsch neu entdecken

Obwohl es nur eine Probe ist, klingt der Song schon ziemlich gut. Willemijn Verkaik und Alex Melcher, die Sloane und Falco spielen, harmonieren sehr gut miteinander und man bekommt eine leise Ahnung davon, wie sich die beiden später im Zusammenspiel auf der Bühne ergänzen werden. Gänsehautstimmung.

Ungewohnt aber wirklich schön klingt der deutsche Songtext. „Anfangs habe ich mich noch gegen die deutschen Texte gewehrt, weil man einfach die englischen Originale im Kopf hat“, gesteht Alex Melcher. „Aber letztlich muss man sich davon freimachen und auf die deutschen Texte einlassen, die Songs dadurch neu entdecken.“

Alle Songs im Musical „Bat out of Hell“ werden in Oberhausen auf Deutsch zu hören sein. Adaptiert wurden sie von dem erfolgreichen Musikproduzenten und Autor Frank Ramond, der sonst für Größen wie Annet Louisan, Mary Roos, Howard Carpendale oder Ben Zucker textet und auch die Songtexte für das Musical „Goethe!“ schrieb (wir berichteten).

„Musikprojekte scheitern nicht an ihrer Umsetzung, ihrer Inszenierung oder Vermarktung, sondern bereits im Ansatz an unpassenden oder mangelnden Inhalten“, erklärt Ramond auf seiner Webseite, wieso er deutsche Songtexte bevorzugt. Kein Wunder also, dass es Stage Entertainment als ausführende Produktionsfirma wichtig ist, dass die Inhalte von „Bat out of Hell“ auf Deutsch über die Rampe gebracht werden, damit auch diejenigen im Publikum alles verstehen, die der englischen Sprache nicht oder nicht ausreichend genug mächtig sind.

Vom Musical zum Album und zurück zum Musical

Was viele wohl bis heute nicht wissen: Das weltbekannte Meat-Loaf-Album „Bat out of Hell“ war ursprünglich schon als Musical konzipiert worden. Der junge Komponist Jim Steinman schrieb 1968 das Musical „Baal“, aus dem sich ein Jahr später „The Dream Engine“ und 1977 „Neverland“, ein Musical in Anlehnung an „Peter Pan“, entwickelte. Im selben Jahr erschien das Album „Bat out of Hell“, auf das noch zwei weitere Alben folgten. Der Stoff entwickelte sich von „Baal“ über „Peter Pan“ hin zu der postapokalyptischen Dystopie, die das Musical „Bat out of Hell“ heute erzählt. Es ist eine Mischung aus „Romeo und Julia“ und „Peter Pan“, gewissermaßen eine moderne „West Side Story“.

„Bat out of Hell“ in Oberhausen (Foto: Dominik Lapp)

Darsteller gehen in Songs auf

Im abgetrennten Foyerbereich proben jetzt Robin Reitsma und Sarah Kornfeld, die als Strat und Raven auf der Bühne stehen werden, den Song „Aus dem Nichts hast du Liebe gemacht“ („Making Love out of nothing at all“) und die dazugehörige Szene. Gerade kommen sich die beiden Protagonisten etwas näher, ein Kuss deutet sich an, da unterbricht Nick Evans die Szene. „Wir steigen noch mal neu ein. Spielt es natürlicher“, weist er seine Darsteller an. Alles auf Anfang. Jetzt scheint es besser zu laufen, denn der Regisseur unterbricht nicht mehr. Zwischen Reitsma und Kornfeld hört man jetzt schon das gefährliche Knistern – spielen sie doch ein Paar, das eigentlich keines sein darf, ähnlich wie Romeo und Julia oder Tony und Maria.

Später in der fertigen Show werden die Darsteller von einer Rockband begleitet. Bei den Proben kommt aber lediglich ein Klavier zum Einsatz, gesungen wird noch ohne technische Verstärkung. Und dennoch rockt es schon jetzt ordentlich, die Darsteller scheinen in den Songs richtig aufzugehen. „Die Musik von Jim Steinman bringt enorm viel Energie und gibt mir den perfekten Kick“, sagt Sarah Kornfeld. „Für mich ist die Show eine ultimative Liebesgeschichte, die uns vor Augen führt, dass wir auf die Menschen, die wir lieben, gut aufpassen müssen“, ergänzt ihr Bühnenkollege Robin Reitsma.

„Bat out of Hell“ in Oberhausen (Foto: Dominik Lapp)

Später proben auch Aisata Blackman und Benet Monteiro im Foyer. Nick Evans und Robert Emery haben den Song „Für dich steht es zwei zu drei“ („Two out of three ain’t bad“) angesetzt. Während Emery musikalische Anweisungen gibt, erklärt Evans den beiden Darstellern, die in dem Stück Zahara und Jagwire spielen, was er sich von ihnen schauspielerisch in der Szene wünscht.

Bühne ist Spielplatz und Arbeitsplatz

Zurück auf der Probebühne. Hier rockt es gewaltig. Das Ensemble probt noch einmal „Komm aus der Hölle raus“. Die Energie, die von den Darstellern ausgeht, reißt einen bereits bei der Probe mit. Da bebt der schwarze, leicht abgeschrägte Bühnenboden, auf dem sich allerhand weiße Markierungen befinden. Die Darsteller müssen schließlich wissen, wo später auf der Originalbühne Kulissen oder Requisiten stehen. Nicht nur jeder Tanzschritt, jede Geste, jeder Ton muss sitzen. Auch Abläufe müssen verinnerlicht, Gefahrenquellen im Blick behalten werden. Eine Bühne ist nicht nur Spielplatz, sondern auch Arbeitsplatz.

„Bat out of Hell“ in Oberhausen (Foto: Dominik Lapp)

Heimkehr für Willemijn Verkaik und Alex Melcher

Vom Bühnenrand aus beobachten Willemijn Verkaik und Alex Melcher die Probenszene. Sie dürfen jetzt einmal durchschnaufen, da sie in der Szene nicht dabei sind. Beide Künstler kennen das Metronom Theater gut. Alex Melcher stand hier bereits bei der Eröffnungsproduktion „Tabaluga & Lilli“ auf der Bühne. Das war 1999, als das Haus noch Theatro Centro hieß. Im Jahr 2005 übernahm Stage Entertainment das Theater, hat es aufwändig umgebaut und ihm einen neuen Namen verpasst. „Es ist trotzdem wie eine Heimkehr“, so Melcher.

Versteckte Liebeserklärung an Oberhausen?

„Ich verbinde Theater immer mit Gerüchen, und es riecht hier noch genauso wie vor acht Jahren“, sagt eine strahlende Willemijn Verkaik, die hier schon als Elphaba im Musical „Wicked“ auf der Bühne stand. Die Künstlerin hat internationale Erfolge zu verbuchen: Sie sang nicht nur in der deutschen und niederländischen Synchronfassung des Disney-Films „Frozen“ die Elsa, sondern stand als Elphaba auch am Broadway und im Londoner West End auf der Bühne. „Es ist trotzdem schön, wieder in Oberhausen zu sein“, freut sie sich. „Egal ob Broadway, West End oder Oberhausen – Theater ist überall gleich und ich liebe es, Theater zu spielen.“ Das klingt fast wie eine versteckte Liebeserklärung an die Stadt im Ruhrpott.

Den einzigen Unterschied zwischen den Musicalszenen in New York, London und Deutschland sieht Willemijn Verkaik darin, dass die Musicals in Deutschland auf verschiedene Städte verteilt sind und Besucher oft weite Strecken zurücklegen müssen. „In New York und London hat man das alles komprimiert, da laufen alle Shows in einer Stadt“, so die Musicaldarstellerin.

„Bat out of Hell“ in Oberhausen (Foto: Dominik Lapp)

Mittlerweile ist es Mittag und die Darsteller haben sich eine Pause verdient. Währenddessen werden im Saal noch Lichtstimmungen und Kulissenfahrten an einem Computer programmiert, auch auf der Bühne wird weitergearbeitet. Gerade wird draußen ein weiteres Bühnenteil vom LKW abgeladen und durch das seitliche Bühnenportal ins Theater gebracht. Am Nachmittag wird es mit den Proben weitergehen. Es wird musikalisch probiert, Schauspielszenen müssen wiederholt, Choreografien einstudiert und gefestigt werden. „Es liegt noch viel Arbeit vor uns“, fasst Regisseur Nick Evans zusammen.

Text: Dominik Lapp

Dominik Lapp arbeitet als Journalist, Produzent und Regisseur. Er hat für bekannte Musicalmagazine geschrieben und stand viele Jahre als Chefredakteur an der Spitze eines Onlinemagazins. Als Regisseur verantwortete er die Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" und "Luther" sowie eine Workshop-Produktion des Musicals "Der Schimmelreiter". Darüber hinaus schuf er die Musical-Talk-Konzertreihe "Auf ein Wort".

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Es gelten unsere Bedingungen zum Datenschutz sowie zur Nutzung / AGB. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen